Schwabstedt : Tombola-Streit: Einigung in Sicht

Wollen jetzt den Blick nach vorne richten: Bürgermeister Jürgen Meyer und HGV-Vorsitzender Mark Hansen.
Foto:
Wollen jetzt den Blick nach vorne richten: Bürgermeister Jürgen Meyer und HGV-Vorsitzender Mark Hansen.

Trotz heftiger Wortgefechte bei der Infoveranstaltung des Handelsvereins Kirchspiel Schwabstedt gehen die Konfliktparteien aufeinander zu.

shz.de von
15. Februar 2018, 08:00 Uhr

Nach wie vor bietet das Thema Bauernmarkt-Tombola in Schwabstedt jede Menge Zündstoff. Zwischen der Gemeindeführung und dem Handels- und Gewerbeverein (HGV) Kirchspiel Schwabstedt schwelt ein Konflikt, Auslöser waren vor allem Differenzen um die traditionelle Bauernmarkt-Tombola. Die Fronten waren monatelang verhärtet. Nun hatte der HGV die Bewohner der Treene-Gemeinde zu einem Informationsabend ins Fährhaus eingeladen, um zu dem Thema Rede und Antwort zu stehen. Rund 100 Gäste sowie Gemeindevertreter waren ins Fährhaus gekommen. Trotz hitziger Diskussionen rückte am Ende sogar eine Einigung in greifbare Nähe.

Der Händedruck am Ende des Abends sprach Bände. „Einigung in Sichtweite“, kommentierte Gemeindevertreter Broder Pörksen die versöhnliche Geste zwischen dem HGV-Vorsitzenden Mark Hansen und Bürgermeister Jürgen Meyer. In den Stunden zuvor sah es streckenweise allerdings nicht nach einer Einigung aus. Hier lieferten sich die fünf teilnehmenden Vorstandsmitglieder des HGV und Bürgermeister Jürgen Meyer sowie seine Stellvertreterin Eike Hansen teilweise heftige Wortgefechte. Dabei mischten die Zuhörer kräftig und lautstark mit. Zu dieser Veranstaltung hatte der HGV öffentlich eingeladen – „weil“, wie Vorsitzender Hansen gleich zu Beginn deutlich machte, „wir uns an die Wand gefahren fühlen“. Wodurch – das ließ er in den folgenden Ausführungen deutlich werden: „Ich habe eine Mail von der Gemeinde erhalten. In der Gemeinde wird Unmut über den HGV geäußert. Wir haben unsere Unterlagen der letzten zehn Jahre offengelegt.“ Trotzdem müsse man sich anhören, dass man zu keinem weiteren Gespräch bereit sei. „Darum haben wir zu dieser Veranstaltung eingeladen. Wir wollen nicht nachtragend sein, sondern aus der Bevölkerung erfahren, was wir falsch gemacht haben.“ Dann fügte er hinzu: „Uns ist bewusst, dass wir Fehler gemacht haben. Die Tombola 2016 war nicht angemeldet. Das wissen wir. Sie muss angemeldet werden. Bei der Tombola 2017 haben wir die Lose nicht durchnummeriert – ich will das nicht wegreden. Das kann man uns als Fehler ankreiden. Das war von uns keine Böswilligkeit – dafür lege ich meine Hand ins Feuer.“

Für 2018 werde man eine ordnungsgemäße doppelte Nummerierung der Lose extern vornehmen lassen. „Wir werden Belege offenlegen. Wir wollen jetzt nach vorne gucken“, so Mark Hansen.

