Monetäres Dankeschön : Trinkgeld – von geizig bis großzügig

Trinkgeld – ein Dankeschön für den guten Service.
Trinkgeld – ein Dankeschön für den guten Service.

Es besteht keine Pflicht, „Tip“ zu geben, doch das Service-Personal freut sich über die Belohnung – wie halten es die Husumer?

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23. Februar 2018, 11:00 Uhr

Schleswig-Holsteiner geben im deutschlandweiten Vergleich überdurchschnittlich viel Trinkgeld – zumindest, wenn man einer Umfrage der Kreuzfahrer-Homepage Dreamlines.de Glauben schenken darf. Sind die Nordlichter im Urlaub, zahlen sie demnach täglich 20,48 Euro pro Tag an Kellner, Kofferträger und Co.. Doch halten sie es auch zu Hause so? Und wie großzügig sind die Urlauber, die nach Nordfriesland kommen? Die Husumer Nachrichten haben in der Gastro-Szene nachgefragt.

Eine kleine Anekdote vorab: Überraschungsbesuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel an einer Pommes-Bude. Für mehrere Portionen Fritten mit Soße für sich und ihre Delegation sollte sie 49,20 Euro zahlen und reichte einen 50-Euro-Schein mit den Worten „Stimmt so“ über den Tresen. 80 Cent Trinkgeld von der Regierungschefin – knickerig oder angemessen?

„Menschen wie Frau Merkel haben häufig kein Verhältnis zum Geld, da sie in ihrem Alltag kaum noch damit umgehen. Deshalb ist diese Geschichte zwar amüsant, aber kein gutes Beispiel“, meint Karl-Heinz Häuber, Vorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga im Verband Nordfriesland-Süd und Geschäftsführer des Husumer Theodor-Storm-Hotels. Der Gast allein entscheide, wann er etwas gibt und in welcher Höhe. Das monetäre „Dankeschön“ falle allerdings sehr unterschiedlich aus. „Auf die Erwartungshaltung des Gastes haben wir keinen Einfluss. Der Service wird von jedem anders bewertet und das wirkt sich natürlich auch auf das Trinkgeld aus“, erläutert der Hotelier. Er selbst gebe nach wie vor fünf bis zehn Prozent auf den Rechnungsbetrag – wenn der Service stimme. „Aber ich spreche auch sachlich an, wenn etwas nicht in Ordnung war. Denn nur so hat der Wirt die Chance, darauf zu reagieren.“

Die Verteilung des Trinkgeldes kann übrigens jedes Unternehmen nach eigenem Ermessen regeln. Rein rechtlich gehört das Trinkgeld allerdings demjenigen, der es bekommt. „In manchen Häusern wird aber auch in einem gemeinsamen Topf gesammelt, der unter den Mitarbeitern aufgeteilt wird. Oder – so halten wir es bei uns im Haus – das inkassoberechtigte Personal gibt einen prozentualen Anteil des baren Trinkgeldes freiwillig in eine Gemeinschaftskasse ab“, erzählt Karl-Heinz Häuber.

An den Brauch, die Rechnung um zehn Prozent aufzustocken – das heißt im Falle der Kanzlerin, es wären bis zu fünf Euro drin gewesen – hält sich in der Praxis außer denen, die selbst aus der Branche kommen, heute jedoch augenscheinlich kaum noch jemand. „Die meisten runden den Betrag nur geringfügig auf. Und wenn mit Karte gezahlt wird, fällt das Trinkgeld oft ganz aus“, berichtet Joshua Köhler, der im Restaurant „Die Insel“ in St. Peter-Ording tätig ist. Anders sei es bei Stammgästen. „Die fühlen sich hier ein bisschen wie zuhause und geben deshalb gerne“, erzählt er.

Grundsätzlich sehe man den Gästen nicht an, ob es am Ende einen guten „Tip“ für den Service gibt. „Man täuscht sich oft. Bei manchem ist man überrascht, dass die Rechnung ‚nur‘ auf den Cent aufgerundet wird – und andere geben unvermutet ein großzügiges Trinkgeld“, sagt der 28-Jährige.

„Ich habe einen tollen Beruf. Aber nicht alle Leute sind freundlich“, berichtet auch eine Restaurant-Fachfrau in Husum, die ihren Namen mit Rücksicht auf ihren Arbeitgeber nicht genannt haben möchte. „Bei 30 Cent muss man sich noch den süffisanten Spruch: ‚Aber nicht alles auf einmal ausgeben‘ gefallen lassen. So etwas vermiest mir manchmal schon die Laune“, sagt sie.

Ein weiteres Problem sei, dass die Kunden bei Beanstandungen mittlerweile nicht nur auf das Trinkgeld verzichteten. „Der persönliche Frust wird einfach anonym in Bewertungen auf Online-Portalen rausgelassen. Das ist nicht nur geschäftsschädigend, sondern in den meisten Fällen auch ungerechtfertigt.“

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