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Experten-Vorschlag : Tourismus soll strategisch wachsen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Sich pro Jahr maximal fünf Infrastruktur-Projekte vornehmen und dabei den Fokus nicht verlieren – diese Wachstums-Strategie schlägt ein Experte zur Tourismus-Entwicklung in Husum vor.

Ist es erst einmal erklärter Wille, ein wirtschaftlich äußerst wertvolles Feld aufs Neue zu beackern, gewinnt eine Frage entscheidende Bedeutung: Welcher Werkzeuge bedient man sich, um eine möglichst ertragreiche Ernte einzufahren, wie geht die Saat am besten auf? Was die weitere Vorgehensweise in Sachen Tourismuskonzept angeht, so hat sich der seit der letzten Landtagswahl 2012 dafür zuständige Hauptausschuss jetzt zu Informationszwecken externen Sachverstand ins Rathaus geholt: den von Diplom-Volkswirt Kai Ziesemer, Leiter Beratung und Entwicklung im Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa. Dessen in Kiel sitzende Gesellschaft firmiert unter der Abkürzung NIT. Drei Buchstaben, die wie ein Versprechen klingen: new insights for tourism, also neue Erkenntnisse für den Tourismus.

Zunächst einmal zeigte sich der Experte als Mann der klaren Worte: „Ich habe zu Tourismuskonzepten meine eigene Meinung – das liegt daran, dass ich schon viele erstellt habe. Fragt man sich allerdings, was dabei herauskommt, ist das mitunter ein bisschen enttäuschend.“ Die Chancen, dass Husum am Ende nicht auf der diesbezüglichen Liste mit Negativbeispielen landet, stehen nach Ziesemers Auffassung jedoch gar nicht so schlecht: „Ich habe eine gute Lösung für Sie!“ Der Optimismus des Referenten leitet sich auch aus dem guten Ruf ab, den Nordfrieslands Kreisstadt genieße, wenn es um die Entwicklung und den Stand des Managements gehe: Während andere zum Beispiel in Dänemark lediglich Potenzial sähen, sei der nördliche Nachbar hier ein Quellen-Markt. Und: „Husum ist Grenzstadt zwischen Erholungs- und Städtetourismus, wo es viel Spielraum gibt!“

Keinen Spielraum lässt der Fachmann allerdings bei der Verpackung dessen, worauf man sich nun konzentrieren müsse: „Der Begriff Tourismuskonzept ist mir ein bisschen zu dünn, Sie brauchen ein schärferes Schwert: eine Wachstums-Strategie!“ Das Ergebnis solle Impulswirkung haben – in Form von tatsächlich umgesetzten Projekten, die nicht nur mehr Gäste brächten, sondern auch mehr Umsatz, also Wertschöpfung. „Drei Bausteine stellen wir uns dabei vor“, so Ziesemer.

Der erste sei die Wachstums-Strategie selbst. Dazu gelte es zunächst einmal, ein Papier zu erarbeiten, das pointierte Basisdaten zu Angebot, Nachfrage und Wertschöpfung enthalte – und vor allem Schlussfolgerungen. Dazu käme eine Auflistung strategischer Entwicklungsgrundsätze bezüglich folgender Aspekte: Positionierung, Zielgruppen und Themen (unter anderem Urlaubsreisen, Kurz- und Städtereisen, Geschäftsreisen und Messe-Standort), Infrastruktur, Marketing-Organisation (inklusive Fokus auf die Husumer Bucht) sowie Zielgrößen der Entwicklung. Dazu müsse das Strategiepapier am Ende noch dauerhaft zu entwickelnde Impuls-Projekte, aber auch einzustellende „Ballast-Projekte“ benennen. Ziesemer schlug vor, das Ganze im zweiten Quartal diesen Jahres zu erarbeiten – mit einer mittel- bis langfristigen Gültigkeit, die auf fünf bis zehn Jahre angelegt sei.