Dann ergriff Jürgen Meyer das Wort: „2016 habe ich sehr spät Mitteilung bekommen, dass die Tombola nicht angemeldet wurde. Ich habe die Lostrommel im Einvernehmen mit Marktvogt Hans-Hermann Salzwedel sichergestellt im Bürgermeister-Büro. Wenn danach Ruhe gewesen wäre, wäre der Fall erledigt gewesen. Für 2017 gab es eine Erlaubnis mit Auflagen.“ Dann verteilte der Gemeindechef 20 Exemplare, die mit der Überschrift „Zukünftige Durchführung des Bauernmarktes/der Tombola in der Gemeinde Schwabstedt“ (siehe Infokasten) versehen sind. Diese Erklärung sollte vom HGV und der Gemeinde – und als „gesehen“ vom Leiter der Stabsstelle Kommunales und Ordnung sowie der Amtsvorsteherin unterschrieben werden. „Die Vereinbarung liegt uns auch vor. Hier sind Punkte drin, die wir auf die Schnelle nicht unterschreiben wollen. Wir werden in unserer Jahresversammlung darüber diskutieren“, erklärte Hansen. Diese findet morgen im Hotel zur Treene statt. Jürgen Meyer betonte, dass er die Einverständniserklärung zugesagt habe.

„Ich möchte beide Seiten auffordern, mit dem Quatsch aufzuhören. Es geht doch um die Sache. Wir haben einen schönen Bauernmarkt, Pfingstmarkt und Laternensternmarsch. Macht gut gemeinte Dinge nicht kaputt“, machte ein Einwohner deutlich und erntete dafür viel Applaus.

Vizebürgermeisterin Eike Hansen erhob sich und erklärte, dass der Bauernmarkt „superklasse“ sei und keiner Hans-Hermann Salzwedel bei der Verlosung das Wasser reichen könne. „Wir wollten die Vergangenheit nicht wieder aufrühren – aber das habt ihr jetzt gemacht. Wir wollen euch keine Steine in den Weg legen.“ Der Bauernmarkt sei „ein Erfolgsding ohnegleichen“, sagte auch Meyer.

Der Vereins-Chef machte deutlich, dass der HGV fortan die Mitgliedschaft von Gemeinden generell ausschließen möchte. Ramstedt sei bereits ausgetreten. Dazu äußerte sich Ramstedts zweiter stellvertretender Bürgermeister Stefan Lukas: „Wir sind als Gemeinde einvernehmlich ausgetreten. Der HGV hat heute Abend eindeutig eingestanden, dass er Fehler gemacht hat. Er hat gesagt, wir werden das Papier der Kommunalaufsicht unterschreiben – wenn auch in abgewandelter Form.“

„Nach diesem Abend werden wir uns unseren Aufgaben zuwenden“, sagte der dritte Vorsitzende Ralf Bruhn:. Ob das zusammen mit der Gemeinde geschehe, fragte Einwohner Max Veers. „Ja“, antwortete Hansen. „Wir werden ein bis zwei Mitglieder aus dem Gemeinderat ins Organisationsteam aufnehmen.“

Am Ende des Abends dankte Mark Hansen für die teilweise sehr emotionalen Diskussionen. „Wir wollen eine Lösung finden. Nach unserer Jahresversammlung werden wir das Papier unterschreiben.“ Dann ging der Vorsitzende auf den Bürgermeister zu und reichte ihm die Hand.

Die Vereinbarung in Kürze

Ende Januar fand im Amt Nordsee-Treene – moderiert von Amtsvorsteherin Eva-Maria Kühl und dem Leiter der Kommunalaufsicht Harry Schröder – ein Vermittlungsgespräch zum Thema Bauernmarkt Schwabstedt statt. Dabei waren HGV-, Gemeinde- und Amtsvertreter – darunter Mark Hansen, Jürgen Meyer und LVB Claus Röhe. In einer Erklärung, die von der Kommunalaufsicht vorgeschlagen und ausgearbeitet wurde, ist unter anderem festgehalten, dass der HGV weiterhin den Bauernmarkt organisiert, die Tombola nach Glücksspielrecht rechtzeitig beim Amt beantragt und nummerierte Lose verwendet und Rechnungen von einer unabhängigen Fachkraft geprüft werden. Darüber hinaus sollen die Konflikte rund um den Bauernmarkt beigelegt werden – dazu zählt auch, dass direkte Gespräche geführt werden sollen.

zur Startseite

Kommentare

Leserkommentare anzeigen