Neue Stromtrasse : Unmut über Vorgehen der Tennet

Rund 150 Kilometer lang soll die geplante 380-kV-Westküstenleitung zwischen Brunsbüttel und Niebüll werden. Sie soll 2018 in Betrieb gehen.
Foto:
Rund 150 Kilometer lang soll die geplante 380-kV-Westküstenleitung zwischen Brunsbüttel und Niebüll werden. Sie soll 2018 in Betrieb gehen.

Für Unruhe sorgen Tennet-Planungen für die neue Westküsten-Höchstspannungsleitung von Niebüll bis Brunsbüttel. Die Kreispolitik beschwert sich, dass Einwände nicht berücksichtigt wurden.

von
16. Januar 2015, 12:00 Uhr

Lange Zeit schienen die Planungen für die Westküsten-Höchstspannungsleitung von Brunsbüttel nach Niebüll auf Spur zu sein. Doch jetzt droht noch ein handfester Konflikt. Denn es gibt Befürchtungen, dass sich der künftige Netzbetreiber Tennet bei seinen aktuellen Planungen nicht an die getroffenen Absprachen und zugesagten Änderungen der Trassenführung im Zuge des Bürgerdialogs Westküste hält. Dieser läuft unter Federführung des Energiewende-Ministeriums. Zudem befürchten Landeigentümer und Kommunen auf Kosten für die Regulierung von Schäden im Zuge des Leitungsbaus sitzen zu bleiben.

Weil der Kreis Nordfriesland die Angelegenheit in trockenen Tüchern wähnte, sollte nach dem umfangreichen Informations- und Abstimmungsverfahren eigentlich auf eine politische Stellungnahme verzichtet und nur eine fachliche abgegeben werden. Nun jedoch pocht der Umwelt- und Energieausschuss des Kreistages ausdrücklich auf die Einhaltung von Zusagen: Einstimmig wurde das Umweltministerium als Planungsbehörde und die für das Dialogverfahren zuständige Instanz aufgefordert, „das anfänglich so herausragend gute, bürgernahe und transparente Planungsverfahren nicht kurz vor dem Ziel scheitern zu lassen, indem die eingebrachten Einwände unbeachtet bleiben“, So hatte es der amtierende Ausschuss-Vorsitzende Michael Drechsler (SSW) formuliert. Auch der Planungsträger Tennet sei aufgefordert, weiterhin auf Augenhöhe zu verfahren und „für offen gebliebene Einzelkonflikte mit Gemeinden und Bürgern einvernehmliche Lösungen herbeizuführen“.

Drechsler verwies zur Begründung darauf, dass das „anfänglich so vorbildliche Planungsverfahren scheinbar mitten im Ablauf aufgegeben worden ist“, sodass Bürgermeister der betroffenen Gemeinden im Bereich des Amtes Nordsee-Treene am 19. Januar zusammenkommen wollen, „um im letzten Moment eine Welle von Klagen gegen den Neubau der 380-kV-Leitung zu verhindern“. Denn viele Einwände seien nicht in die ausliegenden Pläne aufgenommen worden.

„Zusagen müssen eingehalten werden, sonst verliert die Tennet ihre Glaubwürdigkeit“, bekräftigten Eva-Maria Kühl (CDU) und der FDP-Kreispolitiker Hermann Schaefer. Die CDU-Kreistagsabgeordnete Telse Jacobsen aus Mildstedt bestätigte, dass der geplante Leitungsbau im Husumer Umland für Unruhe sorgt. „Das ist ein ganz schlechtes Signal“, konstatierte SPD-Vertreter Olde Oldsen.

Der betroffene Landeigentümer Peter Clausen schilderte den Ausschussmitgliedern monatelange, vergebliche Bemühungen, Tennet zu versprochenen und protokollierten Änderungen bei der Trassenführung und Maststandorten zu bewegen sowie Entschädigungsfragen zu klären. Weil sie sich hingehalten fühlen, überlegen nach seinen Aussagen rund 50 Landeigentümer – überwiegend Landwirte – eine Initiative zu gründen. In einem analogen Fall habe dies in Dithmarschen flankiert durch Widerstand von betroffenen Gemeinden zu einem Einlenken von Tennet geführt, so Clausen, der betonte, es gehe nicht darum, die Trasse an sich zu verhindern. Sein Fazit zum Stand des Beteiligungsverfahrens: „So kann man mit Bürgern nicht umgehen.“

„Wenn die Tennet das nicht ernst nimmt und die Energiewende gefährdet, dann wird der Schaden für Schleswig-Holstein groß sein“, warnte der stellvertretende Ausschussvorsitzende Manfred Uekermann (CDU). Denn es gehe nicht nur um Einzelkonflikte, sondern in punkto Entschädigung wie in Dithmarschen auch um ein Thema, dass alle Gemeinden tangiere, wenn diese auf Kosten für die Instandsetzung von Wegen hängen bleiben würden, weil kein angemessener Ausgleich gezahlt wurde.

„Es gibt in der Tat einen großen Widerspruch zwischen dem, was wir den Leuten versprochen haben, und dem was wir bisher einhalten konnten“, erklärte John Karl Herrmann, Tennet-Referent für Bürgerkommunikation, auf Anfrage. Die noch bis zum 22. Januar im Zuge der „vorgezogenen Offenlage der Antragsunterlagen“ bei den örtlich bekannten Auslegestellen einsehbaren Karten und Papiere basieren demnach auf einem alten Planungsstand vom Mai 2014. Nur so habe sich sicherstellen lassen, dass die Unterlagen fristgerecht im September beim Amt für Planfeststellung Energie in Kiel eingereicht und damit das Verfahren in Gang gebracht werden konnte. Die Folge: „Die Unterlagen enthalten in der Tat noch nicht alle Hinweise der Bürger.“ Aber Hermann wirbt um Vertrauen und verspricht: „Für den Abschnitt Heide-Husum werden wir 95 Prozent der Wünsche umsetzen können.“ Zudem verweist er darauf, dass nach dem 22. Januar noch vier Wochen Zeit für Einwendungen bleiben.

Vier Bauabschnitte

Die Westküstenleitung wird in vier Abschnitten geplant und gebaut: von Brunsbüttel bis Süderdonn, von Süderdonn bis Heide, von Heide bis Husum und von Husum bis Niebüll. Die gesamte Leitung soll bis 2018 in Betrieb genommen werden. Sie soll entlang der Westküste Windstrom einsammeln und nach Süden transportieren. Die 380-kV-Höchstspannungsleitung ist zentraler Baustein der Energiewende.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen