zur Navigation springen
Husumer Nachrichten

12. Dezember 2017 | 21:31 Uhr

Eiderstedt : Trauerseeschwalbe in Not

vom

Die ersten sind aus ihrem Winterquartier in Afrika nach Eiderstedt zurückgekehrt - doch es fehlt ihnen an Nahrung, sagt Experte Claus Ivens

shz.de von
erstellt am 11.Mai.2013 | 08:48 Uhr

Eiderstedt | Die Kinderstube ist vorbereitet, die Trauerseeschwalben können kommen. Insgesamt 130 kleine Flöße haben Claus Ivens und die freiwilligen Helfer vom Kieler Ortsverein des Naturschutzbunds auf zehn Tränkekuhlen im EU-Vogelschutzgebiet in Wester hever, Poppenbüll und Kotzenbüll ausgebracht. Auf diesen können die Vögel ihre Nester bauen. Die Starthilfe ist erforderlich, denn natürliche Brutplätze wie Schilf- oder Grasinseln in den Gewässern finden die Trauerseeschwalben auf Eiderstedt schon lange nicht mehr. Darum hilft ihnen Ivens seit 1989 mit dem künstlichen Untersatz. Die ersten sechs, sieben Pärchen sind bereits aus Afrika angekommen, wie Ivens beobachtet hat. "Da kommen noch welche", ist sich der Alt-Landwirt sicher, der sich seit Jahrzehnten dem Schutz des amselgroßen, rauchgrauen Fliegers verschrieben hat. "Die sind durch den langen Winter aufgehalten worden."

Doch ob sie erfolgreich ihre Küken aufziehen werden, darüber wagt er keine Prognosen. "Sie finden auf Eiderstedt eine Region vor, die sie nicht brauchen können." Es sei kein Wasser in vielen Gräben, und damit können dort auch keine Fische und Insekten leben. Und auf die ist die Trauerseeschwalbe als Nahrung für ihren Nachwuchs angewiesen. Und auch andere Tiere brauchen das Wasser. In Gräben, die das ganze Jahr gefüllt sind, wurden 70 Tierarten gezählt, in solchen, die auch nur einmal im Jahr trockenfallen, nur fünf Schneckenarten, so Ivens. "Die Sielverbände haben im Winter massiv das Land entwässert", erklärt Ivens die Ursache, "und im April hatten wir dann keine Niederschläge. Nun sind die Gräben leer." Er fragt sich, warum die Verantwortlichen nicht aus den Erfahrungen lernen. Schließlich war es in den vergangenen Jahren im Frühjahr regelmäßig ausgesprochen trocken. Um den Trauerseeschwalben zu helfen, hat der Verein Weideland, in dem Ivens Mitglied ist, jetzt 10 700 Stichlinge in einigen Wasserläufen ausgesetzt.

Die Wasserstände sind der Dreh- und Angelpunkt, sollen die Trauerseeschwalben weiterhin auf Eiderstedt heimisch bleiben, das betont Ivens seit Jahren immer wieder und sieht sich durch die jüngsten Wiesenvogel-Zählungen innerhalb und außerhalb des EU-Vogelschutzgebiets auf der Halbinsel bestätigt, die im März im Eiderstedter Forum vorgestellt wurden (wir berichteten). Sowohl die Zahlen der Trauerseeschwalbe als auch der Wiesenvögel, für die alle das 6800 Hektar große EU-Vogelschutzgebiet eingerichtet wurde, gehen zurück. Und so fragt sich Ivens: "Ist meine Sache mit den Flößen nur noch Sterbehilfe, wenn wir nichts mit dem Wasser machen?" Seit Jahren beobachtet er den Rückgang bei den Trauerseeschwalben. Waren es Ende der 1960er Jahre noch mehr als 800 Paare, zählte er 2011 nur noch 16, die acht Küken großzogen, 2012 genau 24 Paare mit 21 Küken.

Er plädiert für unbürokratische Absprachen zwischen dem Naturschutz auf Eiderstedt und dem zuständigen Deich- und Hauptsielverband, um auf gestiegene Wasserstände zu reagieren. Und: "Wir müssen uns die Gebiete aussuchen, die wir anstauen." Denn was ist, wenn die EU feststellt, dass das Eiderstedter Schutzgebiet gar nicht seinen Zweck erfüllt? Er sieht Strafen und eine Verordnung fällig werden. "Wohlgemerkt: Ich will die Landschaft nicht unter Wasser setzen."

Seiner Ansicht nach müsste auch das Umweltministerium umdenken. Auf der einen Seite fließen jährlich drei Millionen Euro an öffentlichen Geldern in die Halbinsel - für Vertragsnaturschutzprogramme und Natura-2000-Prämien. Auf der anderen Seite beteiligt sich das Ministerium an den Kosten des Schöpfwerksbetriebs - "und damit an der Zerstörung der Landschaft", macht Ivens deutlich. Und wie passe das mit den neuen Plänen des Umweltministers zusammen, das Grünland zu schützen?

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen