Westküstenleitung bis Dänemark : Trassenverlauf wirft Fragen auf

Planer Christoph Herden mit Carl-Heinz Christiansen (re).
Planer Christoph Herden mit Carl-Heinz Christiansen (re).

Das Dialogverfahren zum Netzausbau der Westküstenleitung von Niebüll bis zur dänischen Grenze ist angelaufen.

shz.de von
20. April 2018, 07:00 Uhr

Die Landesregierung und der Netzbetreiber Tennet starteten jetzt in der Niebüller Stadthalle das Dialogverfahren im Zuge des Netzausbaus der Westküstenleitung von Niebüll bis zur dänischen Grenze. Ziel der offenen Gesprächsrunde war es, die Bürger einzubeziehen und ihre Kenntnisse vor Ort abzuschöpfen, wenn es darum geht, wo genau die Stromtrasse gebaut werden soll. „Es ist hier keine Bürgerbeteiligung“, machte Energiewendeminister Robert Habeck eingangs klar, „wir wollen dennoch die beste Lösung finden.“

Der fünfte Abschnitt der im Bau befindlichen 380-kV-Westküstenleitung vom Umspannwerk Niebüll Richtung Norden soll in Zukunft erneuerbaren Strom von Deutschland nach Dänemark und umgekehrt fließen lassen. „Wo genau, ist noch unklar“, sagte Tennet-Projektleiter Dr. Bernd Brühöfner zum Trassenverlauf. Das brachte einen Anrainer auf die Palme, der den genauen Streckenverlauf wissen wollte. „Festgelegt ist noch nichts. Nur ist eine Tatsache, dass die Leitung gebaut wird“, lautete die Antwort des obersten Planers, Christoph Herden. Der gab sich zuversichtlich: „Zwar müssen wir eventuell durch Natur-, Landschafts- und Vogelschutzgebiete, an Dörfern und Seen vorbei und durch Wälder – aber das ist zu schaffen.“ Vorgesehen seien Masttypen, die in unterschiedlicher Ausformung zu haben sind. „70 Meter werden Sie nicht erreichen“, so der Fachmann, „ich rechne mit 30 bis 50 Metern Höhe.“ Die Trasse passe „eigentlich nirgendwo hin“. Doch da das europäische Projekt politisch hoch im Ranking stehe, gäbe es kaum Einspruchsmöglichkeiten. Sonst würden eben Ausnahmeregelungen genehmigt. Eine Teil-Erdverkabelung sei nach geltender Rechtslage nicht möglich.

Carl-Heinz Christiansen vom BUND verwies auf Vogelrastplätze und Biotope zwischen Klixbüll und der Grenze. Christoph Herden zeigte dem Publikum daraufhin Korridore, in denen die Leitung gebaut werden könnte. Beim genaueren Hinsehen fiel auf, dass dies westlich, parallel zur Bundesstraße 5 wäre. Belange des Denkmalschutzes, wie bei der Klixbüller Kirche, würden dabei nicht interessieren.

Carl-Heinz Christiansen meinte, dass die Trasse in Niebüll enden könnte. „Die 380-kV-Verbindung nach Dänemark dient nur dem Stromhandel.“ Dem widersprach Minister Habeck: „Wir haben mit der Westküstenleitung die Anbindung an eine europäische Struktur, können Strombedarfe ausgleichen. Das ist für mich sinnhaftig und alternativlos.“

Peter Markus Petersen (Braderup) fragte besorgt nach den Abständen zu Einzelhäusern, die „im Weg stünden“. Brühöfner sprach von 200 bis 400 Metern, die eingehalten werden sollten. Unklar blieb, wie Deutsche und Dänen zusammenkommen. Karen Raagaard (Energinet Dänemark) vermutet, dass dies östlich von Tondern geschieht. „Schön wäre es, wenn sich die Masten ungefähr angleichen.“ Robert Habeck schüttelte den Kopf: „Ich verstehe es auch nicht, warum es in jedem Land andere Masttypen geben muss.“

Staatssekretär Tobias Goldschmidt skizzierte das weitere Vorgehen: Am 16./17. Mai gebe es Dialog-Angebote für ein Fachpublikum wie Landwirte, Naturschützer und Grundeigentümer. Am 29. August steht in der Stadthalle eine Zwischenkonferenz an. Dann soll der „Vorzugskorridor“ erläutert werden. Die Ergebniskonferenz findet Ende 2018 erneut in Niebüll statt. Dann erst ist klar, wo die Trasse verläuft und wie sie in Dänemark angebunden wird. Parallel dazu läuft die Planfeststellung. 2021 soll die Westküstenleitung komplett fertig sein.

„Das Dialogverfahren ist hervorragend, man kann es nicht besser machen als die Bürger vor Baubeginn mitzunehmen“, bekam Habeck ein dickes Lob von Amtsvorsteher Peter Ewaldsen. „Das zählt doppelt“, lächelte der Minister, der mit Ewaldsen des Öfteren Konflikte hatte.



Bis zum 15. Juni werden im Ministerium Anregungen unter stromnetzausbau@melund.landsh.de zur Westküstenleitung entgegengenommen.

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