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Beschluss nach Verkehrsschau : „Todesstrecke“ soll entschärft werden

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Auf der Landesstraße 4 zwischen Bredstedt und dem ehemaligen Bundesgrenzschutz-Gelände wird künftig nur noch Tempo 70 erlaubt sein. In den vergangenen Jahren sind dort viele Unfälle passiert. Erst vor wenigen Wochen hatte es wieder ein Todesopfer gegeben.

Im Rahmen einer Verkehrsschau machte sich Wolfgang Kinsky, Vorsitzender des Bredstedter Bau-, Wege- und Verkehrsausschusses, gemeinsam mit Vertretern des Kreises, der Polizei und Straßenmeisterei sowie den Bürgermeistern Knut Jessen (Bredstedt), Peter-Reinhold Petersen (Bordelum) und Fahrschullehrer Horst Hansen auf den Weg durch Bredstedt. Eine der Stationen war die Dörpumer Straße (Landesstraße 4) von Bredstedt nach Dörpum.

„Mir liegt es besonders am Herzen, dass die Straße entschärft wird“, erzählt Wolfgang Kinsky im Gespräch mit unserer Zeitung. Er nennt sie schlichtweg „Todesstrecke“. Von Kindesbeinen an hat der gebürtige Bredstedter miterlebt, wie viele Unfälle es dort gegeben hat und wie viele Leute dabei zu Schaden kamen. Einige von ihnen bezahlten die Fahrt auf dieser Straße mit ihrem Leben. Im vergangenen Monat hatte es wieder ein Todesopfer gegeben. „Das war ein Bekannter unserer Familie“, so Wolfgang Kinsky. Er verweist auf eine Statistik der vergangenen fünf Jahre, die die genannte Strecke betrifft: 18 Unfälle, zehn Totalschäden, ein Todesopfer, sechs leicht verletzte und zwei schwer verletzte Personen. Dreimal war Alkohol im Spiel.

Die Ursachen der Unfälle seien unterschiedlich, so der Vorsitzende. „Es gibt sehr scharfe Kurven. Die Strecke führt am Wald vorbei, daher muss man auch immer mit Wildwechsel rechnen.“ Die Disco im Quickhorner Wald lässt er ebenfalls nicht unerwähnt, genauso wie die Streckenführung, die viele zum Rasen animiere sowie die „schlecht einsehbaren Aus- und Zufahrten der Anwohner“. Davon kann Familie Magnussen ein Lied singen. Bevor sie die Dörpumer Straße von ihrem Grundstück aus befahren, steht Gymnastik im Halswirbelbereich an. Mehrere Blicke nach links und rechts und dann eilig rauf auf die Fahrbahn. Der schnelle Blick in den Rückspiegel, ob von hinten ein Fahrzeug angerauscht kommt, und der Druck auf das Gaspedal, um zügigst voran zu kommen, gibt ihnen jedes Mal einen Adrenalin-Kick. „Es ist ein Pokerspiel. Oft mache ich auch die Autofensterscheibe auf, um zu hören, ob ein Fahrzeug kommt“, sagt Dörte Magnussen, Mutter dreier Jungs. Ihre Kinder haben Magnussens für die Straße sensibilisiert und können nur hoffen, dass „sie immer alle Sinne einsetzen“, bevor sie die Fahrbahn queren, um auf den gegenüberliegenden Bürgersteig zu kommen.

Für Wolfgang Kinsky ist klar: „Wir sollten nicht warten, bis wieder etwas passiert, sondern präventiv arbeiten.“ Sein Wunsch: ein Tempolimit auf 70 Kilometern pro Stunde und eine komplett durchgezogene Linie, die für ein Überholverbot steht. „Bisher wurde immer alles abgelehnt, weil es nicht genügend Unfälle für eine Veränderung gegeben hat“, berichtet er. Doch nach der jüngsten Begehung wird sich etwas tun. „Wir haben uns geeinigt, dass Teilbereiche entschärft werden“, so der Ausschussvorsitzende. Unter anderem wird eine besonders scharfe Kurve mit Pollern ausgestattet, die dann auch Fußgänger und Fahrradfahrer auf dem gleich daneben liegenden Weg in Gefahrensituationen schützen sollen. Eine 70 km/h-Begrenzung kommt von der Einfahrt Gewerbepark (ehemals BGS-Gelände) bis zur Stadt Bredstedt.

Was bleibt, ist eine Erkenntnis für Wolfgang Kinsky: „Ich habe gemerkt, wie schwierig es ist, etwas im Straßenverkehr zu ändern.“

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