Gemeinderat Drage : Trotz Wiederwahl: Bürgermeister tritt ab

Legt sein Mandat nieder: Bürgermeister Hans Hermann Paulsen.
Legt sein Mandat nieder: Bürgermeister Hans Hermann Paulsen.

Drage: Hans Hermann Paulsen befremdet über Fraktions-Vorschlag.

shz.de von
30. Mai 2018, 07:00 Uhr

Mit einem Paukenschlag endet die Wahlperiode der Drager Gemeindevertretung. Der langjährige Bürgermeister Hans Hermann Paulsen trat am Freitag mit sofortiger Wirkung von diesem Amt zurück und legte auch sein Mandat als Gemeindevertreter nieder. Dabei hatten bei der Kommunalwahl am 6. Mai noch knapp die Hälfte aller Wähler für ihn gestimmt. In der voraussichtlich letzten Sitzung der alten Gemeindevertretung am Montagabend wurde nun deutlich, was ihn zu diesem Schritt veranlasst hatte.

Zahlreiche Einwohner und Ehrenbürgermeister Horst Nöhring nahmen im Dorfgemeinschaftshaus an der Sitzung teil. Zwischen den Zuschauern saß auch der zurückgetretene Gemeindechef. Der stellvertretende Bürgermeister Horst Jähnichen (AWGD) verlas das Rücktrittsschreiben, dass ihm Bürgermeister Paulsen überbracht hatte, und schloss: „Bis zum 11. Juni leite ich die Gemeinde – ob dat klappt, weet ick nich.“

Auf Nachfrage von Gemeindevertreter Jens-Uwe Beck (SPD) erklärte Paulsen , worüber er so enttäuscht war, dass er die Brocken hingeworfen hat: „Ich bin am
17. Mai eingeladen worden und habe einen Vortrag von Frederic Pers (Anm.: SSW-Gemeindevertreter) bekommen. Demnach sollte ich noch ein Jahr lang Bürgermeister in der neuen Periode bleiben und dann zurücktreten. Das sähe besser aus, als wenn ich abgewählt werden würde, sagte man mir. Ich sollte mich innerhalb von fünf Minuten entscheiden.“ Doch mit diesem Kuhhandel habe Paulsen sich nicht anfreunden können. „Das bedeutet, dass der nächste Gemeinderat nur noch aus acht Vertretern besteht“, stellte Jens-Uwe Beck (SPD) daraufhin fest. Paulsen besetzte als Einzelbewerber einen Sitz im Gremium. Drei bekam der SSW und fünf die KWVD.

Frederic Pers (SSW) erläuterte in der Sitzung, was zu dem Vorschlag vom 17. Mai geführt hatte. Demnach wollten beide Fraktionen einen anderen Bürgermeister. Favorisiert wird Maren Fürst, bisher AWGD, die jetzt für die KWVD antritt. Man habe Hans Hermann Paulsen die Abwahl durch den Gemeinderat in der konstituierenden Sitzung am 11. Juni ersparen wollen und ihm deshalb vorgeschlagen, noch ein Jahr Bürgermeister zu bleiben und dann zurückzutreten. Damit hätte Maren Fürst auch Zeit gehabt, in das Amt reinzuschnuppern. Hans Hermann Paulsen habe zehn Jahre lang gut für die Gemeinde gearbeitet, so Pers. „Du, Hans Hermann, hast verdient, noch ein weiteres Jahr zu haben.“

Jens-Uwe Beck äußerte seine Enttäuschung gegenüber Hans Hermann Paulsen: „Bis zum letzten Jahr hast du um dein Amt gekämpft, es lag ja damals ein Abwahlantrag vor. Du hast bei der jetzigen Wahl ein hervorragendes Ergebnis erzielt und 150 Stimmen bekommen. Das bedeutet, 50 Prozent der Einwohner haben dich gewählt, und gehofft, dass du weitermachst. Vielleicht hättest du ja alle begeistern können und länger als ein Jahr weitergemacht. Jetzt sind all deine Wähler enttäuscht, das finde ich befremdlich.“ Der Abwahl-Antrag war damals von Beck selbst und Birte Überleer (UWGD) gestellt worden. Paulsen war vorgeworfen worden, eine Wege-Reparatur ohne Zustimmung der Gemeindevertretung in Auftrag gegeben zu haben. Der Antrag wurde damals abgelehnt, unter anderem von Frederic Pers.

Paulsen betonte noch einmal, dass er sich mit dem Vorschlag vom 17. Mai nicht habe anfreunden können. Heino Ellhöft (KWVD) zog einen Strich unter die Diskussion: „Jetzt muss nach vorne geguckt werden.“

Auf die Frage eines Einwohners, wann dem zurückgetretenen Bürgermeister gedankt werden solle, antwortete Jähnichen: „Da wird was gemacht – und zwar vom neuen Gemeinderat.“

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen