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Husumer Nachrichten

18. Oktober 2017 | 03:11 Uhr

Husum und Mildstedt : Trinkwasser wird teurer

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Differenz zwischen Erlösen und Fixkosten wird größer: Die Husumer Stadtwerke führen deshalb ein neues Tarifmodell ein, was unterm Strich zu höheren Preisen führt.

Die Stadtwerke Husum führen ein neues Tarifsystem für Trinkwasser in Husum und Mildstedt ein. Der Grund ist die größer werdende Differenz zwischen verbrauchsabhängigen Erlösen und dem hohen Anteil an Fixkosten für die Bereitstellung des Trinkwassers. „Es ging uns darum, die Kosten für die Versorgung der Stadt mit dem Lebensmittel Nummer eins möglichst gerecht auf die Nutzer zu verteilen“, betont Benn Olaf Kretschmann, Geschäftsführer der Stadtwerke Husum und fügt hinzu: „In den vergangenen Jahren haben sich die Verhältnisse der Kostenblöcke und das Verbraucherverhalten deutlich verändert, da mussten wir jetzt nachjustieren.“

So wird es zum 1. Januar 2017 zusätzlich zum Mengen- und Verrechnungspreis noch den Systemvorhalte-Preis geben. Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt in Husum mit einer Wasserabnahme von 160 Kubikmetern pro Jahr, also 160.000 Liter, steigen die Kosten für Trinkwasser dadurch um 2,76 Euro pro Monat. Für Kleinstabnehmer, die weniger als 30.000 Liter pro Jahr abnehmen, fällt die Steigerung stärker aus. Grund dafür sind die vergleichsweise hohen Kosten der Systemvorhaltung.

„Die Motivation hinter dem neuen Modell ist nicht, die Trinkwasserpreise zu erhöhen“, meint Benn Olaf Kretschmann, „sondern vielmehr, die Kosten transparent und gerecht zu verteilen.“ Von der Notwendigkeit dieses Schrittes ist auch der Aufsichtsrat des kommunalen Unternehmens überzeugt, der dem neuen Tarifmodell zugestimmt hat. Antworten auf die häufigsten Fragen zum neuen Tarifmodell finden Kunden auf der Homepage der Stadtwerke (www.stadtwerke-husum.de).

Bisher setzt sich das Entgelt für Trinkwasser aus zwei Faktoren zusammen: Dem Preis für die tatsächlich entnommene Menge an Wasser, gemessen in Kubikmetern – wobei ein Kubikmeter 1000 Liter entspricht – und dem sogenannten Verrechnungspreis. Letzterer orientiert sich an der Größe des Wasserzählers und ist ein Betrag, der jeden Monat in gleicher Höhe berechnet wird. Dieser deckt einen Teil der Fixkosten des Wasserversorgers.

Neu im geplanten Tarifsystem ist von 2017 an ein dritter Bestandteil: Eingeführt wird der bereits erwähnte Systemvorhalte-Preis. Er soll dazu beitragen, die Fixkosten für die Vorhaltung der Wassersysteme stärker als bisher zu decken: Rohre, Fördertechnik, Wartung oder Instandsetzung sind dabei berücksichtigt.

Denn unabhängig davon, wie viel Wasser in Husum gebraucht wird, müssen die Stadtwerke ein Trinkwassersystem betreiben, das besonders auch für Spitzenzeiten eine ausreichende Menge zur Verfügung stellen kann. Das gilt insbesondere für heiße Sommermonate, in denen sich viele Touristen in Husum aufhalten.

Bei der Konzeption dieses Modells haben sich die Fachleute der Stadtwerke am Leitfaden zur Wasserpreis-Kalkulation des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft orientiert. Unterstützt wurden sie von einem unabhängigen Ingenieurbüro. Im Vergleich mit Stadtwerken im Umkreis liegt der Husumer Wasserversorger auch mit seinem neuen Tarifsystem preislich im Mittelfeld – das
gilt für kleine wie für große Verbräuche.

„Die Tarifstruktur in Husum – wie auch bei vielen anderen Wasserversorgern – spiegelt die tatsächliche Kostenstruktur zunehmend ungenügend“, betont Benn Olaf Kretschmann. „Das derzeitige Abrechnungsmodell basiert auf alten Verbrauchsprognosen; damals ging man von stetig steigenden Verbräuchen aus. In Wirklichkeit geht der Wasserverbrauch aber bei Privathaushalten und in der Industrie zurück. Wir gehen bewusster mit dem kostbaren Lebensmittel um“, erklärt der Stadtwerke-Chef.

Aktuell sind etwa 80 Prozent der Entgelte, die die Kunden zahlen, mengenabhängig, werden also pro Kubikmeter fällig. 20 Prozent entfallen auf fixe Preisbestandteile wie etwa die Abrechnung und die Wasserzähler. Auf Kostenseite des Netzbetreibers Husum Netz stehen aber rund 80 Prozent Fixkosten – für Wassergewinnungsanlagen, die Netz-Infrastruktur und das Vorhalten von Wasser für Spitzenzeiten. Etwa 20 Prozent dieser Kosten entstehen mengenabhängig pro Kubikmeter Trinkwasser. Kretschmann: „Dieses Ungleichgewicht gilt es, mit dem neuen Tarifmodell zu mindern. Um eine zuverlässige Wasserversorgung dauerhaft sicherstellen zu können, braucht es wirtschaftlich gesunde Unternehmen.“

Zuständig für die Netz-Infrastruktur und die sichere Versorgung ist in Husum und Mildstedt die Stadtwerke Husum Netz GmbH (Husum Netz). Der Betrieb plant, baut und betreibt die Netze und Anlagen zur Versorgung mit Trinkwasser. „Fine faire Tarifgestaltung bedeutet, dass die Kosten gedeckt sind, und Rücklagen für notwendige Investitionen gebildet werden können“, merkt Geschäftsführer Norbert Jungjohann an.

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