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Personalmangel in Friedrichstadt : Unfreiwillige Feuerwehr: Was die Neuen zu ihrer Verpflichtung sagen

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Bislang gibt es 17 Einsprüche gegen die Dienstverpflichtungen. Vielen kommt sie ungelegen.

von
erstellt am 03.Mai.2016 | 13:54 Uhr

Friedrichstadt | Die gute Nachricht vorweg: Am kommenden Montag nimmt die Feuerwehr Friedrichstadt ihren Dienst wieder in gewohnter Form auf. „Der erste Übungsabend findet wieder statt“, sagt Wehrführer Birger Thomsen. Damit ist zwar der jahrelange Streit innerhalb der Feuerwehr Friedrichstadt nicht gänzlich beigelegt, „aber wir blicken optimistisch in die Zukunft und nicht mehr zurück“, unterstreicht der Wehrführer. Aus der Freiwilligen Feuerwehr Friedrichstadt mit langer Tradition ist jetzt eine Pflichtwehr geworden, die dritte in Schleswig-Holstein. „Aber“, so betonen Bürgermeister Eggert Vogt, Kreisbrandmeister Christian Albertsen und Birger Thomsen übereinstimmend, „das Ziel ist es, langfristig wieder in die Freiwilligkeit zu kommen.“

Feuerwehren klagen immer wieder über eine mangelnde Teilnahme. Die Ursachen dafür können vielfältig sein. Es wohnen immer weniger junge Menschen in ländlichen Räumen - bedingt durch den demografischen Wandel und die Arbeitsplatzsituation.

Der erste Schritt in die Zukunft wurde am Montagabend in Friedrichstadt getan. Dort fand im Gerätehaus die erste Zusammenkunft der für die Wehr verpflichteten Bürger statt. 54 Leute sind es, darunter 23, die auch schon vorher im Holländerstädtchen Dienst als Brandschützer verrichtet haben. Die Zwangsverpflichteten, die alle durch Boten vom Amt Nordsee-Treene über ihre Einberufung unterrichtet worden waren, sind nicht alle begeistert gewesen, denn bis Dienstag, so berichtet der Bürgermeister, seien 17 Einsprüche eingegangen.

Etwa zehn Friedrichstädter im Alter zwischen 18 und 50 Jahren wurden daraufhin nachverpflichtet, teilweise sehr kurzfristig. Darüber klagt auch der 24-jährige Vladimir Hermann, der erst am vergangenen Sonnabend von dem Diensttermin erfahren hat. Die Zustellung erfolgte einen Tag verspätet, berichtet er. Eine falsche Adresse war der Grund.

Gerret Willhöft hatte schon mit seiner Einberufung gerechnet. Der 29-Jährige hält die Feuerwehr für eine absolut notwendige Einrichtung, überlegt aber, aus beruflichen Gründen vielleicht noch einen Einspruch einzulegen. Gänzlich ungelegen kommt die Pflichtwehr für den 19-jährigen Mikael Jansen, denn er steht kurz vor der Zwischenprüfung. „Das wird eng, denn ich muss da sehr viel lernen“, sagt er. Auch der 21-jährige Malte Röckendorf bereitet sich auf eine Zwischenprüfung vor. Daher empfindet er die Einberufung zum jetzigen Zeitpunkt als nicht sehr glücklich.

„Wer Lust zur Feuerwehr hat, der soll dahingehen“, sagt der 28-jährige Kai Will. Er jedenfalls habe eigentlich keine Lust dazu, denn sonst wäre er ja schon dabei gewesen. Aber auch er wolle sich zumindest anhören, was über den Einsatz in der Wehr so alles berichtet werde. „Die Feuerwehr ist wichtig, aber ich bin Alleinverdiener und kann eigentlich nicht von meinem Arbeitsplatz weg“, sagt der 38-jährige Alexander Bruch. Einen Einspruch hat er noch nicht eingelegt, könnte sich das aber vorstellen.

Thies Boddenberg hält seine Einberufung eigentlich für ganz merkwürdig. Das vergangene Jahr habe er fast ausschließlich in der Schweiz gelebt und werde demnächst nach Hamburg umziehen. Daher rechne er nicht damit, wirklich mitmachen zu können. Die Feuerwehr halte er für sehr wichtig, aber beruflich sei es ihm eigentlich nicht möglich, mitzumachen. Melf Ove Friese hat Erfahrung mit Ehrenämtern. So bekleidet er eines bereits im Fußballverein. Der 24-Jährige lehnt die Feuerwehr nicht ab, wollte sich auch gern informieren, sieht aber erhebliche Zeitprobleme auf sich zukommen.

„Ich bin mit gemischten Gefühlen gekommen“, räumt der alte und neue Wehrführer Birger Thomsen freimütig ein, „doch ich bin mit viel Optimismus aus der Versammlung herausgekommen.“ Das sagt auch Friedrichstadts Bürgermeister Eggert Vogt, der von der guten Atmosphäre des Infoabends angenehm überrascht worden ist. Thomsen: „Wir haben versucht alle Fragen gemeinsam mit der Kreiswehr-Führung zu beantworten, auch durchaus kritische, aber es herrschte eine gute Atmosphäre. Die anfängliche Befürchtung, dass es durchaus Störungen durch unzufriedene Zwangsverpflichtete geben könnte, habe sich ganz schnell zerschlagen. Vogt und Thomsen: „Wir blicken jetzt optimistisch in die Zukunft.“

Übrigens: Die Ausbildung der Neuen beginnt am Donnerstag (19. Mai). Insgesamt 70 Unterrichtsstunden sind nötig, dann haben sie die Truppmann-Ausbildung absolviert. Anfangs können nicht alle in Dienstbekleidung teilnehmen, denn die neuen Uniformen müssten erst noch bestellt werden, sagt Thomsen und freut sich, dass ab Montag zwar nicht mehr die Freiwillige Feuerwehr Friedrichstadt, dafür aber die Pflichtfeuerwehr der Stadt einsatzbereit ist.

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