Hunderte toter Hummeln : Tragödie unterm Lindenbaum

Kein schönes Bild, aber der Lauf der Natur: tote Hummeln.
Kein schönes Bild, aber der Lauf der Natur: tote Hummeln.

Viele Hummeln sterben entkräftet direkt an ihrer Nahrungsquelle. Aber das Leben ihres Volkes geht weiter, weiß ein erfahrener Husumer Imker, weil die Natur auch für diesen Fall Vorsorge getragen hat.

shz.de von
31. Juli 2015, 15:00 Uhr

Es ist eine Tragödie, die derzeit an blühenden Lindenbäumen zu beobachten ist. Manchmal sind darunter ganze Hundertschaften toter Hummeln zu finden. Fritz Raabe aus Husum weiß auch, warum. „Die Hummeln verhungern und fallen entkräftet vom Baum“, berichtet der erfahrene Imker auf Anfrage unserer Zeitung. Für dieses Phänomen führt er gleich mehrere Gründe ins Feld.

Lindenbäume benötigen viel Wasser. In trockenen Sommern produzieren sie aber deutlich weniger Nektar als sonst. Und über weite Strecken war unser Sommer kalt und trocken. Da ist aber noch etwas: „Zum Nektar sammeln fliegen Hummeln mit fast leerem Magen aus, und wenn sie weder Blütenstaub noch Nektar finden, verhungern sie.“ Allerdings stellt Raabe klar, dass die Lindenblüten selbst nicht die Ursache für ihrem Tod sind. Der hat andere Gründe. So legten Hummeln im Gegensatz zu Bienen keine Vorräte an. Außerdem hielten Linden während der Blütephase große Mengen an Nektar und Pollen bereit. In dieser Zeit wüchsen die Hummelvölker stark an. Danach gehe die Blüte aber stark zurück.

„Andere Tiere wie Bienen leben in dieser Zeit von ihren reichen Vorräten und können sich deshalb auch schnell auf neue Pflanzen einstellen“, erläutert der Imker. Untersuchungen hätten ergeben, dass sich die großen Brummer dagegen nur sehr langsam auf neue Pflanzen einstellten. Und das hat für den Hummelstaat verheerende Folgen. Die Tiere kommen vom Nektar sammeln zurück und müssen sowohl die Königin als auch die Brut versorgen. Ist die Nahrung verbraucht, schwärmen die Arbeiterinnen abermals aus. „Das bisschen, was sie noch im Magen haben, wird während des Fluges, der zum Teil mehr als eine Stunde dauern kann, vollständig verbraucht.“ Das heißt, sie kommen völlig entkräftet bei ihrer nächsten Nahrungsquelle an“, so Raabe. „Und dann haben sie keine Kraft mehr, um zu einem anderen Ort zu fliegen.“ Doch das ist zum Glück nicht das Ende der Geschichte. „Die Arbeiterinnen ziehen in einer Saison zwei bis drei Königinnen auf, die dann im kommenden Jahr einen neuen Staat bilden. Die Arbeiterinnen selbst leben etwa zwei Monate.

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