Untaugliches Rauschmittel : Und wieder verschwinden Hortensien aus den Gärten

Von dieser Hortensie wurden Pflanzenstängel entfernt.
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Von dieser Hortensie wurden Pflanzenstängel entfernt.

Vor vier Jahren gab es schon einmal den Verdacht, dass diese Pflanzen in Husum für Joints gestohlen werden. Doch das Inhalieren ist gefährlich.

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09. Februar 2018, 16:14 Uhr

Geht der Hortensien-Klau wieder um in Husum? Sind gar – wie schon einmal vermutet wurde – organisierte Banden unterwegs, um die Pflanzen fein säuberlich abzuschneiden und als Rauschgift zu ernten? Peter Martens jedenfalls ist überzeugt davon. „Ich habe Hortensien im Garten und da sind die Halme, die trocken sind, herausgeschnitten worden“, sagt der 77-Jährige, der am Lagedeich wohnt. „Die hohen Pflanzen haben sie stehen lassen, so fällt das zuerst gar nicht auf.“ Auch bei seinen Bekannten seien Hortensien gestohlen worden.

Das erinnert doch sehr an die Erfahrungen, die Gärtnermeister Helmut Höfer gemacht haben will. „Was viele Gärten ziert, wird von Kiffern zweckentfremdet“, hatte der damalige Senior-Chef der Gärtnerei Höfer in Schobüll vor vier Jahren geschimpft. Nach seinen Informationen würden die abgeschnittenen Halme in etwa zehn Zentimeter lange Stücke geschnitten und dann über eine brennende Kerze gehalten. „Und es werden immer mehrere Halme verschont – für die Ernte im nächsten Jahr“, wusste der heute 78-Jährige 2014 zu berichten. In diesem Jahr zumindest ist der Betrieb nicht betroffen: „Wir haben nachgesehen: Bei uns fehlt nichts“, war aus der Gärtnerei zu hören.

Der Verdacht, dass junge Hortensien-Triebe abgeschnitten werden, um sie zu trocknen, mit Tabak zu mischen und dann als Rauschmittel zu inhalieren, ist trotzdem nicht von der Hand zu weisen. Naturdrogen liegen im Trend. Sie gelten bei Konsumenten als harmlos, weil sie ja „pflanzlich“ sind. In Wahrheit ist das Rauchen von Hortensien allerdings sehr gefährlich – und die Rauschwirkung umstritten. Unkundige würden diese Pflanzen zu Unrecht als Hanf-Ersatz ansehen, schreibt das Hanf-Magazin, dass sich mit dieser und anderen Drogen auseinander setzt, unter dem Titel „Hortensien rauchen – die tödliche Blausäure“ im August 2017. Sie würden so ähnlich wirken, euphorisch machen und hätten eine sedierende Wirkung, hieße es. Aber: „Bislang wurden in Hortensien noch keine Inhaltsstoffe gefunden, die für diese ,Wunschwirkung‘ verantwortlich sein können.“ Stattdessen würden die Pflanzen aber tödliche Blausäure enthalten, die bei Inhalation gefährliche Vergiftungen und Folgeschäden verursachen kann.

Also doch nur ein unbegründeter Verdacht? Bei der Kriminalpolizei in Husum jedenfalls sind in diesem Jahr bisher noch keine diesbezüglichen Diebstähle angezeigt worden. Und dort gibt es für das Verschwinder der Halme auch eine ganz andere Erklärung: „Ich habe selber auch Hortensien im Garten“, so ein Kripo-Beamter zu unserer Zeitung. „Die werden von Rehen abgefressen – und die Tiere beißen so scharf ab, dass die Halme wie geschnitten aussehen.“

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