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Unglück vor St. Peter-Ording : Tod im Watt – trotz Ebbe und guter Sicht

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Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Panik führte wahrscheinlich zu dem Unglück vor St. Peter-Ording, bei dem ein Mann am Neujahrstag ertrank. Ortskundige sagen: Das Paar hätte trockenen Fußes ans Festland zurückkehren können.

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erstellt am 02.Jan.2014 | 13:30 Uhr

St. Peter-Ording | Am Tag nach dem tragischen Todesfall im Watt ist die Betroffenheit groß in St. Peter-Ording. Am Neujahrstag war am Nachmittag ein Mann vor St. Peter-Böhl ertrunken. Der 49-Jährige und seine Partnerin (45) aus dem Kreis Euskirchen in der Nord-Eifel (Nordrhein-Westfalen) hatten mit ihrem Hund einen langen Spaziergang auf der großen Sandbank unternommen. Um wieder ans Festland zu gelangen, hatten sie die fatale Entscheidung getroffen, einen Priel zu durchschwimmen – trotz vier Grad Wassertemperatur. Außerdem herrschte eine starke Strömung von acht bis neun Stundenkilometern. Die Frau schaffte es, dem Mann gelang es nicht. Sein lebloser Körper war am Abend dann auf einer Sandbank im Meer gefunden worden. Der Hund bleibt vermisst.

Alle Ortskundigen stellen sich die Frage, wie es zu diesem Unglück kommen konnte. Denn die Bedingungen, um sicher in den Ort zurückzukehren, waren gegeben. Es herrschte Ebbe, und die Sicht war gut, sagt nicht nur Nils Stauch von der DLRG-Ortsgruppe St. Peter-Ording, der mit seinem Rettungs-Team als erster vor Ort war. Er wie auch andere am Einsatz Beteiligte vermuten, dass das Paar weder Orts- noch Tidenkenntnisse hatte und in Panik geriet, als es vor dem tiefen Priel stand, der nicht durchwatet werden konnte, und dann die folgenschwere Entscheidung traf. „Das Gelände in diesem Bereich ist für Ortsunkundige sehr unübersichtlich. Man muss sich vorbereiten. Und nach den beiden schweren Stürmen hat es sich stark verändert“, so Stauch. Das Terrain besteht teilweise aus Vorland, aus tiefem Schlick und Sandwatt und wird durch viele kleine und größere Priele durchzogen. Sicherer wäre es für das Paar gewesen von der großen Sandbank direkt zur Badestelle Südstrand zu laufen, das Gelände fällt bei Ebbe komplett trocken. Von dort könne man dann über den Strand nach Böhl spazieren. Eine andere Möglichkeit wäre gewesen, den Rückweg über die Sandbank anzutreten – also den Weg, den sie gekommen waren. Ob es dem Paar zu weit war? Immerhin hatten sie bereits rund vier Kilometer zurückgelegt.

Um 16 Uhr waren die DLRG und die Feuerwehr St. Peter-Ording von der Rettungsleitstelle alarmiert worden. Eine Frau, die sich auch am Böhler Strand im Süden des Nordseebads aufhielt, hatte ihn abgesetzt, wie Stauch erklärt. Dort trafen sie die völlig durchnässte und unter Schock stehende Spaziergängerin, die erklärte, dass ihr Mann und der Hund noch draußen seien. Sie wurde im Rettungswagen der DLRG ans Festland gebracht und dort dem Rettungsdienst übergeben. „Wir und die Feuerwehr haben sofort die Boote klargemacht“, berichtet Stauch. „Wir hatten ja nur noch eine halbe Stunde Tageslicht.“ Auch die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger beteiligte sich mit zwei Booten an der Suche. Doch vergebens. Erst der SAR-Hubschrauber der Bundeswehr entdeckte den leblosen Körper kurz vor 19 Uhr auf einer Sandbank.

Für einen anderen Strandspaziergänger bedeutete die Suchaktion jedoch die Rettung. Der Hamburger hatte sich vor St. Peter-Süderhöft im Watt verirrt und per Handy die Rettungsleitstelle alarmiert, wie Ortswehrführer Norbert Bies, der den Gesamteinsatz leitete, erklärt. „Er wurde dann kurz nach 19 Uhr von der Hubschrauber-Crew geborgen.“ Hier drängte die Zeit, denn die Flut hatte gerade eingesetzt.

Auch die Kripo Flensburg wurde im Fall der beiden Spaziergänger aus der Eifel eingeschaltet. Sie schließt jedoch ein Fremdverschulden aus, da der Mann ertrunken ist, wie inzwischen feststeht. Sie wird die Ermittlungen einstellen, teilte die zuständige Polizeidirektion Flensburg auf Nachfrage mit.

Die Zahl der Personensuchen im Watt sei in den vergangenen Jahren gestiegen, sagt Wehrführer Bies, auch wenn etliche Fehlalarme darunter seien. 20 Mal rückte die Wehr im vergangenen Jahr zu einer Suchaktion aus. Immer mehr Menschen genießen zu jeder Jahreszeit die Weite des Wattenmeers, aber viele informierten sich nicht über die Gefahren, das aber ist überlebensnotwendig, denn „Das Wattenmeer ist kein Park“, mahnt Bies.

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