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Unmut in der Statthus-Gruppe : Trommelberg-Wohnprojekt in der Warteschleife

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Es geht um nicht mehr als einen Poller: Doch kommt er nicht, könnte es dazu führen, dass Husums erstes gemeinschaftliches Wohnprojekt gar nicht erst realisiert wird. Initiator ist die Statthus-Gruppe.

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erstellt am 21.Mai.2016 | 08:00 Uhr

Scheitert das erste generationenübergreifende Wohnprojekt am Trommelberg 11 in Husum an einem Poller – konkret daran, dass ein solcher nicht aufgestellt wird? Michael Graf und Michael Voigt-Neumann sind frustiert. Sie fühlen sich von den Akteuren im Rathaus im Stich gelassen. Denn der Poller war lange Zeit eine feste Verabredung mit der Verwaltung. Doch jetzt soll es ihn wahrscheinlich nicht mehr geben.

Damit ist nicht mehr alles gut für „Statthus“, die Genossenschaft in Gründung, die eine neue Form des Zusammenlebens in der unter Denkmalschutz stehenden „Osterhusumer Schule“ (frühere Pestalozzischule) und in einem Neubau anbieten möchte. Denn ohne einen Poller hätten, so die beiden Sprecher, ihre Mitstreiter – zurzeit gibt es 17 Interessenten für die vorgesehenen 22 Wohnungen – unter dem Parkplatz-Verkehr der Mieter aus den geplanten Nachbarhäusern eines Investors zu leiden. Dieser Verlust an Wohnqualität ist aus ihrer Sicht nicht tragbar. Als Eigentümerin von Schule und Grundstück ist die Stadt für beide die Verhandlungspartnerin.

„Das Schlimme ist, dass wir nicht informiert werden. Wir erfahren nur etwas, wenn wir nachhaken“, ärgert sich „Statthus“-Vorstandsmitglied Graf. „Es ist für uns eine Grenze der Belastbarkeit erreicht, die nach unserer Auffassung von der Umkehrung der Verhältnisse herrührt: Wir sind der Verwaltung nicht mehr wichtig, sehr viel wichtiger ist der Verkauf des Grundstückes an den zweiten Investor.“ Dabei handelt es sich um die Rendsburger Firma Demandt. Denn das 20  000 Quadratmeter große Grundstück am Trommelberg wird geteilt: Etwa 12  000 Quadratmeter möchte die Wohnprojekt-Gruppe erwerben. Auf der restlichen Fläche plant Demandt den Bau von drei Häusern mit insgesamt 57 Wohnungen, davon sollen auf Wunsch der Stadt 60 Prozent dem sozialen Wohnungsbau zugeführt werden. Eine entsprechende Auflage gibt es für die Trommelberger nicht.

„Wir hatten aus der Verwaltung eine schriftliche Zusage für den Poller, der versenkbar ist, damit Müll-, Feuerwehr- und Rettungsfahrzeuge unsere Zufahrt passieren können – aber nur die“, erläutern Graf und der „Statthus“-Aufsichtsratsvorsitzende Michael Voigt-Neumann im Gespräch mit unserer Zeitung. Es handele sich um eine Einbahnstraße, die sämtlichen Verkehr an einer sensiblen Stelle des denkmalgeschützten Gebäudes vorbeiführen würde. Dabei bestehe die Möglichkeit, eine zweite Zufahrt – eine öffentliche Straße, die die Stadt bauen wird – zu verbreitern, sodass für die Mieter des Nachbarn ein Zweirichtungsverkehr eine Option wäre. Auf Nachfrage betont Bürgermeister Uwe Schmitz, dass das Trommelberg-Projekt eine „gute Reputation für die Stadt“ sei. Konkret will er sich nicht zum Thema äußern, sondern signalisiert stattdessen Gesprächsbereitschaft. „Uns ist wichtig, dass alles im Sinne der beiden Parteien geregelt wird.“

Aus Sicht von Graf und Voigt-Neumann gibt es neben der Poller-Frage aber noch zwei weitere strittige Punkte: So müsse die „Statthus“-Gruppe die Erschließungskosten für ihren Neubau selbst tragen, obwohl der zweite Investor voll erschlossene Grundstücke erhalte. Schwerer wiegt aber, dass „Statthus“ seit Monaten darauf wartet, dass der Kaufvertrag unterschrieben werden kann. Ein Verkaufsbeschluss des Hauptausschusses liegt vor. Doch es fehlt ein Lageplan mit den Grundstücksgrenzen. Michael Schirduan, im Kämmereiamt zuständig für Liegenschaften, erklärt auf Anfrage, dass Demandt bereits einen Vermesser beauftragt habe und das Ergebnis abgewartet werden müsse.

Der noch nicht vorliegende Kaufvertrag und das Poller-Problem haben Konsequenzen: Das Projekt ist ins Stocken geraten. Voigt-Neumann: „Wir haben bei diesen Unklarheiten Probleme, neue Mitglieder zu gewinnen und könnten auch welche verlieren. Unseren Architekten und den Projektentwickler mussten wir erst einmal in die Pause schicken.“

Ärger zu Hause – Anerkennung aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Finanzielle Lorbeeren gab es aus Berlin: mit immerhin 200  000 Euro. Der Trommelberg gehört zu 29 von mehr als 200 ausgezeichneten Wohnprojekten. In Schleswig-Holstein ist es das einzige Vorhaben dieser Art, dass Fördermittel erhalten hat. Graf: „Ein Foto von uns ist sogar auf einer Einladung abgedruckt. Denn am 9. Juni findet im Ministerium eine Auftaktveranstaltung für das Bundesmodellprogramm ‚Gemeinschaftlich wohnen, selbstbestimmt leben‘ statt. Und wir sollen an einem Workshop teilnehmen, in dem es um die Rolle der Kommune geht.“ Graf hat deshalb beim Bürgermeister nachgehakt. Und Uwe Schmitz fiel so einiges ein – unter anderem führte er in seiner Antwort auf: die kostenfreie Überlassung des Schulgebäudes und die Bereitschaft der Stadt, für den Neubau eine Frist von acht Jahren einzuräumen, obwohl zwei Jahre üblich seien. Bewusst sei er (Schmitz) sich, dass nicht alle Verhandlungen zwischen „Statthus“, Politik und Verwaltung, „uneingeschränkt harmonisch verlaufen sind“.

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