zur Navigation springen

Brennpunkt Innenstadt : Unter die Räder gekommen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

In der Husumer Innenstadt kommt es immer wieder zu heiklen Situationen, weil Verkehrsteilnehmer sich nicht an die Regeln halten. Kürzlich wurde ein älteres Ehepaar von einem Radfahrer angefahren und stürzte zu Boden.

von
erstellt am 06.Mai.2016 | 15:00 Uhr

Was Verkehrsteilnehmer in der Innenstadt dürfen und was nicht, ist durch die Straßenverkehrsordnung (StVO) geregelt. „Aber was nützt es, wenn sich die Leute nicht daran halten“, fragt sich Karl-Friedrich Bumb vom städtischen Ordnungsamt. Wofür die meisten nicht einmal auf Paragraf 1 der StVO schauen müssen, scheint anderen – gelinde gesagt – ziemlich egal zu sein: „Ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme“ ist nun einmal nicht jedermanns Sache. Und manchmal wird es auch schon mal kriminell. Beispiel: Ein älterer Herr geht mit seiner Lebensgefährtin in der Großstraße spazieren – untergehakt wie immer. Es ist 18.15 Uhr. Einige Geschäfte haben bereits geschlossen, in anderen bereiten sich die Mitarbeiter auf den Feierabend vor. Plötzlich gerät die Frau ins Straucheln. Ihr Begleiter versucht sie aufzufangen. Doch das misslingt, und am Ende gehen beide zu Boden. Ursache ist ein Radfahrer, der die Frau im Vorbeifahren auf dem Gehweg, wo er – laut Straßenverkehrsordnung – gar nicht hingehört, angerempelt und zu Fall gebracht hat. „Danach ist er einfach weitergefahren“, sagt der ältere Herr empört. „Ein paar Passanten haben uns dann wieder auf die Beine geholfen.“

„Es ist nicht das erste Mal, dass wir von solchen Vorfällen hören“, räumt Bumb ein. Tatsächlich beklagen vor allem ältere Verkehrsteilnehmer, dass sich Radfahrer in der Innenstadt nicht an die Regeln halten und nach Lust und Laune auf dem Bürgersteig „herum cruisen“. „Wir sind mit Blessuren davongekommen“, berichtet das Paar. „Aber es kann auch sein, dass sich jemand bei so etwas den Oberschenkelhals bricht. Das hat in unserem Alter möglicherweise fatale Folgen.“ Er wisse, dass vor allem ältere Zeitgenossen inzwischen Angst hätten, durch die Innenstadt zu gehen, so der ältere Herr.

Szenenwechsel: Ein junges Mädchen fährt mit dem Fahrrad durch den Schlossgarten. Auch das ist nicht erlaubt, und auch darauf weisen mehrere Schilder hin. Das Mädchen macht es trotzdem und wird prompt von einem Polizisten angehalten. Es zeigt Einsicht. Ein paar Tage später flattert dennoch ein Bußgeldbescheid über 15 Euro ins Haus. „Völlig unverhältnismäßig“, findet die Großmutter, der das Mädchen geholfen hatte, einen Kellerschrank leer zu räumen, und die ihm dafür – ja, so kann es gehen – 15 Euro geschenkt hatte. Auch das ältere Paar kann sich darüber nur wundern. „Früher hat es gereicht, wenn Jugendliche von der Polizei auf ein Fehlverhalten aufmerksam gemacht wurden. Da musste man nicht gleich ein Bußgeld verhängen“, sagt es und wünschte sich stattdessen mehr Polizei-Präsenz in der Innenstadt.

Die ist nach Lage der Dinge für Dirk Benzmann aber nicht zwingend erforderlich. „Es gibt aus unserer Sicht keine Häufung solcher Vorfälle“, erklärt der Chef des Polizeireviers auf Anfrage. Außerdem sei der Polizeibezirksdienst beinahe täglich in der Stadt unterwegs und stehe in regelmäßigem Kontakt mit sämtlichen Schulen.

Grundsätzlich ist festzustellen, dass im Gefolge einer allmählichen Aufweichung der Straßenverkehrsordnung durch die gängige Praxis „einige Verhaltensregeln nicht mehr dieselbe Bedeutung wie früher zu haben scheinen“, sagt Bumb. Beispiele gibt es genug. So könnte die Automobilindustrie angesichts des sparsamen Einsatzes auf den Einbau von Blinkern glatt verzichten. Aber auch der Rechtsverkehr scheint nicht mehr uneingeschränkt zu gelten. Und erwachsene Radfahrer auf dem Bürgersteig sind selbst an Markttagen keine Seltenheit.

Da und dort ist die Lage aber auch ein bisschen unübersichtlich: So dürfen Radfahrer im oberen Teil der Norderstraße sowie in der Großstraße gegen die Einbahnstraße fahren – allerdings nur auf der Fahrbahn. Auf dem Gehweg ist dies nach Paragraf 2, Absatz 5 StVO ausschließlich Kindern bis zum vollendeten achten Lebensjahr vorbehalten. Mädchen und Jungen im Alter bis zu zehn Jahren müssen nicht, aber dürfen auch den Gehweg benutzen. Alle anderen gehören auf die Straße.

Im Grunde, so der Appell von Karl-Friedrich Bumb, müsse man aber gar nicht so viel über die StVO wissen. Eine Beherzigung von Paragraf 1, Absatz 2, reiche vollkommen aus: „Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet (.  .  .), behindert oder belästigt wird“, heißt es dort.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen