Angler wollen sauberen Fluss : Treene: Pflanzensterben geht weiter

Nur noch Vegetationsreste sind in dieser Treenebucht zu finden, in der einst ein regelrechter Grüngürtel wuchs.
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Nur noch Vegetationsreste sind in dieser Treenebucht zu finden, in der einst ein regelrechter Grüngürtel wuchs.

Immer mehr Pflanzen in der Treene sterben. Jetzt fordern die Schwabstedter Sportangler gemeinsam mit dem Kreisverband, dass Ursachenforschung betrieben werden muss. Biogasanlagen und Vermaisung stehen im Verdacht.

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24. Januar 2015, 16:00 Uhr

Die Freude ist nur kurz und auch nicht langanhaltend. Wenn die Sportangler an der Treene mit Spinnrute und Kunstköder auf Raubfisch unterwegs sind, dann verzeichnen sie schon seit einigen Jahren deutlich weniger nervige Hänger im Kaut. Die Vegetation im Fluss wird nämlich immer dünner. Mittlerweile liegen nach einem Hochwasser ganze Kalmusinseln, Schilfbüschel und Reste von Seerosen an den Ufern. Nicht selten entpuppt sich der scheinbar große Fang in der Treene als Wasserpflanzenbüschel, das im Fluss treibt. Ganze Buchten der Treene haben nahezu ihre Vegetation verloren. Und auch unter Wasser sieht es nicht besser aus. In seichten Abschnitten, wo die Pflanzen vielen Tierarten und vor allem auch Jungfischen Deckung boten, bestimmt heute dunkler Modder das Bild. Doch den Grund dafür, den kennt bislang niemand, Vermutungen allerdings gibt es viele.

Obwohl das Problem des Pflanzensterbens in der Treene seit gut fünf Jahren immer massiver auftritt, ist die Ursache noch nicht gefunden. 2012 wurde erstmals in einer Versammlung der Schwabstedter Sportangler das Thema problematisiert. Der Gewässerwart des Vereins berichtete, dass die Wasserproben permanent zwischen leichter und schwerer Belastung schwanken. Dies wurde schließlich auch durch die Messreihe der Station Friedrichstadt des Landesamtes für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) bestätigt. Seit Anfang dieses Jahrhunderts wurden dort deutlich erhöhte Ammonium- und Phosphatwerte registriert. Eigentlich Pflanzennährstoffe, doch wird in Wissenschaftskreisen darüber diskutiert, ob die aquatischen Röhrrichte durch die veränderten Nährstoffbedingungen absterben. Und unstrittig ist, dass die erhöhte Nährstofffracht durch die Landwirtschaft verursacht wird. Denn jeder Dünger wird zu einem gewissen Prozentsatz mit dem nächsten Regen in die Oberflächengewässer gespült. Von dort geht es dann weiter zum zentralen Wassersammler, der Treene.

Eine zweite Vermutung zur Ursache: Seit der explosionsartigen Zunahme von Biogasanlagen werden viele bislang genutzte Grünlandflächen in Maisäcker umgewandelt. Mit der Folge, dass wesentlich mehr und andere Spritzmittel als auf dem klassischen Grünland zum Einsatz kommen. Und auch diese Mittel werden zum Teil vom Regen in die Oberflächenwasser gespült.

Der Kreisanglerverband Nordfriesland hat die Problematik zum Anlass genommen, eine Treenekonferenz ins Leben zu rufen. Dort werden die Messergebnisse der Wasserchemie und die Ergebnisse der Beobachtung zusammengetragen, besprochen, zusammengestellt, diskutiert und digitalisiert. Kritik am LLUR ist vom Vorsitzenden Jürgen Toellner zu hören, denn dessen Messergebnisse seien nicht ausreichend einzusehen und könnten daher auch nicht in die eigenen Untersuchungen einfließen. Töllner beklagt besonders, dass die Proben, die von den Gewässerwarten der einzelnen Vereine genommen werden, nicht gerichtsfest seien, sollte es zu Auseinandersetzungen bezüglich einer Verursachung kommen.

Lange wird über die Ursachen des Pflanzensterbens debattiert, doch es werde zu wenig über die Gründe geforscht, beklagen die Sportfischer. Schließlich müsse auch die Treene irgendwann die Normen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie einhalten. Zudem sei es eine touristisch sehr wichtige Region, die Gäste möchten schon wissen, ob es sich um ein gesundes oder aber ein kränkelndes Gewässer handele. Wichtig sei daher, dass ein regelmäßiges Monitoring stattfinde. Dazu sagt Martin Schmidt vom Landesamt in Flintbek, dass es eine regelmäßige Überwachung gebe. Jeden Monat werden an der Schleuse in Friedrichstadt zehn verschiedenen Parameter gemessen, darunter Sauerstoff, Phosphat, Nitrat und Ammonium. Vier Mal im Jahr kommen zudem noch Untersuchungen auf Pflanzenschutzmittel hinzu. Nach Einschätzung des Landesamtes dürften diese Mittel nicht für das Sterben verantwortlich sein, da die Pflanzen dann vorher gelb werden würden. Mittel für eine genaue Ursachenforschung stünden gegenwärtig nicht zur Verfügung, könnten aber womöglich noch in diesem Jahr beschafft werden. Dann würde an der Treene ein Programm anlaufen, dass über mehrere Jahre hinweg die Beprobung des Flusses vorsehe.

Der Eider-Treene-Verband will die Ufer selbst schützen. Er fordert von den Landnutzern an der Treene, dass sie ihre Weiden zum Fluss hin einzäunen, damit es erst gar nicht zu einem Viehvertritt kommen kann.

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