Von Sylt bis zur Zugspitze : Und am Rucksack hängt die Hoffnung

Wenig Gepäck, hehre Ziele: Alles, was Manuela Eckhardt braucht, passt in einen Rucksack. Die Wanderin hofft auf großzügige Geldspenden.
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Wenig Gepäck, hehre Ziele: Alles, was Manuela Eckhardt braucht, passt in einen Rucksack. Die Wanderin hofft auf großzügige Geldspenden.

Manuela Eckhardt wandert quer durch Deutschland. Mit dieser Aktion will sie Erdbebenopfern in Nepal helfen. Auch in Husum machte sie Station

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07. Juli 2015, 15:30 Uhr

Eine Strecke von 1500 Kilometern – das ist schon mit dem Auto anstrengend. Doch Manuela Eckhardt will diese Mammut-Strecke zu Fuß bewältigen. Bei Wind und Wetter. Und allein. Sie wandert quer durch Deutschland – von Sylt bis zur Zugspitze –, um anderen zu helfen. Am 29. Juni brach sie in List, dem nördlichsten Punkt Deutschlands, zu ihrem Abenteuer auf. 49 Tage soll die Wanderschaft bis zum südlichsten Punkt der Republik dauern. Für die Bielefelderin ist diese Tour eine Herzensangelegenheit. Sie sammelt Spenden für die Erdbebenopfer in Nepal. Unterstützt wird sie vom Freundeskreis Nepal, der in Kathmandu den Aufbau von Schulen und Gesundheitsprojekte für nepalesische Familien fördert.

Nur das Nötigste hat die 35-Jährige in ihren bunten Wander-Rucksack gepackt: zwei T-Shirts, drei Mal Unterwäsche, eine Wetterjacke, Reise-Waschmittel, etwas Seife und Sonnencreme, das Handy für den Notfall, ein Fotoapparat, Energieriegel, einen Zwei-Liter-Wasserbeutel, GPS-Gerät und Kompass. Auch ein Tablet ist dabei. Sobald sie abends in einer Unterkunft angekommen ist, berichtet sie auf ihrem Blog im Internet über die Erlebnisse des Tages. Nicht zu vergessen die Flyer, die über die Aktion informieren. Gut sichtbar ist die Spendendose am Rucksack angebracht. Und wer genau hinschaut, entdeckt direkt daneben die kleine, goldene Buddha-Figur. Sie stammt von einem Kind aus Kathmandu – und soll der Wanderin Glück bringen.

Ihren Hut nimmt Manuela Eckhardt nur selten ab. „Ohne Hut geht gar nichts – gerade an so heißen Tagen wie am Wochenende.“ Die Hitze macht ihr zu schaffen. „Ich stehe extra schon um 5 Uhr auf, um die kühle Morgenluft auszunutzen. Doch wenn es heiß wird, schlägt das arg auf den Kreislauf und ich muss sehen, dass ich in den Schatten komme“, erklärt die erfahrene Wanderin, die bereits in den Alpen unterwegs war. Und Schatten gibt es hier im Norden deutlich weniger als im waldreichen Süden Deutschlands. Sie ist diszipliniert – und zwingt sich alle 15 Minuten dazu, einen Schluck aus dem Wassersack zu trinken, um nicht zu dehydrieren, aber auch nicht den ganzen Vorrat auf einmal aufzubrauchen. „Ich muss mit meinen Vorräten und Kräften sorgsam umgehen“, sagt sie. Denn wenn sie umkippt, können ihr auch nicht die Deich-Schafe helfen, die sie immer wieder zum Lachen bringen. „Die gehen schon aus dem Weg, wenn ich noch kilometerweit weg bin. Im Gegensatz zu den Kühen in den Alpen – die sind so neugierig, dass ich sie mit aller Kraft wegdrücken musste, um durchzukommen.“

Als im April und Mai 2014 zwei schwere Erdbeben das bitterarme Land am Himalaya verwüsteten, kamen knapp 9000 Menschen ums Leben, rund 16.800 wurden verletzt. Wie der Zufall es wollte, hatte Manuela Eckhardt drei Tage vor dem ersten Beben für Herbst 2015 eine Reise nach Nepal gebucht. Das Ausmaß der Katastrophe machte sie erst sprachlos, dann kämpferisch. Sie beschloss, selbst aktiv zu werden. So nahm ihre Idee, einen Spendenlauf zu organisieren, immer mehr Formen an. Nachdem der Freundeskreis Nepal mit im Boot war, machte sie sich an die Planung. „Ich habe schon im Winter damit begonnen, die Route genau festzulegen und die Unterkünfte zu buchen“, berichtet die Lehrerin, die an einem Oberstufenkolleg Musik, Sport und Politik unterrichtet.

„Haben Sie gar keine Angst, so allein auf weiter Strecke?“, fragte ein Radfahrer, der ihr kurz vor Husum begegnete. Hat sie nicht. „Ich weiß, wie ich mich im Notfall verteidigen kann“, sagt sie selbstbewusst. Auf ihrem Blog führe sie zwar eine Art Tagebuch, genaue Zeiten und Positionen lässt sie aus Sicherheitsgründen aber weg. Auch einsam sei sie keineswegs. „Wenn ich allein wandere, kann ich mein eigenes Tempo gehen und es wirkt irgendwie meditativ auf mich. Außerdem komme ich immer wieder mit vielen Menschen ins Gespräch.“ In Niebüll traf sie eine Frau, die so begeistert von der Aktion war, dass sie jedes Detail darüber wissen wollte – und kräftig spendete. Mit mindestens einem Cent pro gelaufenen Kilometer kann man den Spendenlauf unterstützen. Am liebsten würde Manuela Eckhardt im Herbst das gesammelte Geld selbst nach Nepal bringen. Doch noch ist das zerstörte Gebiet nahezu unerreichbar.

Auf die Frage, was sie zuerst tue, wenn sie abends nach 20 bis 35 Kilometern ihre Unterkunft erreiche, sagt sie prompt: „Duschen! Und die Füße hochlegen!“ Auf diese Füße warten noch viele Kilometer. Wenn alles nach Plan läuft, wird die Wanderin Ende der Woche Hamburg erreichen.


Blog: www.wandern-durchs-land.de

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