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Eine Stunde mehr : Umstrittene „Zeit-Wende“

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Wechsel von der Sommer- zur Winterzeit steht bevor. Ein nordfriesischer Mediziner bezeichnet die Umstellung als Belastung und durch nichts zu rechtfertigen. Zwangspausen gibt es nachts für Zugführer.

shz.de von
erstellt am 25.Okt.2014 | 14:00 Uhr

Sonntag früh (26. Oktober) wird den Menschen in vielen Ländern – wie jedes Jahr – eine Stunde geschenkt: Erreicht der Zeiger der Uhr die Drei, darf er auf die Zwei zurückgedreht werden – dann hat die Winter- die Sommerzeit abgelöst. Ursprünglich sollte Letztere bewirken, dass Energie gespart wird.

Einfach so – ohne Konsequenzen – funktioniert die Umstellung für einige Menschen in Nordfriesland nicht. So beginnt die Winterzeit für Bedienstete von Bahn-Unternehmen mit Zwangspausen. Denn einige Züge, die zur Zeitumstellung unterwegs sind, müssen eine Stunde lang angehalten werden, damit das Ziel nicht zu früh erreicht wird.

Dieter Petersen, Landwirt aus Südermarsch und Vorsitzender der Osterhusumer Meierei Witzwort, ist einer der nordfriesischen Landwirte, die einen Kompromiss beim Umgang mit der „Zeit-Wende“ gefunden haben: Er melkt seine 200 Rinder am ersten Tag eine halbe Stunde versetzt und am nächsten Tag dann nach der neuen Zeit. „Natürlich gibt es Kollegen, die sich das ganze Jahr über an dieselbe Zeit halten“, weiß der 53-Jährige, „aber wir haben uns daran gewöhnt und glauben auch nicht, dass die Tiere darunter leiden.“ Heute (25. Oktober) findet das Gemeindefest in Südermarsch statt. „Dann haben wir eine Stunde mehr zum Feiern.“

Psychotherapeut Dr. Peter Berner aus Husum erklärt, dass die Zeitumstellung das menschliche Bedürfnis nach regelmäßigen Rhythmen stört. „Das und der Schlafmangel, der dadurch entstehen kann, erhöhen die Depressionsrate“, sagte Berner auf Anfrage unserer Zeitung. Auch der Allgemeinmediziner Dr. Martin Gattermann aus St. Peter-Ording äußert sich kritisch. „Der 24-Stunden-Rhythmus des Menschen ist sonneninduziert. Laut einer Studie ist der natürliche Rhythmus aber bei den meisten eher bei 25 Stunden, deshalb fällt manch einem die Umstellung von der Sommer- zur Winterzeit leichter. Im Frühjahr kann es bis zu 23 Tage dauern, bis sich der Organismus an die neue Zeit gewöhnt hat. Die medizinische Belastung ist in Anbetracht des geringen wirtschaftlichen Nutzens zu groß und durch nichts zu rechtfertigen.“

Doris Bewersdorf (29) und Luisa Schein (20) haben als Mütter eine anstrengende Zeit vor sich: Kleinkinder und Säuglinge haben keinen Tag-Nacht-Rhythmus. „Die Schlafenszeiten kommen völlig durcheinander“, sagt Bewersdorf.

Auch die Mitarbeiter der Kreisklinik in Husum müssen mit der Zeit gehen: Kinder, die in der entscheidenden Nacht noch zur Sommerzeit geboren werden, erhalten den Vermerk „MESZ“ (Mitteleuropäische Sommerzeit) in ihren Papieren – oder eben ein „MEWZ“ für Mitteleuropäische Winterzeit.

„Das kann abgeschafft werden“, finden Anne Behnke (25) und Laura Bargholz (27) aus Husum. „Sinnlos!“, kommentiert Michael Fehling (43). Susan Tharra (52) und Hund Nelson aus Meldorf haben mit der Zeitumstellung keine Probleme. „Ich freue mich, wenn ich eine Stunde länger schlafen kann“, erklärt Tharra, „und ich stelle die Uhren schon etwas früher um, um mich schon mal daran zu gewöhnen.“ Nelson geht schließlich auch im Dunkeln gern raus.

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