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Flugabwehrraketengeschwader 1 : Türkei-Einsatz: Jetzt wird aufgeräumt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Noch einmal sind 70 Husumer Soldaten nach Kahramanmaras unterwegs – sie bereiten die Patriot-Raketen und das Material für den Rücktransport vor. Die meisten von ihnen sollen Weihnachten wieder zu Hause sein.

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erstellt am 26.Okt.2015 | 13:00 Uhr

„Ziel ist es, unsere Leute bis auf ein kleines Nachkommando von 20 Mann zu Weihnachten wieder zu Hause zu haben“, sagt Oberst Wolfgang Rasquin, stellvertretender Kommodore des Flugabwehrraketengeschwaders 1. „Active Fence“, der Einsatz der Luftwaffen-Soldaten zum Schutz der türkischen 500.000-Einwohner-Stadt Kahramanmaras im Grenzgebiet zu Syrien vor Luftangriffen, ist zwar seit elf Tagen beendet. Aber vergangene Woche haben sich dennoch mehr als 200 Soldaten als neuntes Kontingent auf den Weg in die Türkei gemacht, darunter rund 70 Soldatinnen und Soldaten aus der Storm-Stadt. Sozusagen als Aufräumkomando: „Dieses letzte gemischte Kontingent unter Leitung der Husumer Flugabwehrraketengruppe 26 muss für den Abbau und die Vorbereitung des Rücktransports von Waffen und Gerät sorgen“, so Rasquin.

Fast drei Jahre hat der erste Auslandseinsatz der Flugabwehrraketentruppe dann gedauert. „Das mit teilweise knappem Schlüsselpersonal durchzuhalten, war eine echte Herausforderung“, sagt der Oberst, der selber in der ersten Hälfte dieses Jahres Kontingentführer war. Fünf Mal sei der „Rekordhalter“ des Geschwaders in der Türkei gewesen, und es gebe eine ganze Reihe von Soldaten, die bei vier Kontingenten aktiv waren und die silberne Einsatzmedaille für 360 Tage Teilnahme an „Active Fence“ bekommen hätten. „Da möchte ich allen Familien und Lebenspartnern unserer Soldatinnen und Soldaten danken, ohne deren Rückhalt und Unterstützung das wohl nicht so gut geklappt hätte.“

Um die primäre Aufgabe zu erfüllen, war insbesondere das gut ausgebildete taktische Personal für die Patriot-Waffensysteme gefordert. „In der ersten Zeit gab es eine Menge Adrenalinschübe, wenn syrische Raketen auf den Bildschirmen auftauchten“, erinnert sich Hauptfeldwebel Lars Koch, der beim ersten Kontingent dabei war. Meistens habe das Telefon im Gefechtsstand nachts geklingelt. „Dann hieß es ,Fireball, Fireball‘ als Zeichen des Abschusses eines taktischen Flugkörpers und es wurden Daten durchgegeben, die sorgfältig protokolliert wurden.“ Im Laufe der Zeit habe sich die Aufregung gelegt: „Bei mehreren syrischen Raketenstarts pro Tag wurden die Alarme zur Routine.“ Nur dieser „Kloß im Hals“, wenn man in den Fernseh-Nachrichten die zerstörten Gebäude in Syrien gesehen habe, sei geblieben, so Koch. „Auch wenn man nur ahnen konnte, dass diese Zerstörungen durch Flugkörper verursacht wurden, die man selbst in seiner letzten Schicht auf den Radarschirmen beobachtet hatte.“

Mit Fortschritt der Einsatzdauer seien die syrischen Flugkörper-Starts jedoch immer seltener geworden und am Ende kaum noch zu beobachten gewesen. Somit sei die Entscheidung zum Abzug der deutschen Patriot-Luftabwehrraketen eine logische Konsequenz der derzeit nur noch minimalen Bedrohung. Am 15. Oktober wurden im Beisein des Kommandeurs des Luftwaffentruppenkommandos, Generalmajor Helmut Schütz, die Systeme offiziell abgeschaltet.

„Jetzt sind die Techniker und Logistiker gefragt“, sagt Rasquin. Die Rückverlegung erfordert einen erheblichen Aufwand: „Die Fahrzeuge müssen fertig gemacht und die Container für den Seetransport präpariert werden.“ Das gesamte Material werde überprüft, gegebenenfalls repariert und für die Rückführung in die Heimat vorbereitet. „Kurz vor Weihnachten soll alles im türkischen Mittelmeerhafen Iskenderun verladen werden und im Januar in Travemünde ankommen“, erläutert der Oberst. In Sanitz in Mecklenburg-Vorpommern, dem Standort der dem Geschwader unterstellten Flugabwehrraketengruppe 21, werde eine Materialschleuse zur zentralen Aufnahme und Verteilung eingerichtet. „Da der größte Teil der Ausrüstung ohnehin aus Sanitz kam, wird er dann dort auch verbleiben.“

Die Soldaten freuten sich, dass der Einsatz nun vorüber sei, so Rasquin weiter. Und das Geschwader könne sich nächstes Jahr wieder konsolidieren und zum normalen Routine-Betrieb zurückfinden. „Ich denke, dass wir unseren Auftrag sehr gut erfüllt haben, nicht nur als Flugabwehrraketen-Soldaten, sondern auch als Botschafter der Bundesrepublik Deutschland bei unserem Nato-Verbündeten Türkei“, bewertet er die zurückliegenden 34 Monate. „Das haben uns auch alle militärischen und zivilen Besucher bestätigt, die in dieser Zeit vor Ort waren.“

 

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