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Frau & Beruf in Husum : Trotz Rotstifts: Beratungs-Stelle bleibt

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Husumer Beratungsstelle Frau & Beruf muss sparen und zieht deshalb in günstigere Räumlichkeiten um. Mehr als 1000 Frauen aus Nordfriesland suchten dort im vergangenen Jahr Hilfe.

Zuerst die gute Nachricht: Die Beratungsstelle Frau & Beruf in Husum wird es auch in Zukunft geben. Doch das Team mit Silvia Zuppelli, Meike Hansen und Projektassistentin Lydia Sarré muss mit weniger Mitteln auskommen, was in ihrem Fall bedeutet, dass Stunden reduziert werden. Schwarz auf Weiß haben Silvia Zuppelli und Meike Hansen die Details der für sie relevanten Kürzungen allerdings noch nicht.

Grund für die einschneidende Veränderung ist ein neuer Verteilungsschlüssel für die elf Einrichtungen in Schleswig-Holstein, die über das Zukunftsprogramm Arbeit und damit von der Europäischen Union, aus dem Europäischen Sozialfonds (ESF) und vom Land Schleswig-Holstein Förderung erhalten. Das Zukunftsprogramm wird es nicht mehr geben, aber die Einrichtungen Frau & Beruf sollen in der neuen Förderperiode für den ESF im Rahmen des Landesprogramms „Neue Arbeit“ mit veränderten Konditionen weiter unterstützt werden. Verantwortlich für die Bewilligungen bleibt die Investitionsbank Schleswig-Holstein.

Träger der Husumer Einrichtung, die im vergangenen Jahr 1016 Frauen beraten hat, ist seit 2003 der Verein zur Förderung grenzüberschreitender Arbeitsmarkt- und Beschäftigungspolitik beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB). Angefangen hat aber alles vor 25 Jahren auf Initiative einer Gruppe engagierter Frauen, die Frau & Beruf in Nordfrieslands Kreisstadt zu einem bundesweiten Modellprojekt machte. Ob der Verein und damit der DGB den Hut aufbehält, ist ebenfalls noch offen. Denn für das Angebot gab es eine Ausschreibung.

Zurzeit werden für das Büro an der Westküste 56 Stunden , vor allem für Beratungen (Anteil von 40 Prozent) und die Netzwerkarbeit in verschiedenen Gremien (ebenfalls 40 Prozent) sowie rund 20 Stunden für Verwaltungsaufgaben finanziert. Die Herausforderung besteht nun darin, so die Fachfrauen, das „bewährte Beratungsangebot mit reduzierten Mitteln bedarfsgerecht auszugestalten“. Silvia Zuppelli unterstreicht im Gespräch, dass es für die Frauen wohl „keine Einbußen“ geben wird, da im neuen Konzept die Beratung 70 Prozent ausmachen soll.

Fest steht, dass es zu einer intensiveren Zusammenarbeit zwischen den Hauptstellen von Frau & Beruf in Husum und Flensburg kommen wird. Drei Beraterinnen betreuen demnächst die Stadt Flensburg sowie die Kreise Schleswig-Flensburg und Nordfriesland und bieten auch mobile Sprechstunden an – in Nordfriesland sind Adressen für den Außendienst: Niebüll, Bredstedt, Garding, Sylt, Föhr, Süderlügum, Enge-Sande, St. Peter-Ording und Pellworm.

Eine erste Sparmaßnahme wird der Umzug zum 1. Juli von der Husumer Schiffbrücke 12 in günstigere Räumlichkeiten sein – hier kommt die nordfriesische Politik ins Spiel. „Der Kreis hat großes Interesse daran, dass wir bleiben“, erklärt Silvia Zuppelli. Und so hat der Finanz- und Bauausschuss dem Kreistag einstimmig empfohlen, dem Team zwei Räume im kreiseigenen Gebäude an der Asmussenstraße (ehemals Landeszentralbank) anzubieten.

Die Hauptklientel der Ratsuchenden sind Berufsrückkehrerinnen. Alleinerziehende Mütter, Frauen, die ihren Job verlieren werden oder bereits verloren haben und Frauen, die eine existenzsichernde Stelle suchen, um ihren Lebensunterhalt ohne staatliche Zuwendungen bestreiten zu können, sowie Existenzgründerinnen bitten ebenfalls um Hilfestellung. Frauen haben es generell trotz Fachkräftemangels schwer, einen Job zu finden, weiß Meike Hansen. Das habe sehr oft mit der klassischen Rollenverteilung zu tun. „In erster Linie sind es immer noch Frauen, die die Familienarbeit – ob Kinderbetreuung oder Pflege von Angehörigen – leisten.“ Es fehlten auf dem Land – „in Husum ist es gut“ – Angebote in den Kindertagesstätten, die frau auch Schichtdienste, zum Beispiel in einer Klinik, ermöglichen. Und flexible Arbeitszeiten in Betrieben und Teilzeit-Jobs seien ohnehin rar.

„Wir bieten eine niedrigschwellige Orientierungsberatung an und haben einen ganzheitlichen Blick auf die Frauen“, bringt es Meike Hansen auf den Punkt. Themen, die behandelt werden, betreffen unter anderem: die eigenen Stärken und Schwächen, die Abwägung einer beruflichen Alternative, die richtige Bewerbungsstrategie mit Vorbereitung auf ein Gespräch bei einem potenziellen Arbeitgeber, Weiterbildungsmöglichkeiten und Fördermittel, Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie das Feilen an einer Idee zur Existenzgründung. Kompetenten Beistand gibt es ebenso bei Konflikten oder Mobbing am Arbeitsplatz.

Dies alles ist nur zu leisten, weil die Drei von Frau & Beruf Teil eines gut funktionierenden Netzwerks sind. Diese Kontakte zu anderen Organisationen, Einrichtungen und Behörden wollen die Beraterinnen auf jeden Fall pflegen – auch wenn ihnen dafür weniger Zeit bleiben wird.

Offene Sprechstunden
 

Kontakt zu Frau & Beruf gibt es unter der Telefonnummer 04841/7060 (E-Mail: frau-beruf-nf@foni.net). Bürozeiten: montags bis freitags von 8 bis 12 Uhr, offene Sprechstunden: jeden 1. Dienstag im Monat von 15 bis 18 Uhr. Beratungen erfolgen nach telefonischer Terminvereinbarung.

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erstellt am 20.Mai.2014 | 12:00 Uhr

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