Treue Gäste seit vier Jahrzehnten

Akkurat ausgerichtet: der Windschutzzaun am Holzhauer-Zelt. Foto: FMW
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Akkurat ausgerichtet: der Windschutzzaun am Holzhauer-Zelt. Foto: FMW

Seit 1971 kommt das Ehepaar Holzhauer aus Ammersbek immer wieder gerne auf den Campingplatz am Dockkoog

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13. Juli 2013, 10:07 Uhr

Husum | Bevor ein Urlaub beginnt, sollte klar sein, wohin es geht. Nach Dänemark, Italien oder Spanien? Es gibt viele Möglichkeiten. Vor allem, wenn man mit dem Wohnwagen auf Achse ist. Auch Karl und Ruth Holzhauer aus Ammersbek hatten schon oft die Qual der Wahl. Aber obwohl sie ihre Reisen auch ein paar Mal ins Ausland führten, schlagen sie ihr Zelt seit 1971 am liebsten in Husum auf - auf dem Campingplatz am Dockkoog.

"Die Holzhauers sind etwas Besonderes. Solche Gäste wie sie gibt es heute kaum noch", sagt Pächter Gert-Ulrich Hartmann, der das Ehepaar seit seinem Amtsantritt 1991 kennt. Die beiden haben vor ihm schon drei andere Pächter erlebt, waren aber mit keinem so zufrieden, sagt Karl Holzhauer. Der ehemalige Husumer Abteilungsleiter einer gesetzlichen Krankenkasse lernte den Zeltplatz bei einem Deich-Spaziergang mit Kollegen kennen und war sofort begeister. Noch im selben Jahr absolvierte die Familie mit ihren zwei Söhnen dort ihr erstes Gastspiel.

Als Unterkunft musste damals noch ein Zelt herhalten. "Es war aber wohl eher für die Adria geeignet, denn es hielt dem Wind nicht stand", erzählt Ruth Holzhauer. Ein Jahr später wurde nachgerüstet. Doch schon bald war klar, dass ein Wohnwagen her musste. Der erste war 5,40 Meter lang und reichte zunächst auch vollkommen aus. "Aber irgendwann trat man sich darin ständig auf die Füße", sagt der 81-jährige Karl. Vor 14 Jahren kam dann das aktuelle Modell, das im Winter auf einem Bauernhof untergebracht ist. Bei einer Länge von 6,50 Meter und einem Kaufpreis von 5000 D-Mark damals ein wahres Schnäppchen.

Heute sind keine Veränderungen mehr nötig. Früher zog Vater Karl noch alles selbst fest, aber mittlerweile helfen die Söhne beim Aufbau im April. Die Errichtung seines Windschutz-Zauns überlässt er aber niemand anderem. "Wenn der Wagen nicht Zentimeter genau platziert ist, geht da gar nichts", erklärt der Dockkoog-Veteran. Seine Hingabe zur optimalen waagerechten Ausrichtung des Zauns brachte ihm auch schon eine Urkunde ein: Zwei seiner Campingfreunde überreichten ihm 2009 den "Bachelor des Windschutzes", als Anerkennung für seine maßgenaue Arbeit. "Das war ein schönes Erlebnis unter Freunden", erinnert sich "Charly" gerne. Auch der 80. Geburtstag seiner Frau im Jahr 2009 war so ein Erlebnis. "Wir haben fast das ganze Hotel nebenan gemietet", erinnert sie sich. Auch Freunde vom Platz feierten mit.

Heute haben die Holzhauers fast kaum noch Kontakt zu anderen Campern, was ihrer Meinung nach an ihrem Alter liegt. Pächter Hartmann glaubt, dass auch die Spontaneität der jüngeren Generation ein Grund sei. Dadurch gebe es kaum noch andere Dauercamper, mit denen die Holzhauers einen näheren Kontakt aufbauen könnten. Und ohne diese Langzeitgäste lohnen sich auch typische Campingplatz-Abendveranstaltungen wie das Spanferkel-Grillen auf der Anlage nicht mehr. Überflüssig sei der Platz in Husum aber deshalb noch lange nicht, so Hartmann.

Ruth Holzhauer stimmt ihm zu: "Es ist sehr idyllisch hier und woanders hat man sowieso nur Sand unter den Füßen", findet sie. Husum habe aber schon immer mehr als das geboten. Und daher steht Ehemann Karl auch zu seiner Meinung, die er schon 1994 beim 25. Geburtstag des Campingplatzes äußerte: "Was gestern galt, das gilt auch heute - Die Husumer sind nette Leute".

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