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Von der Bachstelze bis zum Marder : Ungewöhnliches Hobby: Olaf Christiansen sammelt tote Tiere

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Olaf Christiansen aus Poppenbüll entdeckt bei seinen Radtouren immer wieder tote Tiere und nimmt sie mit nach Hause.

Wenn Hobby-Imker Olaf Christiansen aus Poppenbüll Gäste in seinem Haus empfängt, dann schweift deren Auge unwillkürlich und staunend zu den Wänden und Regalen im Flur. Mit einem verschmitzten Lächeln erklärt der Hausherr dann oft: „Jeder hat seinen Vogel. Ich habe einige mehr.“

Tatsächlich geht der Naturfreund seit etwa 30 Jahren einem nicht alltäglichen Hobby nach. Wenn er auf einer seiner Radtouren oder bei Ausflügen mit dem Auto tote Vögel oder auch Säugetiere am Straßenrand entdeckt, dann packt ihn einmal mehr die Sammelleidenschaft. Er birgt die Tiere und lässt sie von dem Friedrichstädter Fachmann Olaf Ekelöf präparieren.

Auf diese Art ist der seit sechs Jahren im Ruhestand lebende ehemalige Leiter der Filiale der Nord-Ostsee-Sparkasse in Garding in den Besitz von 65 Exemplaren bekannter oder seltener Vögel gelangt, darunter beispielsweise Graureiher, Wintergoldhähnchen, Eichhörnchen und Marder.

Weil er nun mit Ehefrau Anne in ein kleineres Haus ziehen möchte, hat er sich schweren Herzens dazu durchgerungen, sich von seiner Sammlung zu trennen. Er will sie verschenken. „Das wird mir nicht leicht fallen. Aber im neuen Haus werde ich weniger Platz haben“, sagt Christiansen. Am liebsten wäre es ihm, wenn alles vollständig in adäquate Hände gehen würde und möglichst auf Eiderstedt bleibt. Dabei kann er sich die Platzierung in einer Schule, Behörde, einem Museum oder in einer touristischen Einrichtung vorstellen. Eine gute Anlaufadresse könnte auch das Naturzentrum Mittleres Nordfriesland in Bredstedt sein.

Wichtig ist dem Hobby-Sammler, dass die Exponate der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen, denn sie sind zugleich Zeitzeugen. „Jedes Tier hat seine eigene Geschichte und besonders in der Vogelwelt stelle ich große Veränderungen innerhalb der vergangenen drei Jahrzehnte fest. Das macht nicht gerade fröhlich“, erläutert Christiansen. Er kennt sich mittlerweile aus in Sachen Vogelkunde, denn mit jedem Fundtier hat er sich auch das entsprechende Wissen über ihn angeeignet. Immer seltener, so berichtet Christiansen, höre er Kiebitz und Kuckuck rufen, die Feldlerche singen und beobachte immer weniger Teich-Schilfrohrsänger. Vor 30 Jahren sei das täglich zu erleben gewesen, genauso wie das Treiben der damals noch zahlreichen Trauerseeschwalben.

Angefangen hat übrigens alles in einem Schneewinter vor 30 Jahren. Sohn Bahne fand eine erfrorene Schleiereule ganz in der Nähe des Hauses. Da sie beringt war, verfolgte Christiansen ihre Spur. Er fand über die Vogelwarte Helgoland heraus, dass die Eule zuletzt im Kirchspiel Garding beheimatet war. Doch wohin nun mit dem Tier? Die Idee mit dem Ausstopfen kam spontan und brachte die Lösung. Nach diesem Schlüsselerlebnis stieß der Pensionär auf seinen täglichen Fahrten mit dem Rad zur Arbeit auf immer mehr tote Vögel oder Säugetiere am Straßenrand. Er nahm sie mit nach Hause, reinigte sie und gab sie weiter an den Fachmann. Manchmal musste sogar die Tiefkühltruhe für eine Zwischenlagerung herhalten. „Ich habe mich damit arrangiert“, sagt Ehefrau Anne. Doch das Reinigen habe sie ihrem Mann überlassen.

Eine kleine Sensation sei der Fund einer Bachstelze am 1. August 2009 zwischen Poppenbüll und Garding gewesen. Sie war ein Jahr alt und in Lüttich/Belgien beringt worden. Zwei tote Waldohreulen fand er im eigenen Garten. Sie nisteten in einer Tanne. Nach einem heftigen Sommersturm mit Platzregen lagen sie regungslos auf der Erde. Nachbarn hätten einmal einen Turmfalken und einen Eisvogel abgegeben. Auf einer Autofahrt von Hamburg nach Hause sei ihm ein Braunkehlchen vor die Autoscheibe geflogen. Er habe angehalten und das tote Tier mitgenommen. So könne er noch manche Begebenheit erzählen. Ob er letztendlich ohne sein Hobby leben könne, müsse er zwangsläufig ausprobieren. Doch der Natur bleibt er zweifelsohne durch die Imkerei treu.

Interessenten dürfen sich per Mail (ochristiansen@t-online.de) oder per Telefon unter 04862/519 oder 0160/1703980 bei Olaf Christiansen melden.

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