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Rettungsaktion für bedrohte Art : Uferschnepfe braucht neue Heimat

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die vom Aussterben bedrohte Uferschnepfe soll im Ostermoor in Seeth eine Überlebenschance durch ein optimales Brutgebiet bekommen. Die Arbeiten sind im Gange.

Wenn Olaf Ingwersen aus Witzwort mit seinen Baggern im Seether Ostermoor arbeitet, bebt der Boden: Denn der moorige Untergrund ist nur von einer dünnen Erdschicht überdeckt. Und diese wird jetzt an einigen Stellen angekratzt. Denn die Ufer der Entwässerungsgräben werden abgeflacht – und am Rande der zwei zusammen 37 Hektar großen Polderflächen Wälle aufgeschüttet. Ziel der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein als Träger des Vorhabens ist es, die Lebens- und Brutbedingungen für die Uferschnepfe (Limosa limosa) und andere Wiesenvögel in diesem Bereich zu verbessern, wie Projektleiter Oliver Grankes bei einem Ortstermin erläuterte.

Mittlerweile gibt es nur noch rund 1000 Brutpaare dieser vom Aussterben bedrohten Vogelart in Schleswig-Holstein; im Ostermoor wurden im vergangenen Jahr lediglich acht gezählt, bei denen zudem ein Bruterfolg nicht zu verzeichnen war. Mit dem Projekt „Life Limosa“ soll die Population der auf der Roten Liste weit oben stehenden Art zumindest stabilisiert werden. In zehn Vogelschutzgebieten mit mehr als 4000 Hektar werden Maßnahmen umgesetzt. Insgesamt 6,1 Millionen Euro werden zwischen 2012 und 2022 investiert: Im Ostermoor sind es 80.000 Euro. Die Hälfte stammt aus EU-Mitteln, die andere kommt von der Stiftung Naturschutz, der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Schleswig-Flensburg und aus dem Dithmarschen-Fonds. Beim Kreis Nordfriesland sind Mittel beantragt.

Im Ostermoor soll durch die Wälle über die Wintermonate Wasser angestaut werden, sodass im April – zu Beginn der Brutzeit – mit Flachwasserbereichen optimale Lebensbedingungen für die Uferschnepfe entstanden sind. Die Vögel legen auf dem Boden versteckt im Gras ihre Gelege an. Zur Aufzucht sind außerdem blütenreiche Wiesen mit vielen Insekten und für die Altvögel weicher, schlammiger Boden im Uferbereich von Gewässern erforderlich. Harald Boyens hat die Flächen von der Stiftung Naturschutz gepachtet und sorgt jetzt dafür, dass durch extensive Beweidung und Pflegemahd die Vegetationsstruktur optimiert wird. Mit der Übertragung von wertvollem Mahdgut und Aussaat soll die Vegetationszusammensetzung verbessert werden.

Überwachungskameras haben gezeigt, dass vor allem Fuchs, Marder und zunehmend der Marderhund eine Bedrohung darstellen. „Kaum oder gar nicht“ wurden Krähen oder Katzen als Räuber ausgemacht, berichtete Anne Evers, Ornithologin beim Michael-Otto-Institut des Naturschutzbundes in Bergenhusen. Vor allem der Fuchs soll durch Jagd, Fuchsgräben und -zäune zurückgehalten werden.

Diskutiert wurde, was zu tun ist, wenn vor Brutbeginn nicht genügend Regen fällt, um die Fläche ausreichend unter Wasser zu setzen. Der für die technische Umsetzung verantwortliche Vertreter der dänischen Firma „Amphi Consult“, Niels Damm, erklärte, dass im Zweifelsfall auch Wasser in die Polder hineingepumpt werden muss. Harald Boyens: „Vielleicht müssen auch die Gräben mit einer Kleischicht versehen werden, um das übermäßige Sickern des Wassers in den moorigen Untergrund zu verhindern.“

Touristisch könnte die Maßnahme für Seeth interessant werden, hofft der stellvertretende Bürgermeister der Gemeinde, Ernst-Wilhelm Schulz. „Mit einem guten Fernglas ausgerüstet, werden Spaziergänger auf den Wegen am Rand des Geländes die Vögel kaum stören.“

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