Schwabstedt : Tombola-Streit: Keine Einigung in Sicht

Das Thema Bauernmarkt-Tombola sorgt in Schwabstedt immer wieder für Zündstoff.
Das Thema Bauernmarkt-Tombola sorgt in Schwabstedt immer wieder für Zündstoff.

Der Bürgermeister gibt während Gemeindevertreter-Sitzung eine Erklärung zum Thema Bauernmarkt ab – und auch der HGV-Vorsitzende meldet sich ebenfalls zu Wort.

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29. Dezember 2017, 06:00 Uhr

Es scheint eine unendliche Geschichte zu werden: Der Konflikt zwischen der Schwabstedter Gemeindeführung und dem Handels- und Gewerbeverein Kirchspiel Schwabstedt (HGV) schwelt weiter und dominierte auch die jüngste Gemeindevertreter-Sitzung.

Wer gehofft hatte, dass diesmal eine gemeinsame Erklärung von Gemeindeführung und HGV verlesen wird, wurde enttäuscht. Bereits in der Oktober-Sitzung sollte es so ein Statement geben, in der Hoffnung, die Unstimmigkeiten beenden zu können. Stattdessen verlas Bürgermeister Jürgen Meyer einen Bericht, der vornehmlich die Sicht der Gemeindeführung zu den Vorgängen in Sachen Bauernmarkt-Tombola, die im Mittelpunkt des Streits steht, widerspiegelte. Darin erklärte er, warum keine gemeinsame Stellungnahme abgegeben wurde. Der Grund: Obwohl Stillschweigen vereinbart worden war, habe Marktvogt Hans-Hermann Salzwedel Zwischenergebnisse verraten (wir berichteten). „Mit dem HGV und der Gruppe aus der Gemeindevertretung war aber eine gemeinsame Stellungnahme vereinbart worden. Somit wurde die Grundlage der Vereinbarung nicht eingehalten“, so Meyer. Darüber, wie man mit der neuen Situation nun umgehe, konnte sich die Gemeindevertreter-Gruppe nicht einigen. Deshalb gebe er nun eine Stellungnahme der Mehrheit ab. Nachdem vier Gemeindevertreter in Anwesenheit von vier HGV-Mitgliedern Unterlagen des Vereins eingesehen hatten, habe man festgestellt, dass alle Zahlungen von 2016 durch Belege gestützt seien. Scharf kritisierte er allerdings die Ausstellung von Eigen-Belegen. „Die Pauschalvergütungen von weit über 1000 Euro an das Orga-Team sollen nach Auskunft des Vorstandes durch Beschlüsse in einer JHV gedeckt sein. Es ist allerdings nicht bekannt, ob diese Beschlüsse tatsächlich vorliegen.“ Feuerwehr und weiteren Helfern auf dem Bauernmarkt sei keine Vergütung gewährt worden, monierte Meyer. „Das ist ungerecht.“ Darüber hinaus fehlten laut Meyer Beschlussvorlagen. Zum Beispiel darüber, dass der HGV die 2009 gestohlenen Standgelder in Höhe von 1700 Euro aus der Vereinskasse ersetzt. Anzeige gegen Unbekannt wurde erstattet, die Ermittlungen später eingestellt.

Dann kam das Thema Tombola auf den Tisch: „Die Tombola muss angemeldet werden. Auf Anfrage bestätigte der HGV-Schriftführer, dass dies 2017 erfolgt sei und die Genehmigung vorliege. Sie enthält – nach unserer Auffassung fahrlässig – keine Anordnung für eine Losnummerierung“, sagte der Bürgermeister und fügte hinzu: „Da die Tombola 2016 Anlass zu Beanstandungen gab, ist es nicht nachvollziehbar, wenn in gleicher Weise vorgegangen wurde. Eine Feststellung, wie viele Lose verkauft wurden und wie viel Geld eingenommen wurde, ist so kaum möglich.“

Um Gerüchte, die mittlerweile im Ort kursieren, zu entkräften, betonte Meyer: „Es wurden niemals Anschuldigungen gegen die Kassiererinnen und Kassierer der Tombola vom Bürgermeister oder seiner Stellvertreterin geäußert. Bei der Sicherstellung der Lose 2016, die erfolgte, um Versäumnisse zu heilen, wurde einvernehmlich mit dem Marktvogt die Einlagerung von Losen- und Lostrommel im Bürgermeisterbüro vereinbart.“

Als der Gemeinde-Chef seinen Bericht verlas, war HGV-Vorsitzender Mark Hansen nicht unter den Zuhörern. Er sei lieber nicht zur Gemeindevertreter-Sitzung gekommen, zu heikel sei die Situation, erklärte Hansen im Gespräch mit unserer Zeitung. Doch es sei ihm wichtig, zu dem Thema Stellung zu beziehen. „Eigentlich dachten wir, dass wir auf einem guten Weg gewesen seien“, sagte Hansen. Auf die Frage, ob der HGV denn nach all dem Ärger im kommenden Jahr wieder eine Tombola veranstaltet, antwortete Hansen: „Doch, das möchten wir, denn die Tombola hat Tradition.“ Allerdings, so räumte er ein, werde man verstärkt auf die Anmeldung und die Durchnummerierung der Lose achten. Obwohl Letztere nach seinen Recherchen zufolge nicht notwendig sei, da es sich nicht um handelsübliche Lose handele. Wie eine Steuerbehörde habe die Gemeindeführung die HGV-Unterlagen der vergangenen zehn Jahre einsehen wollen. „Wir haben dem damals zugestimmt, weil wir nichts zu verbergen haben.“ Zum Thema Aufwandsentschädigung: Man werde das nicht mehr pauschal angehen, sondern zukünftig Einzelbelege fordern. „Ich werfe der Gemeinde nichts vor. Schade finde ich nur, dass es solche Kommunikationsprobleme gibt“, betonte der Vorsitzende. Der HGV werde bald für die Schwabstedter eine Infoveranstaltung anbieten, um Missverständnisse aus dem Weg zu räumen. „Wir wollen uns mit der Öffentlichkeit auseinandersetzen und Vorwürfen entgegentreten, gesetzeswidrig zu handeln.“ Nein, aktuell fänden tatsächlich keine Gespräche statt. „Es ist aber nicht wahr, dass wir nicht dazu bereit sind. Ich würde mir einfach wünschen, dass wir zu einer normalen Zusammenarbeit zurückkehren.“

Das wünscht sich auch Bürgermeister Meyer, wie er später auf Anfrage unserer Zeitung erläutert. Er sei ebenfalls gesprächsbereit, „doch wir haben den Eindruck, dass HGV und Marktvogt uns nicht so ganz ernst nehmen.“

Während der Sitzung im Hotel zur Treene gab auch die stellvertretende Bürgermeisterin Eike Hansen eine Erklärung ab: „Ich habe eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Leitenden Verwaltungsbeamten Claus Röhe eingereicht. Er hätte die Gemeinde und den Bürgermeister beraten müssen – und nicht den HGV“, erklärte sie. Das Orga-Team des Bauernmarktes habe sich nicht an Gesetze gehalten. „Sprachlos bin ich darüber, wie gehässig in Schwabstedt darüber geredet wird. Entgegen der Meinung des HGV sind die Lose zu nummerieren – das hat das Ordnungsamt bestätigt. Ich hoffe auf einen respektvollen Umgang miteinander.“

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