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Flüchtlings-Quartiere : Übergangslösung für Erstaufnahme in Husum

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Multifunktionsfläche am Buschkamp in Husum wird für bis zu 1500 Flüchtlinge hergerichtet. Die ersten 1000 Flüchtlinge sollen noch 2015 dort untergebracht werden. Der Messebetrieb soll nicht beeinträchtigt werden.

„Wir haben uns mündlich geeinigt, aber die Einzelheiten müssen noch vertraglich geregelt werden“, sagt Messe-Manager Peter Becker in einem nicht ganz störungsfreien Telefonat auf dem Handy. Er gehe aber davon aus, dass der Vertrag mit dem Land noch heute unterschrieben werden könne. Als das Ministerium für Inneres und Bundesangelegenheiten gestern in Kiel eine Pressekonferenz abhielt, befand sich Becker noch auf Dienstreise im Osten, wo er zeitweilig keinen Empfang hatte. Doch für die Bestätigung, dass in Husum, genauer gesagt auf dem Multifunktionsgelände hinter dem Obi-Markt am Buschkamp eine Erstaufnahme-Einrichtung für zunächst 1000 und perspektivisch 1500 Flüchtlinge entstehen soll, reicht es. Um die Menschen dort adäquat unterbringen zu können, müssten rund 500 Container aufgestellt werden. „Aber das kriegen wir hin“ , sagte Becker. Dass die Messegesellschaft dem Wunsch des Landes am Ende nachgab, liegt nicht nur daran, „dass wir natürlich helfen wollten“, sondern auch an einer vertragsrelevanten Zusage des Landes: „Bis zur nächsten Windmesse im Juli 2017 muss das Gelände wieder geräumt sein“, sagt Becker. „Denn spätestens dann brauchen wir die Fläche wieder.“

Was in diesem Zusammenhang unter „so schnell wie möglich“ zu verstehen ist, konnte Becker allerdings nicht sagen. Und auch Husums Bürgermeister blieb in diesem Punkt hinreichend ungenau: „Das wissen wir einfach noch nicht“, sagte Uwe Schmitz gestern auf Anfrage. „Ideal wäre natürlich, wenn wir dort noch bis zum Jahresende 1000 Flüchtlinge unterbringen könnten“, erläuterte der Verwaltungs-Chef. Ohne Details zu kennen, war es dann Peter Becker, der andeutete, warum konkrete Aussagen zum Zeitplan gegenwärtig nur schwer möglich sind. „Wir sind ja nur die Vermieter“, berichtete der Messe-Chef. Hintergrund: Auch die Multifunktionsfläche ist Eigentum der Stadt Husum – wie das gesamte Messegelände, das sie allerdings an die Messegesellschaft verpachtet hat. Deshalb hat auch nicht die Stadt selbst, sondern die Messe über eine vorübergehende Nutzung des Geländes als Erstaufnahmeeinrichtung verhandelt (wir berichteten). Auf der Multifunktionsfläche, die neben Messen auch für Jahrmärkte und andere Open-Air-Veranstaltungen genutzt wird, sei zwar schon einiges an Infrastruktur vorhanden, sagte Becker, doch auf 1000 oder gar 1500 Menschen und deren Bedürfnisse sei sie natürlich nicht ausgelegt. „Da haben wir zu Messe-Zeiten mal einen Toilettenwagen stehen“, so der Messe-Chef. Aber jetzt werden Duschen, Wasser-, Abwasser- und Stromversorgung benötigt. „Das ist zwar nicht unsere Baustelle, sondern die des Landes“, sagt er, „aber Zeit kostet es so oder so.“

Übrigens: Zweifel, dass der Messebetrieb durch die Erstaufnahme-Einrichtung einschränkt werden könnte, will Becker erst gar nicht aufkommen lassen. „Wir werden das in unseren Konzeptionen entsprechend berücksichtigen“, sagt er auch unter Hinweis auf die New Energy im März kommenden Jahres und verspricht einen „uneingeschränkten Messebetrieb“ bis zum Ende der „Interimslösung“.

Das bestätigt auch der Bürgermeister. „Natürlich sind wir aufgefordert, nach anderen Lösungen zu suchen“, erklärt Uwe Schmitz. Und daran werde auch schon gearbeitet. Die Nutzung des Multifunktionsfläche könne und dürfe nur eine Übergangslösung sein. Doch selbst die will wohl überlegt und richtig transportiert sein. „Uns ist klar, dass so eine Maßnahme große Resonanz auslösen wird“, sagt Becker. Deshalb werde es in enger Kooperation mit dem Innenministerium und der Besonderen Aufbau-Organisation der Landespolizei (BAO) – voraussichtlich schon kommende Woche – eine Anwohnerversammlung zum Thema geben. „Der genaue Termin steht allerdings noch nicht fest“, erklärt Schmitz.

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erstellt am 13.Nov.2015 | 07:00 Uhr

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