zur Navigation springen
Husumer Nachrichten

20. August 2017 | 18:15 Uhr

Tönning : Tönning wartet auf Ärzte

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Hauptausschuss von Tönning ist enttäuscht über die Aussage der Kassenärztlichen Vereinigung, dass es zu viele Ärzte auf Eiderstedt gibt. Er sieht das anders.

Auf großes Unverständnis des Tönninger Hauptausschusses stößt die Aussage der Kassenärztlichen Vereinigung (KV), dass Eiderstedt mit Ärzten überversorgt sei. Die Verantwortlichen der Stadt warten mit Ungeduld auf eine Lösung für die Verbesserung der medizinischen Versorgung.

Anfang Februar hatte die KV zu einem Treffen der niedergelassenen Fach- und Hausärzte auf Eiderstedt eingeladen, informierte Matthias Hasse, Büroleiter der Stadt, in der jüngsten Sitzung. Ziel sei es gewesen, gemeinsam einen Konsens zur Verbesserung der 24-Stunden-Notfallversorgung zu finden. Lösungen, so Hasse, konnten allerdings noch nicht präsentiert werden. Aber man arbeite verstärkt gemeinsam daran. Die besondere Herausforderung sei der hohe Altersdurchschnitt der 14 praktizierenden Ärzte im Mittelraum der Halbinsel. Drei sind über 65, sieben über 60 Jahre alt. Junge Mediziner wollten zum einen nicht in den ländlichen Raum ziehen, zum anderen lieber – bestenfalls im Medizinischen Versorgungszentrum – angestellt werden, wie Hasse berichtete. Ihre älteren Kollegen dagegen möchten ihre Selbstständigkeit behalten, würden aber gerade deshalb keine Nachfolger finden. Viele Ärztinnen würden Teilzeitarbeit bevorzugen. Auch das helfe nicht unbedingt weiter. Zudem bestehe bei der KV die Auffassung, dass Eiderstedt nicht unterversorgt ist. Auf den Bereich eines niedergelassenen Arztes entfallen 1560 Einwohner. „Allerdings werden die Urlaubsgäste nicht mitgezählt. Im Endeffekt sind es aber gerade dadurch weitaus mehr Patienten“, sagte Hasse. Die KV habe errechnet, dass derzeit die Ärzte zu 135,7 Prozent überbelegt sind. Berücksichtigt werden müsse zudem, dass die älteren Mitbürger aus Krankheitsgründen ihren Arzt häufiger aufsuchen müssen. Diese Betrachtung sei bisher unter den Tisch gefallen. „Von 135 Prozent Überbelegung zu sprechen, ist ein Schlag ins Gesicht und auch nicht richtig“, so Stefan Runge (SPD). „Die Versorgung in Tönning ist nicht gut. Die Menschen müssen lange Wartezeiten in Kauf nehmen. Die Schlangen in den Praxen sind lang“, erklärte Mery Ebsen (AWT). Stückchenweise habe die Stadt verloren, zuletzt durch die Schließung der Klinik bereits Ende 2016, obwohl der Kreistagsbeschluss anders – nämlich Aufrechterhaltung bis Mitte 2017 – gelautet habe. Eine 24-Stunden-Versorgung finde nicht statt. Daher habe ihre Fraktion auch eine ergänzende Petition beim Landtag eingereicht. Darin werde betont, dass erst nach Schaffen von Fakten praktisch jetzt erst über Alternativen nachgedacht werde. Es gebe bisher keinen internistischen Facharztsitz im Medizinischen Versorgungszentrum Tönning. Auch der Ansatz, an der BG-Klinik in St. Peter-Ording eine Anlaufstelle für niedrigschwellige chirurgische Notfälle, die außerhalb der Sprechzeiten der niedergelassenen Ärzte hilft, einzurichten, könne keine Lösung sein. Einerseits wäre eine solche Ambulanz begrenzt und nur zu den Schließzeiten der niedergelassen Ärzte erreichbar. „Ich hoffe auf gute Lösungen“, bekräftigte Mery Ebsen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Kommentare

Leserkommentare anzeigen