Nordfriesland : Um Mindestlohn geprellt

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In Hotels und Gaststätten wird Arbeitnehmern zu oft zu wenig gezahlt, kritisiert die zuständige Gewerkschaft.

shz.de von
24. Mai 2018, 09:00 Uhr

In Nordfriesland gibt es Unternehmen, die ihren Beschäftigten weniger als die gesetzlich vorgeschriebenen 8,84 Euro pro Stunde zahlen. Davon geht die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) aus.

Die NGG Schleswig-Holstein-Nord verweist dabei auf eine Bilanz des Bereichs Finanzkontrolle „Schwarzarbeit“ beim Hauptzollamt Itzehoe. Quer über alle Branchen hinweg waren in dessen Bezirk im vergangenen Jahr insgesamt 502 Arbeitgeber auf Schwarzarbeit, Lohn-Prellerei und Steuerhinterziehung überprüft worden. Die Beamten leiteten am Ende 30 Ermittlungsverfahren gegen Arbeitgeber ein, die gegen das Mindestlohngesetz verstoßen hatten und verhängten Bußgelder von etwa 169.000 Euro.

Nach Einschätzung der Gewerkschaft ist das jedoch nur die „Spitze des Eisbergs“. Die Dunkelziffer liege deutlich höher. „Es darf nicht sein, dass im dritten Jahr nach Einführung des Mindestlohns noch immer viele Menschen unterhalb des gesetzlichen Minimums verdient haben“, kritisiert Regionalchef Finn Petersen und hat dabei vor allem das Hotel- und Gaststättengewerbe im Blick: Dort bekamen 2016 laut Hans-Böckler-Stiftung 38 Prozent der Mitarbeiter einen Lohn unterhalb des gesetzlichen Minimums. Und Anfang 2019 stehe die nächste Erhöhung des Mindestlohns an: Diese müsse zweistellig ausfallen, fordert Petersen.

Der Gewerkschafter beklagt zugleich viel zu wenige Kontrollen. „2017 wurden im Bereich des Itzehoer Zolls 101 Betriebe der Branche geprüft. Allein in Nordfriesland gibt es nach Angaben der Arbeitsagentur jedoch 975 Hotels, Gaststätten und Restaurants.“ Die Finanzkontrolle müsse kräftig aufgestockt werden, betont Finn Petersen.

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