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Einwohnerversammlung : Tönning will für seine Klinik kämpfen

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Eiderstedter wollen ihre Klinik in Tönning behalten. Mehr als 200 Bürger kamen zur Einwohnerversammlung in der Stadthalle.

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erstellt am 10.Nov.2015 | 07:30 Uhr

Viele Themen standen auf der Tagesordnung der Einwohnerversammlung in der Tönninger Stadthalle, darunter auch die Zukunftsperspektive für die Stadt bis zum Jahr 2030. Doch der Großteil der mehr als 200 Bürger war in die Stadthalle gekommen, um mit Landrat Dieter Harrsen über das Thema Schließung der Klinik Tönning zu debattieren.

Schon in ihrer Begrüßung fuhr Bürgermeisterin Dorothe Klömmer schweres Geschütz auf, denn sie beklagte gleich mehrfach, dass die Stadt und ihre Gremien in keine der Überlegungen eingebunden worden waren. Und nun stehe die Schließung der Klinik vor der Tür, wie man letztlich aus der Zeitung erfahren habe. Das könne so nicht funktionieren. Auch bei ersten Informationen von Seiten des Kreises sei immer nur von einem Gutachten gesprochen worden, doch dieses sei nie auf den Tisch gekommen, „Wir kennen es gar nicht“, sagte Dorothe Klömmer. Immer sei nur das Ergebnis genannt worden, aber niemand habe das eigentliche Gutachten zu Gesicht bekommen.

Landrat Harrsen entgegnete, dass es bereits seit dem Jahr 2000 eine intensive Diskussion über das Klinikum gebe. Schon 2005 hätte es ein erstes Gutachten gegeben – und damals sei es zu dem Ergebnis gekommen, dass das stationäre Angebot des Tönninger Krankenhauses aus wirtschaftlichen Gründen geschlossen werden sollte, daher sei der jetzige Vorschlag eigentlich gar nicht so neu.

Harrsen unterstrich, dass ihm seine Fachabteilung darüber unterrichtet hätte, dass zwischen Januar und September dieses Jahres lediglich fünf Blaulichteinsätze in das Tönninger Krankenhaus geführt hätten. Dem widersprachen zahlreiche Bürger, denn die Einwohner würden im Notfall das Krankenhaus aufsuchen, ehe der Rettungswagen kommen müsse.

Christian Marwig, Vorsteher des Amtes Eiderstedt, unterstrich gegenüber dem Landrat die Notwendigkeit des Krankenhaus-Standortes Tönning für die ganze Halbinsel. Auch die Kliniken in St. Peter-Ording würden Tönning favorisieren.

Stadtvertreter Jürgen Ziegert sprach gegenüber Harrsen von einer Lobby, die Husum favorisiere und Tönning schließen wolle. Er forderte alle Anwesenden auf, die für den Erhalt der Klinik seien, den Arm zu heben. Mehr als 200 Arme reckten sich in die Höhe. Gleichzeitig bat er die Bürger darum, für ihr Krankenhaus zu kämpfen.

Bürgermeisterin Dorothe Klömmer unterstrich, dass sie und ihre Kollegen aus dem Stadtrat alles daran setzen werden, um die Klinik in Tönning zu erhalten. Man werde das gerade vom Landrat unterbreitete Angebot annehmen, und mit einer Delegation an Gesprächen über das Krankenhaus teilnehmen.

Heftig kritisiert wurde von Bürgern, dass die Wege nach Husum oder Heide einfach zu weit seien. Besonders ältere Menschen, so der Seniorenbeauftragte der Stadt Tönning, Heiner Hahn, hätten große Schwierigkeiten dann Besuche machen zu können, beziehungsweise zu empfangen. Harrsen hingegen argumentierte, dass diese Entfernung durchaus zumutbar sei. Man dürfe nicht vergessen, dass der Verlust des Klinikums Nordfriesland in diesem Jahr 1,5 Millionen Euro betrage, davon entfielen allein auf Tönning rund 800.000 Euro. Während Marwig davon sprach, dass es doch noch Rücklagen gebe, betonte Harrsen, dass dies keine liquiden Mittel seien, sondern im Krankenhaus selbst steckten. Der Landrat sagte, dass er in der nächsten Kreistagssitzung die Schließung des Krankenhauses Tönning empfehlen werde. Allerdings sagte er auch, dass es zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommen solle. In der Klinik arbeiten 88 Personen.

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