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Husumer Nachrichten

14. Dezember 2017 | 05:33 Uhr

Eiderstedt : Und plötzlich war das Wasser weg

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Nach dem Bruch der Hauptleitung sitzen tausende Eiderstedter eine Nacht lang auf dem Trockenen. Bis in den frühen Morgen dauert die Reparatur.

Die Meldung trieb am Sonntagabend (25. Oktober) den Verantwortlichen beim Wasserbeschaffungsverband Eiderstedt (WBV) die Schweißperlen auf die Stirn: Schaden an der Hauptleitung für Eiderstedt. Der machte sich auf der gesamten Halbinsel deutlich bemerkbar: Ab 19.10 Uhr kam nur wenig oder gar nichts mehr aus den Wasserhähnen. Betroffen waren neben tausenden Haushalten, unter anderem Viehhaltungsbetriebe, die Osterhusumer Meierei Witzwort und die Dünen-Therme in St. Peter-Ording.

Alles hatte mit einem „See“ begonnen, der sich auf der Rantrumer Straße in der Gemeinde Südermarsch gebildet hatte. Ein Autofahrer war der erste, der dies entdeckte und zum Handy griff. Es lief eine weitreichende Aktion an – und zwar unter immensem Zeitdruck: Ganz Eiderstedt bezieht sein Trinkwasser aus den sieben Brunnen des Wasserwerks in Rantrum. Die Hauptleitung zur Halbinsel war am Sonntagabend im Bereich der Kreisstraße 55 zwischen Rantrum und der B  5 an einer Steckverbindung geborsten. „In der Südermarsch haben wir es mit moorigem Boden zu tun, der die Schwingungen von Fahrzeugen viel stärker überträgt als beispielsweise Klei“, erläuterte WBV-Geschäftsführer Thomas Gruß auf Anfrage. „An der Schadenstelle kommt erschwerend hinzu, dass die Leitung teils unter der Straße, teils unter der Bankette verläuft.“ Fahrzeuge wie Trecker mit Anhänger oder Lkw brächten heute zudem mehr Gewicht auf die Straße. Die Verbindung habe der Belastung nicht mehr standgehalten. „Um solche Havarien zu verhindern, haben wir vor drei Jahren mit der Sanierung der Leitung durch die Südermarsch begonnen.“

Die Spezialfirma H. Iwers & Sohn aus Süderstapel schickte ihre Notdienst-Mitarbeiter. Ein Bagger rückte aus Hattstedt an und räumte die dicke Asphaltschicht ab. Dann wurden große Mengen an Erdreich ausgehoben. Die K 55 wurde voll gesperrt. Immer wieder trafen Bürger an der Einsatzstelle ein. Einer von ihnen war Landwirt Wilfried Massow aus Oldenswort. „Mein Melkroboter läuft nicht“, berichtete er. „Er ist eigentlich rund um die Uhr in Betrieb und nun wegen der fehlenden Wasserzufuhr auf Störung gegangen.“

Um kurz nach 22 Uhr war die Hauptleitung in rund fünf Meter Tiefe freigelegt. Aber noch stand sie unter Druck. „Eine Operation am offenen Herzen“, stellte Nordfrieslands Kreiswehrführer Christian Albertsen fest. Ihn beschäftigte noch eine andere Sorge: „Was ist, wenn es jetzt auf Eiderstedt brennt – wenn der Brandstifter wieder unterwegs ist?“ Denn nicht nur in den Haushalten, sondern auch in den Hydranten fehlte das Wasser.

An der Leitung arbeiteten Uwe Lepinat und Bernd Paulsen im eisigen Wasser – denn durch die leck geschlagene Stelle flossen große Mengen aus. Zwei starke Pumpen beförderten sie auf Wiesen auf der anderen Straßenseite. Insgesamt sechs Fachkräfte waren im Scheinwerferlicht im Einsatz. Um 23.10 Uhr war das Rohr komplett freigelegt. An dieser Stelle ist eine neue Wasserleitung an die bestehende alte angeschlossen. Nach der Reparatur musste der Untergrund neu verfüllt werden, um das Frischwasser-Hauptrohr vorm „Durchhängen“ im total durchnässten Erdreich zu schützen. Die Wasserversorgung funktionierte ab 5.15 Uhr wieder.

Um einen Totalausfall zu verhindern, hatte der WBV bereits am späten Abend eine Verbundleitung zum Netz der Stadtwerke Husum geöffnet. So wurde der Versorgungsdruck in einem Teil des weit verzweigten Leitungsnetzes stabilisiert. Zudem hatte er den Inhalt von zwei Wasserbehältern im Gardinger Pumpwerk, jeweils 1400 Kubikmeter, in das System für das westliche Eiderstedt eingespeist. „Zum Glück ist nicht Hochsaison, dann hätte das Wasser nicht einmal einen halben Tag gereicht“, so Gruß. Und so machte sich in St. Peter-Ording meist nur ein Druckabfall bemerkbar. In den Kliniken des Nordseebads gab es keine nennenswerten Beeinträchtigungen, wie eine Umfrage ergab. Die Dünen-Therme musste eine halbe Stunde früher schließen, da ausreichend Wasser für Toiletten und Duschen fehlte. Auch im Klinikum in Tönning gab es keine größeren Probleme. „Dadurch, dass der Ausfall spätabends war, ist es zu keinen größeren Schwierigkeiten bei der Versorgung der Patienten gekommen. Wir haben weder Patienten verlegen noch Operationen absagen müssen“, teilte Pressesprecher Michael Mittendorf auf Anfrage mit. Anders dagegen die Situation bei der Osterhusumer Meierei Witzwort. „Wir haben einen Produktionstag verloren“, erklärte Geschäftsführer Christoph Bossmann, „weil wir nicht spülen und reinigen konnten. Zudem fehlte uns der Druck auf bestimmten Ventilen.“ Es wird rundum die Uhr produziert. Dank des geräumigen Lagers gibt es aber keine Lieferengpässe. „Da waren zwei Tagesproduktionen drin.“ „Da kann man mal sehen, wie abhängig wir sind“, blickte Heidi Rohde vom Seniorenheim Rohde in Tetenbüll auf den Abend zurück. „Zum Glück war es eine relativ ruhige Nacht. Und wir hätten noch Wasser in Flaschen gehabt. Aber man weiß ja nie, wie lange das Wasser wegbleibt. Zum Frühstück wäre es eine kleine Katastrophe gewesen.“

Doch der WBV ist auch für einen längeren Ausfall gewappnet. „Wir können im Notfall über Verbundleitungen neben Husum auch auf die Wasserverbände Treene und Norderdithmarschen zurückgreifen“, erläuterte Thomas Gruß. Die letzte vergleichbar große Havarie habe es vor 15 Jahren gegeben.

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