Zweiter Baustein: ein jährlicher Plan, der die Infrastruktur entwickelt. Kurze Planungsblätter und Projektskizzen stellen die in der nahen Zukunft priorisierten Infrastruktur-Projekte – maximal fünf an der Zahl – übersichtlich dar. Schlanke Beschreibungen beschränken sich jeweils auf den Gegenstand des Projekts, die Aufgaben und den Zeitplan, auf Träger und Kooperationspartner sowie das Finanzierungsmodell mit den gegebenenfalls angestrebten Förderinstrumenten. Kurzfristig zu entwickelnde Impuls-Projekte und alle zur Umsetzung nötigen relevanten Details sind ebenfalls festzuhalten. Erarbeitet wird der Baustein erstmals im zweiten bis dritten Quartal des laufenden Jahres, danach jeweils im Januar. Was die Bindung angeht, so schlägt das Institut NIT für die Planungsblätter eine mehrjährige Perspektive und eine jährliche Aktualisierung vor.

Als dritte Säule sieht der Tourismus-Fachmann eine jährliche Umsetzungskontrolle, auch Evaluation genannt. Dazu sei ein standardisierter Statusbericht auszuarbeiten, der die aktuellen Werte für die Zielgrößen inklusive Benchmarking (Vergleich von Produkten, Dienstleistungen und Prozessen) mit Mitwerbern im Lande und außerhalb von Schleswig-Holstein sowie den Stand der Projekt-Umsetzungen übersichtlich darstellt. Außerdem benennt dieser Bericht sich anbahnende Projektplanungen für den Infrastruktur-Entwicklungsplan des laufenden Jahres. Zu erarbeiten ist der letzte Baustein, der dann auch die Startwerte der Strategie beinhaltet, erstmals im dritten Quartal 2015 – danach jeweils im Januar. Auch hier gilt, dass die Entwicklung der jährlich zu aktualisierenden Kennzahlen eine mehrjährige Perspektive aufweisen. Dazu kommt die regelmäßige Präsentation in den Gremien der Stadt.

So viel zur Theorie, die immer wieder darauf abzielt, den Fokus nicht zu verlieren. Jedes Jahr werde so aufs Neue vorgegangen, verdeutlichte Ziesemer und gab ein Beispiel: Ein Projekt sei umgesetzt worden, eines verworfen – blieben drei übrig; also kämen zwei neue auf die Liste. „Da werden die Hochzeiten gefeiert, wie sie anfallen!“

Doch bevor man zum Tanz bitten kann, muss erst einmal Geld in die Hand genommen werden: Die Gesamtkosten für 2015 bezifferte der Gastredner auf maximal 20.000 Euro. Eine solche Summe ist natürlich nur dann gut angelegt, wenn das als durchschlagskräftigere „Wachstums-Strategie“ deklarierte neue Tourismuskonzept nicht in der Schublade verschwindet – wie zahlreiche andere Entwürfe in Papierform, die sich in der Vergangenheit zu allen möglichen Handlungsfeldern so angehäuft haben. „Das ist meine Hauptsorge“, sprach Helmut Stemke (Wählergemeinschaft Husum) das aus, was wohl auch alle anderen Hauptausschuss-Mitglieder dachten. Diese Gefahr zu bannen, liegt allerdings allein bei den handelnden Personen – und damit natürlich auch bei den Kommunalpolitikern. „Eine Strategie zu fordern, ist nicht genug – Sie müssen selbst wissen, ob Sie das Ganze vorbereiten und umsetzen können“, erklärte dazu der Gast aus Kiel, der bei der Datenerhebung und Zielerfassung natürlich auch auf bestehende Konzepte zurückgreifen würde: „Da ist viel Gutes dabei. Und ich habe nicht vor, mit Ihnen bei Adam und Eva anzufangen!“

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erstellt am 17.Feb.2015 | 15:00 Uhr

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