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Massentierhaltung im Fokus : Tierschutz: Verbraucher sind in der Pflicht

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Bei einer öffentlichen Anhörung zum Thema Intensivtierhaltung im Husumer Kreishaus brachten Vertreter aus Landwirtschaft und Naturschutz ihre Argumente vor.

Husum | Die Erweiterung oder der Neubau von Schweine- und Hähnchenmastanlagen in Nordfriesland ruft immer größere Konflikte im Kreis und in der Landwirtschaft hervor, der Widerstand in der Bevölkerung wächst. Dies war der Anlass für die öffentliche Anhörung zum Thema „Intensivtierhaltung“, erklärte Kerstin Mock-Hofeditz, Vorsitzende des Umwelt- und Energieausschusses des Kreistages.

Vor dem Ausschuss und Bürgern, darunter auch Mitglieder der Bürgerinitiative „Gute Luft für Finkhaus“, tauschten Referenten aus Landwirtschaft und Naturschutz das Für und Wider konventionell betriebener Landwirtschaft und alternativer Entwicklungen in der Fleischproduktion aus.

Zuvor erläuterte Martin Schaaf, stellvertretender Fachdienstleiter Bauen und Planen, das Planungsrecht und das Bundesimmissionschutzgesetz, durch das Gemeinden die Möglichkeit haben, auf die Genehmigung beispielsweise zum Bau von Stallgebäuden zur Intensivtierhaltung Einfluss zu nehmen.

Reinhard Brydda, Geschäftsführer der landwirtschaftlichen Unternehmensberatung Agrar Beratung Nord warf die Frage auf: „Was sind wir bereit zu zahlen und wie hoch ist die Wertschätzung der Lebensmittel?“ Die große Masse entscheidet, seiner Meinung nach, heute noch nach dem Preis. „Wenn wir ökologische Produktion wollten, ginge es ganz schnell, aber es kostet Geld.“

Überspitzt formulierte Dietrich Pritschau, Vorstandsmitglied des Bauernverbands Schleswig-Holstein: „Wenn ich Geld dafür bekomme, föne ich meinen Tieren auch Locken.“ Er brach eine Lanze für die moderne Tierhaltung, die heutzutage sowohl den Wünschen der Verbraucher, die vor allem mageres Fleisch möchten als auch den Wünschen der Bauern nach Arbeitserleichtung angepasst sei. Die Ställe, so Pritschau weiter, sind den Tieren angepasst mit viel Luft und Schatten in der Rinderhaltung oder Heizungssystemen in der Schweinehaltung. In den Ställen gelten feste mit Tierärzten und Beratern ausgearbeitete Gesundheitsstrategien, durch Zufall verabreichte Medikamente gäbe es nicht. „Mehr als 165 Euro ist dem Verbraucher ein Schwein am Haken heute nicht wert“, stellte er fest und verwies auf die Kosten, die durch Futter, Stall, Personal, Energie entstehen.

Dem Argument mangelnder Wirtschaftlichkeit setzte Eckehard Niemann von der Arbeitsgemeinschaft bäuerlicher Landwirtschaft entgegen, dass es ein „Weiter so“ nicht geben könne. Stattdessen stehe eine umfassende Veränderung an, die Tieren, Umwelt, Landwirten und Verbrauchern nützen werde. „Wir brauchen eine bäuerliche Landwirtschaft oder wir bekommen eine Landwirtschaft, die von wenigen Konzernen mit einer riesigen Macht bestimmt wird.“ Ferner nehme es die Gesellschaft nicht mehr hin, weil die Menschen mittlerweile durch Emissionen und drohender Resistenz von Antibiotika direkt betroffen sind. „Wenn wir zu vernünftigen Erzeugerpreisen kommen möchten, dann müssen wir runter mit den Mengen. Klasse statt Masse rechnet sich“, ist Niemann überzeugt.

Dr. Ina Walenda, Landesgeschäftsführerin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland, führte aus, die Gesellschaft bezahle für billiges Fleisch in mehrfacher Hinsicht sowohl an der Ladentheke und mit Millionen an Investitionen als auch mit steigenden Gesundheitskosten und massiven Umweltschäden. Sie begründete den Verlust biologischer Vielfalt durch Gülle, begründete Nährstoffüberschüsse mit Futterimport, wies auf zu hohe Nitratwerte hin und erklärte: „Der Gewässerzustand in Schleswig-Holstein ist nicht gut.“ Ohne eine andere Tierhaltung werden wir unsere Meere nicht schützen können, so Walenda.

Einhellig bekundeten Referenten und Zuhörer ihr Interesse an einem fairen und vorurteilsfreien Dialog zu diesem Thema, auch wenn die Anhörung erwartungsgemäß keinen goldenen Mittelweg für die unterschiedlichen Anliegen fand.

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erstellt am 22.Sep.2014 | 16:00 Uhr

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