Unerwartete Entscheidung : Tönnings Bürgermeister hört auf

Frank Haß  räumt zum 31. Dezember seinen Schreibtisch.
Frank Haß räumt zum 31. Dezember seinen Schreibtisch.

Frank Haß will für keine weitere Wahlperiode kandidieren. Die vier Fraktionen bedauern seine Entscheidung sehr. Sie loben sein Engagement für die Stadt. In den vergangenen 18 Jahren habe er sehr viel bewegt, hieß es unisono.

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19. März 2014, 08:00 Uhr

Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt: So geht es derzeit den Tönninger Fraktionen der Stadtvertretung. Denn sie müssen sich einen neuen Bürgermeister suchen. Amtsinhaber Frank Haß will nicht mehr. Er wird nicht ein weiteres Mal für den Posten des Verwaltungs-Chefs kandideren. Seine Amtszeit endet zum 31. Dezember. Damit geht in Tönning eine Ära zu Ende. 18 Jahre leitete Frank Haß, der Ende Juli 52 Jahre alt wird, die Geschicke der Eider-Stadt. „Ich möchte dann aufhören, wenn es am schönsten ist“, begründete er seinen Schritt. „Und nicht erst, wenn alle darauf warten, dass man endlich geht.“ Was er künftig machen wird, steht noch nicht fest. Er wird in Tönning wohnen bleiben. Auf jeden Fall will er weiter in der Ausbildung für den mittleren und gehobenen Verwaltungsdienst im Land tätig sein. Ein anderer Bürgermeister-Posten sei nicht im Gespräch, erklärte er. Haß ist stolz auf das Geleistete: „Ich habe immer für Tönning gekämpft.“

Und das sieht nicht nur Haß selbst so. Alle Fraktionen bedauern seine Entscheidung sehr. „Wir hätten uns noch gut sechs weitere Jahre mit Frank Haß vorstellen können“, erklärt Stefan Runge (SPD), der auch Bürgervorsteher ist. „So viel wie er mindestens in den vergangenen zehn Jahren für Tönning getan hat, ist zuvor noch nie in der Eider-Stadt passiert. Aber ich respektiere seine persönliche Entscheidung.“ Als einen der wichtigsten Erfolge nennt Runge den Erhalt eines hauptamtlichen Bürgermeisters für die Stadt. „Es ist noch gar nicht abzusehen, wie positiv sich das für Tönning noch auswirken wird.“ Im Zuge der Verwaltungsstruktur-Reform musste Tönning seine eigene Stadtverwaltung aufgeben, da die Einwohnerzahl unter der Grenze von 8000 Einwohnern lag. Dank einer Gesetzeslücke konnte 2008 dennoch die Wahl zum hauptamtlichen Bürgermeister stattfinden, die Haß als einziger Kandidat damals für sich entschied. Seit 2010 besteht eine Verwaltungsgemeinschaft mit dem Amt Eiderstedt, lediglich die Stadtentwicklung und das Sozialzentrum sowie die Eigenbetriebe Tourismus und Klärwerk blieben in der Regie der Stadt.

„Und natürlich die Einrichtung der Gemeinschaftsschule und jüngst die Einführung der Oberstufe“, nennt Runge zwei aus seiner Sicht weitere wichtige Projekte. Für die Oberstufe habe sich Haß sehr beim Ministerium eingesetzt.

„Auch die CDU-Fraktion bedauert die Entscheidung und ich persönlich ebenfalls“, sagt deren Vorsitzender Hans-Joachim Teegen. Auch er nennt den Erhalt der Hauptamtlichkeit eine der wichtigsten Errungenschaften, „denn eine Verwaltung verwaltet nur, deswegen wollten wir auch nicht zum Amt“. Außerdem sei Haß die Neuordnung der Gewerbegebiete zu verdanken, das Sozialzentrum, die Gestaltung der Innenstadt und die komplette Umgestaltung der Friedrichstädter Chaussee.

„Ich finde es sehr schade, dass Frank Haß aufhört“, sagt auch Hauke Schmidt, Fraktionsvorsitzender der Allgemeinen Wählergemeinschaft Tönning (AWT). „Wir hätten es gern gesehen, wenn er noch eine Wahlperiode weitergemacht hätte.“ Er habe sehr viel für die Stadt bewirkt. „Haß ist ein sehr wehrhafter Bürgermeister, der sich nicht unterkriegen lässt.“

Auch die SSW-Fraktion bedauert die Entscheidung von Frank Haß außerordentlich. „Er hat die Stadt in diesen 18 Jahren umgekrempelt“, sagt der Fraktionsvorsitzende Helge Harder. „Frank Haß hat sehr viel für die Stadt getan. Wir hätten die Zusammenarbeit gern weitergeführt.“

Wie geht es nun weiter? Nach der Gemeindeordnung liegt das Verfahren in der Hand der Parteien. Sie können einen Kandidaten bestimmen oder per öffentlicher Ausschreibung Bewerber suchen. Aber auch jeder Bürger hat die Möglichkeit, sich zu bewerben, sofern er die erforderliche Anzahl von Unterstützungs-Unterschriften vorlegt, so Stefan Runge. Über das weitere Vorgehen wird in den Fraktionen nun beraten.

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