Ostenfeld : „Tod in der Gülle-Lagune“

Der Autor Thorsten Scherer hat schon eine neue Idee im Kopf.
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Der Autor Thorsten Scherer hat schon eine neue Idee im Kopf.

Thorsten Scherer veröffentlicht seinen Debüt-Roman – und damit eine Liebeserklärung an Mordfriesland.

shz.de von
17. Januar 2018, 12:30 Uhr

Ostenfeld | Wer an einem feuchtkalten Januarmorgen durch den Ostenfelder Stumpen fährt und im dichten Nebel nach dem Hof von Thorsten Scherer Ausschau hält, der ahnt bereits, dass der frischgebackene Schriftsteller genau hier, in der Einsamkeit der Ostenfelder Geest nahe der Eider-Treene-Niederung, die Inspiration zu seinem Nordfriesland-Krimi „Tod in der Gülle-Lagune“ gefunden haben muss. Seit September ist der Debüt-Roman des 59-Jährigen erhältlich – in Husum vorzugsweise in der Schloßbuchhandlung.

1959 auf einem Gutshof in Ostholstein geboren kam Thorsten Scherer im Alter von sechs Jahren mit seiner Familie nach Husum. Dass er hier die Hermann-Tast-Schule besuchen durfte und von Literaturkennern wie Paule Jensen und Karsten Rüsch unterrichtet wurde, beschreibt er als echten Glücksfall: „Durch diese beiden Lehrer habe ich meine Liebe zum Lesen und Schreiben entdeckt“, erinnert sich Scherer noch gut daran, wie sehr ihn, den damals Zwölfjährigen, der Roman „Radetzkymarsch“ von Joseph Roth beeindruckt hat. „Danach habe ich Bücher geradezu verschlungen und mich über jede besonders gelungene Formulierung gefreut“, erzählt er.

Wie sehr ihn das geprägt hat, zeigt sich jetzt in seinem eigenen ersten Werk, in dem der Ostenfelder gekonnt mit Worten jongliert und so die volle Aufmerksamkeit seiner Leser einfordert. „Wer Bücher nur querliest, verpasst die spannendsten Momente“, meint der Autor, der mit seinen bildhaften Beschreibungen den Leser zum Zuschauer macht. „Eine bessere Kulisse, als die rund um Ostenfeld, hätte ich mir gar nicht wünschen können“, findet er. Deshalb hat er auch das Cover des Buches im Umfeld seines Hofes selbst fotografiert. Abgesehen davon wird so mancher Leser sich selbst und seine Nachbarn in der Geschichte wieder erkennen. So wie den Landwirt, der – nur weil er kurz vor 12 Uhr in der Gülle Leichenteile findet – nicht einsieht, weshalb er auf die Mittagsstunde verzichten sollte. Nach dem Essen ist es schließlich immer noch früh genug, die Polizei zu rufen. Mit solchen und anderen Details wird der Krimi – bei aller Mordlust – am Ende zu einer Liebeserklärung an (M)Nordfriesland.

Die Idee dazu brodelte eines Tages urplötzlich in ihm auf, erzählt Scherer, der 1988 bei einer Demo gegen die Eindeichung des Beltringharder Koogs seine Frau Elke kennenlernte und zu ihr nach Ostenfeld zog. Damals war er noch bei der Bundeswehr, wo er sich 1977 zu zwölf Jahren Dienst verpflichtet hatte. Als diese Zeit um war und seine Einheit in Folge der Wiedervereinigung aufgelöst wurde, beschloss er, Grund- und Hauptschullehrer zu werden. In Flensburg studierte er Deutsch, Technik sowie Wirtschaft und Politik und unterrichtete dann einige Jahre an der Rektor-Siemonsen-Schule in Husum – bis ihn gesundheitliche Gründe in die Frührente zwangen. „Ich widmete mich zunehmend den schönen Künsten, las viel, malte und zeichnete und verfasste kleine Geschichten über unsere Hündin Maxi“, erzählt Scherer. Mit der treuen Gefährtin an seiner Seite las er Grundschülern aus diesen Geschichten vor – in der Hoffnung, dass die Kinder auf diese Weise einen Zugang zur Literatur finden – genau wie er selbst einst.

Im Mai 2016 hatte der Ostenfelder plötzlich eine vage Idee für einen Krimi und mit „Tod in der Gülle-Lagune“ auch gleich einen grandiosen Titel im Kopf, den er sich sofort schützen ließ. Die Handlung ergab sich dann „irgendwie von selbst“: „Ich hatte keinen Plot im Kopf, sondern bin der Geschichte einfach gefolgt.“ Seinen drei Hauptprotagonisten stellte der Krimiautor nach und nach weitere Akteure an die Seite – und trennte sich auch wieder von ihnen, wenn sie ihm unsympathisch oder lästig wurden. Auf Phasen, in denen die Story ins Stocken geriet, folgten Nächte, in denen er gar nicht aufhören konnte zu schreiben. Und das tat er nicht etwa im stillen Kämmerlein: „Wenn ich schreibe, brauche ich gute Musik, die gerne auch laut sein darf. Am liebsten höre ich guten irischen Folk.“

Im März 2017 war das Manuskript schließlich fertig. Nachdem es von einem befreundeten Lektor für gut befunden wurde, fand Scherer bei „Tredition“ in Hamburg die erhoffte Unterstützung in allen verlegerischen Tätigkeiten. Seit September ist der Krimi als Buch oder eBook auch bei Amazon erhältlich. Und wie geht es nun weiter? „Da habe ich schon eine kriminelle Idee im Kopf“, sagt der Autor schmunzelnd. Mehr verrät er noch nicht.

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