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Siedlung Bredstedt : Ungeklärte Fragen nerven Anwohner

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Unzufrieden mit den Gehwegen, nasse Keller, hohe Kosten: Viele Anwohner der Siedlung äußerten Kritik zum Ausbau ihrer Straßen. Rund 90 Bürger besuchten nun einen Informationsabend zum Thema.

Zehn Jahre lang hatte Timo Jensen bei Regen keine Probleme in seinen Häusern an der Lindenstraße. Erst seitdem die Siedlung im Südosten der Stadt ausgebaut wurde, sagt er, stünden die Keller seiner beiden Gebäude regelmäßig unter Wasser. „Vorher war alles gut. Wenn es geregnet hat, ist das Wasser die Straße nach unten und da in einem Schacht abgelaufen. Seit den Bauarbeiten standen die Keller aber schon drei- oder viermal unter Wasser“, so Jensen. Seine Mieter hätten die Räume inzwischen sicherheitshalber leergeräumt.

Da viele Anlieger der Siedlung nach den dortigen Ausbauarbeiten noch Fragen zu stellen und Kritik zu äußern hatten, wurden sie nun von der Stadt zu einem Informationsgespräch in das Bürgerhaus geladen. Auslöser war die jüngste Sitzung des Bredstedter Bauausschusses. Nach einem anonymen Rundschreiben hatten diese rund 50 Anwohner besucht (wir berichteten). Nun waren sie zusammen mit Experten des Bauunternehmens Hoff, des Amtes Mittleres Nordfriesland, des Wasserverbandes, der Firma Hansegrand sowie dem Gutachter Jan Sievertsen, Bürgermeister Knut Jessen und dem Bauausschuss-Vorsitzenden Wolfgang Kinsky eingeladen worden, um diese Fragen zu klären.

Im Fall von Timo Jensen seien unter anderem die zuletzt außergewöhnlich starken Regenfälle dafür verantwortlich gewesen, dass viel Wasser auf sein Grundstück gelangen konnte, erklärt Sievertsen. Da heute nicht mehr die Möglichkeit bestehe, das Regenwasser auf der Lindenstraße in öffentliche Gewässer abzuleiten, wurden seitlich Sickermulden ausgehoben. „Dies wird vom Wasserverband empfohlen, da es ökologisch sinnvoll ist, das Wasser dort versickern zu lassen, wo es anfällt“, sagt Sievertsen. Allerdings würde es in der Siedlung noch nicht an jeder Stelle einwandfrei funktionieren, räumt er ein. Dort werde nun nachgebessert, die Zuwegung zu Jensens Häusern beispielsweise abgesenkt.

Ein weiteres Thema, das viele Anlieger beschäftigt, ist der sogenannte Hansegrand. Da sich dieser bei Umfragen in der Siedlung als günstigste Variante durchsetzte, wurden die Gehwege nicht gepflastert. Allerdings, so die Kritik, würden die Teile der Gesteinsmischungen bei Regen weggespült und landeten in den Sickermulden und Vorgärten.

Tatsächlich, so Kathrin Pape von der Firma Hansegrand, könne dies in der Anfangszeit bei starken Regenfällen passieren. Es dauere ein halbes bis ganzes Jahr, bis der Untergrund die gewünschte Festigkeit aufweise. „Das Material setzt sich aus verschiedenen Bestandteilen zusammen. Erst die Kombination aus Benutzung, Regen und Sonne macht die Decke fest“, so Pape. Die Fußwege im Bredstedter Sparkassenpark sind ebenfalls mit Hansegrand befestigt. Dort zeige sich, wie das Material in Zukunft aussehe. Sie sind fest und trotz des wasser- und luftduchlässigen Materials wachsen keine Pflanzen hindurch. Bei Regen funktioniere es zudem wie ein Schwamm und nehme das Wasser auf. Sollten aber unabhängig davon Schäden entstehen, erklärte Sievertsen, so werden diese nachgebessert. Zudem gäbe es eine vierjährige Gewährleistung. Doch es gab auch positive Beiträge: „Das Material hat sich bei uns inzwischen sehr gut gesetzt und ist stabil“, so ein Anwohner aus der Siedlung. „Nur Starkregen wirkt sich kontraproduktiv aus. Aber welches Material kommt damit schon klar?“

Den größten Rahmen im Laufe des Abends nahm allerdings die Frage ein, warum es sich bei den Straßen in der Siedlung um Anlieger- und nicht um Hauptverkehrs- oder -erschließungsstraßen handle. Erstgenannte werden laut Definition überwiegend von den Anliegern genutzt, in den anderen Fällen gibt es auch einen großen Teil an Durchgangsverkehr. Das Interessante für die Anlieger: Bei Hauptverkehrswegen hat die Stadt Bredstedt als Bedarfsempfänger mit 60 Prozent die Hauptlast der Ausbaukosten zu tragen, bei stadtinternen und Anliegerstraßen tragen die Anlieger 85 Prozent der Kosten. Vor allem die Stettiner Straße werde von vielen Autofahrern genutzt, die die Ampelanlage am Marthaplatz umgehen wollen, so die Kritik eines Anwohners. Das Verkehrsaufkommen sei dementsprechend hoch. Allerdings habe eine Verkehrszählung im Mai 2014 ergeben, dass es zwischen den einzelnen Straßen keine großen Unterschiede gebe, erklärte Astrid Jensen vom Amt. Einen zahlenmäßigen Richtwert, ab wann aus einem Anlieger- ein Hauptverkehrsweg werde, gebe es ohnehin nicht, so Knut Jessen. Es ginge allein darum, wer die Straßen nutze. Er kündigte nun an, das Verkehrsaufkommen noch einmal zählen zu lassen.

Letztlich verblieben viele Anwohner mit geteilten Meinungen zum Ergebnis des Abends. „Das war schon ganz konstruktiv“, so die Anwohnerin Heidi Jensen. „Es bleiben aber offene Fragen. In Zukunft sollen viele Straßen in Bredstedt ausgebaut werden. Wir wollen einfach, dass das für die Anlieger so transparent wie möglich gemacht wird.“

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erstellt am 07.Okt.2015 | 14:00 Uhr

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