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Über das Miteinander und die Probleme von Glauben und Lebensgestaltung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

von
erstellt am 23.Dez.2013 | 00:31 Uhr

Über das Thema „Fluchtursache Religion“ diskutierten drei Experten im Breklumer Christian-Jensen-Kolleg (CJK). Die Veranstaltung mit dem Untertitel „Wie geht eine moderne Gesellschaft mit Religionsfreiheit um?“ zählte zu einer Reihe von Gesprächsrunden im Rahmen des „Demokratie Kollegs“ im CJK.

Nach der Vorstellung der Experten, der Flüchtlingspastorin der Nordkirche Fanny Dethloff, Bischof Dr. Hans-Jürgen Abromeit aus Greifswald sowie Stefan Schmidt, dem ehemaligen Kapitän des Flüchtlingsschiffes Kap Anamur und heutigen Flüchtlingsbeauftragten des Landes Schleswig-Holstein, führten die Moderatoren des Abends in das Thema ein. CJK-Leiter Friedemann Magaard machte deutlich, „Menschen müssen fliehen, weil sie einer Minderheiten-Religion angehören“.

Pastorin Jutta Jessen-Thiesen stellte die Frage, „ist eine multireligiöse Gesellschaft Utopie“. Sie wünscht sich eine Welt mit vielen Freiräumen für unterschiedliche Menschen, die dort ihr Leben, ihrer Kultur, ihrer Umwelt, ihrem Wesen, ihrer Weltanschauung und ihrem Glauben gemäß gestalten können, formulierte sie eine ihrer „utopischen“ Vorstellungen.

„Das Miteinander von Glauben und Lebensgestaltung führt oft zu Problemen“, wertete Abromeit zum Beispiel die Lage in Ägypten und Syrien. Auf keinen Fall dürfe man die politischen und historischen Hintergründe und Strukturen dabei außer acht lassen. Auf jeden Fall aber sei die Lage der Christen in Nahost sehr schwierig. „Flucht muss aus unterschiedlichen Motiven bewertet werden“, betonte Dethloff. So schütze die Hisbolla im Libanon zum Beispiel die Christen. „Dass das in den Medien nicht erwähnt wird, erschreckt mich“, kritisierte sie die unterschiedliche Wahrnehmung und Darstellung der Probleme. Konflikte vor Ort müssten genauer betrachtet und analysiert werden. Eine Differenzierung der Gruppen in der Darstellung könnten zur Verschärfung der Situation vor Ort führen, mahnte die Flüchtlingspastorin.

„Wenn sich die Lage in ihrer Heimat geändert hat, wollen die meisten Flüchtlinge doch zurück“, berichtete Schmidt über seine Erfahrungen. Eine beispielhafte Gemeinsamkeit der Religion habe er selbst als Kapitän der Kap Anamur erlebt. 2004, nach der Rettung von 37 Schiffbrüchigen im Mittelmeer, hätten sich Moslems und Christen zusammen mit der Besatzung jeden Abend zu einem gemeinsamen Gottesdienst an Bord eingefunden. „Das war eine wunderbare Erfahrung“. Man müsse vorsichtig sein, Religion immer wieder als Grund für Kriege vorzuschieben. „Da stecken meist ganz andere Interessen dahinter“. Neid und Hass unter den verschiedenen Religionsgruppen entstehen oft wegen des unterschiedlich großen Einflusses der Gruppen auf die Gesellschaft und die politischen Verhältnisse. Dethloff mahnte, man müsse den Menschen in den Konfliktregionen mehr Zeit geben, ihre Probleme selbst zu regeln. Mit der Aufnahme von Flüchtlingen sei man in Schleswig-Holstein auf einem guten Weg, sagte Schmidt. Einig waren sich die Teilnehmer darin, dass die Hilfsbereitschaft zunimmt.

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