Husum im Jahr 2014 : Tourismus und Verkehr im Fokus

Sitzung der Stadtvertreter: Bürgermeister Uwe Schmitz spricht.
Sitzung der Stadtvertreter: Bürgermeister Uwe Schmitz spricht.

Die Stadtpolitiker werden sich 2015 mit vielen Dingen beschäftigen müssen, die auch 2014 schon auf der Agenda standen. Immerhin starten sie mit einem ausgeglichenen Etat ins neue Jahr.

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06. Januar 2015, 16:00 Uhr

So turbulent wie das vorangegangene Kommunalwahl-Jahr ist 2014 in der Husumer Politik nicht verlaufen, hatte man doch nach dem üblichen Personalkarussell in den Gremien bald zum Alltagsbetrieb zurückgefunden. Und der verlief wie gewohnt eher zähflüssig, obwohl doch die Stadtvertreter im August zur Beschleunigung der Abläufe ins Digital-Zeitalter gestartet waren – mit iPads vom Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlag. Wobei ein Thema, das schon im Wahlkampf auf der Agenda aller Fraktionen stand, sich wie ein roter Faden durch die vergangenen zwölf Monate zog: Nämlich die Frage, wie sich die Storm-Stadt für Touristen attraktiver machen könnte.

Nachdem der Wirtschaftsstammtisch gleich im Januar ein entsprechendes Konzept erneut als dringend erforderlich angemahnt hatte, nahm sich noch im selben Monat der inzwischen mit der Bearbeitung betraute Hauptausschuss des Themas an. Und das war längst über die Frage einer Bebauung der Dockkoogspitze hinausgewachsen. Das Erscheinungsbild Schobülls stand nun ebenso im Fokus wie der Zustand des Hallenbades oder das gastronomische Angebot. Eine Bestandsaufnahme kündigte Bürgermeister Uwe Schmitz an – und ein jeder wusste: Das dauert jetzt erst einmal.

Tatsächlich verging fast ein Dreivierteljahr, bevor die WGH mit einem Antrag in den Hauptausschuss kam, ein Gesamtkonzept zu erstellen und sich dafür externe Hilfe zu holen. Das war von der Idee her nun nicht unbedingt etwas bahnbrechend Neues, befeuerte die Diskussion aber wenigstens wieder. Was auch nötig war, denn im Juli hatte Schleswig-Holstein ein landesweites Tourismuskonzept vorgestellt. Womit jetzt der ideale Zeitpunkt gekommen sei, um hier lokal draufzusatteln, wie der Tourismus-Fachmann Dirk Nicolaisen von der Industrie- und Handelskammer (IHK) zu Flensburg in den Husumer Nachrichten mahnte. Und gleich konkrete Ideen beisteuerte: Ein klimaneutrales Hotel am Dockkoog zum Beispiel, ein weiterentwickelter Camping-Platz in Schobüll mit kleinen Ferien-Hütten und die Ankurbelung des Geschäftsreise-Tourismus in Zusammenhang mit dem Nordsee-Congress-Centrum. Nur bloß jetzt nicht noch weiter Zeit verlieren, war sein Motto.

Die Stadt blieb gezwungenermaßen dennoch bei ihrer Politik der kleinen Schritte: Schließlich müsse erst einmal ein Leistungskatalog erstellt werden, so Bürgermeister Schmitz. Wenigstens konnte er im Oktober mitteilen, dass schon mal 50  000 Euro für die Entwicklung des Konzeptes in den Etat 2015 eingestellt würden. Man darf also schon gespannt sein, wie es dieses Jahr weitergeht.

Ein anderer Dauerbrenner im Husumer Polittheater ist der Verkehr – in der Gesamtschau für alle Verkehrsteilnehmer im allgemeinen und im Hinblick auf die Radfahrer im besonderen. Erstere fand ihren Niederschlag in der Einsetzung einer Lenkungs- und einer Arbeitsgruppe im ersten Quartal 2014, die sich eingehend mit dem Thema befassen und Vorschläge entwickeln soll, die ihren Niederschlag in dem nun als „Mobilitätskonzept 2025“ betitelten Plan finden werden. Und für die Radfahrer wurde auch was getan: Nämlich das Vorhaben angekündigt, im neuen Jahr Schutzstreifen für Radler in der Berliner Straße aufzubringen – ein Vorschlag aus dem Radwegekonzept von 2010. Immerhin zeigte Husum bei der deutschlandweiten Aktion „Stadtradeln“ mit 110  666 Kilometern – von 616 Teilnehmern abgerissen –, was die Storm-Stadt so auf zwei Rädern zu bieten hat: Der 46. Platz insgesamt von fast 300 Kommunen und der zwölfte Rang beim Wettstreit der fahrrad-aktivsten Kommunalparlamente war der Lohn.

Auch der stehende Verkehr bereitete 2014 so manchen Verdruss: Zum Beispiel der an der in die Schobüller Straße umgezogenen Volkshochschule (VHS). Hier sorgte – und sorgt – die ungenügende Parkplatzsituation für Ärger und sinkende Teilnehmerzahlen an den Kursen, wie VHS-Direktor Hans-Peter Schweger im August verkünden musste. Politik und Verwaltung suchen mittlerweile händeringend nach Lösungen, die auch die Belange der Anwohner berücksichtigen – fünf Vorschläge wurden im November vorgelegt. Auch hier wird das neue Jahr zeigen, was geschieht.

Parkplatznot herrscht ebenfalls am Handwerkerhaus – zumindest nach Ansicht von Betreibern und Kreishandwerkerschaft. Im Juni wurde auch hier an einer Lösung gearbeitet, die die Politik zumindest zwiespältig, Husums Öffentlichkeit allerdings sehr kritisch aufnahm: Angedacht wurde nämlich, den Kinderspielplatz am Kloster kurzerhand zur Stellfläche umzuwandeln. Ob dieses Modell Zukunft hat, steht somit in den Sternen.

Das Beste kommt zum Schluss, heißt es ja oft, und zumindest für die Husumer Politik hatte das auch im vergangenen Jahr Gültigkeit. Auf der letzten Stadtvertretersitzung im Dezember konnten die Politiker einen ausgeglichenen Etat für 2015 verabschieden – den letzten, für den Kämmerer Peter Seidel verantwortlich zeichnete, der wie Ordnungsamtsleiter Günter Zumach Ende dieses Monats in den wohlverdienten Ruhestand geht. Sogar bis 2018 bleibt die schwarze Null, die aber keineswegs Investitions-Stillstand für die Storm-Stadt bedeutet. Ganz im Gegenteil: 4,7 Millionen Euro sollen dieses Jahr für städtische Vorhaben aufgewendet werden. So kann man 2014 im Rückblick durchaus als gesunden Startblock für 2015 betrachten.

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