Faszination und Schicksal : Tragödien auf hoher See

Museumsleiterin Karin Cohrs erläutert Marvin Burmester die Weltkarte mit den markierten Untergängen.
Museumsleiterin Karin Cohrs erläutert Marvin Burmester die Weltkarte mit den markierten Untergängen.

Eine Sonderschau des Schifffahrtsmuseums Nordfriesland in Husum befasst sich mit der Faszination, aber auch den Katastrophen der Seefahrt.

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13. Juli 2018, 17:00 Uhr

„Man glaubt gar nicht, dass so etwas heute noch passieren kann. Aber auch in der Gegenwart gehen Schiffe unter“, sagt Karin Cohrs, die Leiterin des Schifffahrtsmuseums Nordfriesland ernst. Und so heißt die neue Sonderausstellung unter dem Dach des Museums auch „Seefahrt – Faszination und Schicksal“. Und stellt genau das gegeneinander: die Faszination etwa der großen Ozeandampfer und Segelschiffe gegen die Katastrophen, die sich auf den Weltmeeren ereigneten.

Wie etwa die wohl berühmteste, der Untergang der „Titanic“, die auf ihrer Jungfernfahrt von England nach New York im April 1912 mit einem Eisberg kollidierte und sank, wobei mehr als 1500 Menschen in den Fluten des Nordatlantiks ertranken. Ein großes Modell des Schiffes, Fotos und Erläuterungen bilden denn auch einen zentralen Punkt der Sonderschau, die über die gesamte Sommersaison zu sehen sein wird. Oder der Untergang der deutschen Viermastbark „Pamir“, die als eines der weltweit letzten drei frachttragenden Schulschiffe im September 1957 in einem schweren Hurrikan im Atlantik verloren ging. 80 der 86 Besatzungs-Mitglieder kamen dabei ums Leben, in der Mehrzahl junge Kadetten, die ihre Ausbildung auf dem Großsegler machten. „Auch drei Nordfriesen waren als Seeoffizieranwärter auf der ,Pamir‘ und sind ertrunken“, weiß Karin Cohrs.

Schiffskatastrophen im Krieg finden ebenfalls ihren Raum in der Sonderausstellung. Wie die Versenkung des deutschen Schlachtschiffes „Tirpitz“, das durch britische Flugzeuge im November 1944 in einem norwegischen Fjord zum Kentern gebracht wurde. Mehr als 1200 Mitglieder der Crew kamen dabei ums Leben. Auch von der „Tirpitz“ gibt es in der Schau ein Großmodell. „Das war eine Schenkung eines Privatmannes, mit der wir gar nicht gerechnet haben“, erzählt die Museums-Chefin. Oder die Torpedierung der „Wilhelm Gustloff“, die mit mehr als 10.000 Flüchtlingen aus Ostpreußen an Bord im Januar 1945 von einem sowjetischen U-Boot in der eisigen Ostsee versenkt wurde. 9000 Menschen kamen ums Leben – es war die verlustreichste Schiffskatastrophe der gesamten Menschheitsgeschichte.

Auf einer großen Weltkarte stecken zahlreiche Fähnchen, von denen jedes den Untergang eines Schiffes markiert. Zumindest ungefähr: „Von der 1841 gebauten Brigg ,Hever‘, die 1864 von einer Reise nach Formosa nicht mehr zurückkehrte, gibt es keinen genauen Verlustort – die ist einfach spurlos verschwunden.“

Und die Faszination der Schifffahrt? Die großen, weißen Ozean-Liner, die majestätisch durch die blaue See pflügen und Passagiere zu unvergesslichen Kreuzfahrten tragen? Sie sind mit zahlreichen Bildern und kleineren Modellen ebenso vertreten wie viele andere Schiffe, die zum Träumen von der Seefahrt anregen.

Doch dass auch diese Faszination schnell in Angst und Schrecken umschlagen kann, hat Karin Cohrs selbst erlebt: „Ich war 1999 auf der Jungfernfahrt der MS ,Europa‘ dabei“, erzählt sie. „Vor Bermuda stießen zwei Tiefdruckgebiete zusammen und wir gerieten in einen schweren Sturm.“ Auf den sei aber weder das Schiff noch die Besatzung vorbereitet gewesen. „Die Möbel waren nicht befestigt und kollerten bei Schlagseite durch die Räume, zum Teil auf mannshohe Glasfenster zu, die sie leicht hätten durchschlagen können.“ Sie selbst habe mit ihrem Mann damals unverschraubte Barhocker noch abgefangen und hinter dem Tresen verstaut, damit nichts passiert. „Da habe ich wirklich Angst gehabt, dass wir untergehen.“

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