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Flugabwehrraketengeschwader 1 : Training für die Nato-Überprüfung

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Husumer Luftwaffen-Verband übt im kommenden Jahr eine breite Palette von Einsatzmöglichkeiten.

von
erstellt am 27.Dez.2016 | 14:00 Uhr

100 Tage sind eine beliebte Zeitspanne für die erste Bilanz in einem neuen Amt. Oberst Arnt Kuebart erreicht diesen Stichtag exakt zum 1. Januar 2017, und für das dann beginnende Jahr hat sich der Kommodore des in Husum beheimateten Flugabwehrraketengeschwaders 1 so einiges vorgenommen. „Eigentlich war vorgesehen, dass sich der Verband nach dem Ende des Einsatzes ,Active Fence‘ in der Türkei vor zwölf Monaten im Jahr 2016 rekonstituieren und in etwas ruhigerem Fahrwasser bewegen sollte, weil große Teile des Personals da viel stärker eingebunden und belastet waren als vorgesehen“, so Kuebart. Aber das habe sich dann doch nicht wie geplant bewerkstelligen lassen: „Über die vergangenen Monate ist deutlich geworden, dass sich die Flugabwehrraketentruppe wieder auf ihre alten Werte besinnen muss – weg von maßgeschneiderten Strukturen für den jeweiligen Einsatz, zurück zur gesamten Breite des Spektrums der Luftabwehr.“

Einen neuen Einsatz für sein Geschwader sieht er zwar nicht konkret am Horizont: „Aber wenn man sich die Weltlage ansieht, findet man genug Konfliktherde.“ Die Intervention Moskaus auf der Krim und in der Ukraine habe Polen und die baltischen Staaten nervös gemacht. Und im Nato-Hauptquartier mache man sich schon Gedanken nach dem Motto: „Was wäre, wenn ...“ In der Türkei habe sich die potenzielle Gefahr auf anfliegende Raketen beschränkt. Das sei an der Ostgrenze der Allianz jedoch anders. „Da ist es besser, auf alles vorbereitet zu sein.“

Ob der Verband das dann auch tatsächlich ist, werde die Nato im Frühjahr 2018 überprüfen. „Da will ich die gesamte Bandbreite unserer Fähigkeiten vorstellen.“ Daher soll die Truppe im kommenden Jahr gründlich ausgebildet werden. „Im Frühjahr machen wir eine große Geschwaderübung mit Verlegung in Schleswig-Holstein, und im Herbst nehmen wir an einem multinationalen Nato-Manöver teil.“ Eine Anzahl kleinerer Übungen runde das Training für die Überprüfung ab.

Schon das taktische Schießen mit den Patriot-Flugabwehrraketen auf Kreta im September hatte Kuebart in der althergebrachten Struktur geführt. „In der Hierarchie wie früher: Von der Geschwader- über die Gruppenebene hin zur Feuereinheit. Das haben wir seit zehn Jahren nicht mehr gemacht.“ Dass er fast nahtlos nach der Übernahme des Verbandes als Leiter des Schießens auf der Mittelmeerinsel fungieren musste, hat ihm nichts ausgemacht: „Das ist das erste Mal in meiner Laufbahn, dass ich in einer neuen Verwendung sowohl die Örtlichkeiten und das Personal als auch die Aufgabe schon kannte“, sagt der 47-Jährige. Immerhin war er bereits von 2001 bis 2002 Chef einer Patriot-Kampfstaffel in der Storm-Stadt und hat von 2011 bis 2013 die Flugabwehrgruppe mit dem Waffensystem Mantis in Husum und Todendorf aufgebaut (wir berichteten).

So ist Kuebart auch voll des Lobes für die Garnison, in der er als Standortältester fungiert: „Ich bin von Bürgervorsteher und Bürgermeister mit offenen Armen empfangen worden, besser kann man sich das gar nicht vorstellen. Und Soldaten in Uniform sind ein gern gesehenes und ständig präsentes Bild in der Stadt, keine Fremdkörper, das ist schon etwas Besonderes.“ Er fühle sich in Husum sehr wohl, auch wenn er seine Familie in Bad Honnef gelassen hat und nicht umgezogen ist – mit guter Begründung: „Ich möchte meinen zwölf und 15 Jahre alten Töchtern keinen erneuten Schulwechsel zumuten.“

Und was liegt noch für das neue Jahr an? „Der Baubeginn für die Infrastruktur, um die Ausbildung des Flugabwehrraketen-Personals vom texanischen El Paso an die Nordseeküste verlagern zu können.“ Bevor Husum sich auch noch mit dem Titel Raketenschule der Luftwaffe schmücken kann, wird es aber noch etwas dauern: „Wir planen derzeit mit einem Umzug der Einrichtung im Jahr 2020.“

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