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Vorbildliche Kooperation : Training in einer besonderen Sportart

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Husumer Tennisclub bietet Kindern der Bürgerschule auf ehrenamtlicher Basis Gratisstunden an – und der Nachwuchs ist begeistert. Ausdauer und Koordinationsfähigkeit werden geschult, und das Selbstbewusstsein wächst.

Fragt man Oliver und seine 19 Mitschüler der Klasse 2c der Bürgerschule, welcher Tag der Woche der schönste sei, gibt es eine ganz klare Antwort: „Freitag, denn da ist Tennistraining!“ Sie alle sind stolz darauf, kostenlose Trainerstunden in einer Sportart zu erhalten, die sonst nur Kindern vorbehalten ist, deren Eltern sich das leisten können.

Wie die kleinen Wirbelwinde sind die Kinder von der Schule zur Tennishalle gestürmt und suchen nun atemlos nach dem für sie passenden Schläger. Tennistrainer Gerd Köppen beobachtet sie und kanalisiert den Bewegungsdrang, um gezielt mit der Arbeit beginnen zu können. Die achtjährigen Sportskanonen sind sofort konzentriert bei der Sache. Die begleitende Lehrerin Ann Kristin Ziegenbalg hat die Szene im Blick und berichtet erfreut über die Kooperation des Husumer Tennisclubs mit der Bürgerschule: „Seit November bietet der Club dieses kostenfreie Training für die Klassen 2a, 2b und 2c an.“ Das Training findet aufgegliedert nach Klassen dienstags, mittwochs und freitags jeweils von 12 bis 13 Uhr statt – nach Schulschluss, damit kein Unterrichtsausfall entsteht. Auch Schulleiter Detlef Kreuzfeld ist bei diesem Projekt als begleitender Lehrer dabei. „Den Kindern wird durch die gezielte körperliche Bewegung eine Verbesserung der motorischen Fähigkeiten ermöglicht, wobei zusätzlich auch die Körperwahrnehmung und die Koordinationsfähigkeit gestärkt werden“, streicht Ann Kristin Ziegenbalg die Vorteile hervor.

Dreiviertel der anwesenden Kinder hätten ohne das Engagement der Lehrkräfte, des Trainers und vor allem des Tennisclubs keine Möglichkeit, Tennis zu lernen. Alle Beteiligten arbeiten ohne Bezahlung in ihrer Freizeit mit den Kindern. „Wie wichtig es ist, schnell und unkompliziert zu helfen, zeigen die alarmierend ansteigenden Zahlen der Kinder, die aus sozial schwachen Familien, Familien mit Migrationshintergrund und von Alleinerziehenden kommen. Geld für Sport und Freizeit steht dort häufig nicht zur Verfügung und der Nachwuchs gehört damit nur allzu oft schnell zu den Verlierern unserer Gesellschaft“, so Ann Kristin Ziegenbalg. Armut sei hierzulande meist nicht sofort erkennbar. Aus Scham würden die Erziehenden häufig versuchen, Einkommensschwächen zu verbergen – und das geschehe stets zu Lasten und auf Kosten der Kinder.

Dem ersten Vorsitzenden des Tennisclubs, Dr. Hansjörg Andresen, liegt das Projekt sehr am Herzen. Wobei er sich besonders darüber freut, benachteiligten Kindern aus einkommensschwachen Familien den Weg zu bereiten, eine neue Sportart kennen zu lernen. „Nebenbei versuchen wir natürlich auch, Talente zu sichten und Schüler für diesen Sport zu begeistern“, sagt Andresen. „Wenn die Voraussetzungen stimmen, haben Eltern über Berechtigungsscheine des Sozialamtes die Möglichkeit, Ausbildungen finanziert zu bekommen. Der Tennisclub ist bemüht, gerade Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund und aus sozial schwachen Familien zu fördern.“

Einer der kleinen Tennis-Helden steht mitten in der Halle und schwingt kämpferisch seinen Schläger über dem Kopf. „Ich bin schon ganz gut“, sagt er selbstbewusst und im Brustton der Überzeugung. „Wie man hier sieht, wird neben der motorischen Kompetenz auch das Selbstbewusstsein gestärkt“, sagt Ann Kristin Ziegenbalg lachend. „Und wer weiß, vielleicht wird er ja mal einer der ganz Großen im Tennissport.“


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