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Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk : Trotz Handicaps mobil unterwegs

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Das Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk in Husum hat zehn Autos für seine Auszubildenden mit Behinderung angeschafft. Mit den Wagen können sie direkt zu ihren externen Schulungsstätten fahren, ohne Busse und Bahnen.

Eine außergewöhnliches Vorhaben hat das Theodor-Schäfer-Berufsbildungswerk (TSBW) in die Tat umgesetzt: Unter dem Motto „TSBW macht mobil“ erwarb die Stätte für Menschen mit Behinderung über das Autohaus Kath zehn nagelneue VW Up und stellt die himmelblauen fahrbaren Untersätze den Auszubildenden zur Verfügung. Hintergrund ist das Konzept der Verzahnten Ausbildung, wie TSBW-Leiter Hans-Jürgen Vollrath-Naumann erläutert: „Neben der Schulung im Werk besuchen die jungen Menschen gleichzeitig weitere externe Ausbildungswerkstätten und absolvieren langfristige Praktika.“ Doch die ländliche Infrastruktur mache das Erreichen der externen Lernplätze äußerst schwierig. „Bisher waren unsere Auszubildenden auf Busse und Bahnen angewiesen“, so Vollrath-Naumann weiter. Das sei jedoch häufig mit vielen Problemen verbunden gewesen. „Zeitweise haben wir die Auszubildenden selbst zum Ausbildungsplatz hinfahren müssen.“ Eine wirkliche Lösung habe das aber von Anfang an nicht dargestellt.

Daher wurde eine andere Möglichkeit gesucht – und gefunden. „Unsere Auszubildenden haben jetzt die Möglichkeit, in unserer eigenen Fahrschule den Führerschein zu machen“, berichtet Vollrath-Naumann. Und die Idee zur eigenen kleinen Fahrzeugflotte wurde entwickelt. „In Zusammenarbeit mit dem VW-Werk in Wolfsburg und dem Autohaus Kath in Husum haben wir eine optimale Möglichkeit für mehr Mobilität erarbeitet“, so der TSBW-Chef. Möglich wurde das nur durch großzügige Unterstützung: „Während VW einen beachtlichen Zuschuss gewährte, verzichtete Kath auf die Provision“, so TSBW-Ausbildungsleiter Udo Rex.

Die Wagen wurden direkt beim VW-Werk abgeholt. Für 15 Auszubildende hieß das, morgens gegen fünf Uhr vom Autohaus Kath aus gemeinsam mit Mitarbeitern vom TSBW und des Autohauses sowie dessen Verkaufsleiter Peter Hansen mit einem Bus nach Wolfsburg zu fahren. Zunächst wurde den Gästen aus der Storm-Stadt eine beeindruckende Werksbesichtigung zuteil. Und unmittelbar vor der Fahrzeug-Übergabe erschienen die Namen der Auszubildenden auf großen digitalen Anzeigetafeln. Nicht nur sie, auch Peter Hansen zeigte sich begeistert: „Für die jungen Menschen war das ein ganz besonderer Tag, den sie wohl nicht so schnell vergessen werden.“ Die TSBWler hätten in einer besonderen Form Respekt und Anerkennung erfahren. „Diese Menschen, die mit den verschiedensten Handicaps leben müssen, sollen ja die gleichen Chancen bekommen wie jeder andere in ihrem Alter auch.“ Sie hätten nicht nur die gleichen Pflichten, sondern auch die gleichen Rechte.

Und diese Prämisse setzten die Auszubildenden aus Husum auf der Heimfahrt gleich praktisch um. Sie nahmen ihre neuen Flitzer nicht nur freudestrahlend persönlich in Empfang, sondern absolvierten auch deren Jungfernfahrt über die Autobahn nach Hause selbst. „Das war natürlich eine große Herausforderung, die alle aber bestens im Griff hatten“, resümieren Rex und Hansen. „Wieder glücklich in Husum angekommen, zeigten sie sich begeistert und platzten vor Stolz“, so Rex weiter.

Auch Jörn Beyerodt und Hannes Gußmann gehörten zu den Fahrern. Für Beyerodt bedeutet das neue Auto eine große Erleichterung. Er hat einen Praktikumsplatz in der Tourismuszentrale in St. Peter-Ording und musste bisher immer mit der Bahn fahren. Doch größere Strecken zu laufen – wie vom Bahnhof bis zu seinem Praktikumsplatz – ist ihm gar nicht möglich. „Das neue Fahrzeug erspart mir viel Mühe und ich kann endlich direkt bis zur Tourismuszentrale durchfahren.“ Für Gußmann sieht die Sache zwar derzeit anders aus. „Ich habe einen Praktikumsplatz direkt in Husum bekommen.“ Doch sollte er einmal nach außerhalb fahren müssen, steht auch ihm dafür eines der blauen Autos zur Verfügung, die unter anderem über CD-Abspielmöglichkeit, Klimaanlage sowie Winter- und Sommerreifen verfügen. Zwei Wagen sind Automatik-Fahrzeuge, ein weiterer wird für einen Rollstuhlfahrer auf Handbetrieb umgerüstet, so Hansen. Die Fahrzeuge werden von den Benutzern selbst gepflegt, zudem führen sie ein Fahrtenbuch. Einmal pro Woche werden die Autos überprüft. Und wenn auch noch nicht alle zehn Wagen im Einsatz sind, zeige sich schon jetzt der Erfolg, sagt Rex. Und lobt: „Die Auszubildenden übernehmen Verantwortung und behandeln die Fahrzeuge so, als wäre es ihr Eigentum.“




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