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„Nach der Schafskälte“ : Tierschutz im Roman

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Wahl-Husumerin Benedikta zu Stolberg hat in ihrem ersten Roman das schwierige Thema „Massentierhaltung“ in eine spannende Geschichte verpackt.

Ja, es gibt sie noch in Nordfriesland: Höfe, auf denen Besucher auch ohne Anmeldung willkommen sind. Wo der Bauer bereitwillig die Stalltüren öffnet und jeder sehen kann, dass es den Tieren gut geht. Wo das Vieh tagsüber auf Weiden grasen darf – und die Kinder den neugeborenen Kälbern Namen geben. Wo der Landwirt seinem Beruf mit Begeisterung nachgeht und beim Melken ganz genau weiß, welche Kuh er gerade vor sich hat und wie es ihr geht. Doch es gibt immer mehr Betriebe, in denen die Tiere unter nicht artgerechten Bedingungen gehalten werden, um den Profit zu steigern.

Um einen solchen geht es im Roman von Benedikta zu Stolberg, „Nach der Schafskälte“. Zuvor hatte die Wahl-Husumerin hauptsächlich Kurzgeschichten veröffentlicht. Nun wagte sie sich erstmals an ein großes Thema: die Massentierhaltung.

Das Leid der Kühe, Schweine und Puten in der qualvollen Enge stickiger Ställe, in denen es für sie nichts als tödliche Langeweile gibt, ist in der packenden Geschichte nachzuspüren, in der eine engagierte Tierschützerin nach Nordfriesland kommt, um im fiktiven Wietriffharder Koog ehrenamtlich im Naturschutz zu arbeiten. Geschockt darüber, dass der besonderen Landschaft die Zerstörung durch den Raubbau des Menschen gegenübersteht, beschließt die Romanheldin, nicht länger tatenlos zuzusehen. Sie beginnt einen leidenschaftlichen Kampf gegen Massentierhaltung und für die Rechte der Tiere. Doch der Versuch, einen skrupellosen Marschbauern von dem Plan, seinen Stall zu erweitern, abzubringen, endet tragisch.  .  .

Auf die Themen angesprochen, die der Roman streift, spricht Benedikta zu Stolberg drängende Probleme an: zum Beispiel immer mehr Gülle durch Massentierhaltung. Denn dadurch gelangt Nitrat in das Grundwasser, aus dem aufbereitet Trinkwasser wird. Nitrat wird im Körper unter anderem in Nitrit umgewandelt. Und die Nitrosamine, die wiederum aus Nitrit entstehen, gelten als krebserregend.

Bedrückend findet die Nordfriesin auch den Gedanken an tragende Sauen, die in viel zu enge Stahlkäfige gezwängt werden, an trächtige Kühe, die geschlachtet werden, und Puten, die sich aufgrund von qualvoller Mast nicht mehr auf den Beinen halten können. „Tiere haben eine Seele, genau wie wir Menschen, und sie leiden“, mahnt sie.

Ein Dorn im Auge ist ihr der hohe Fleischkonsum der Menschen, der letztendlich mit verantwortlich für die Misere sei, da immer mehr und immer billiger produziert werden müsse. Wobei in Deutschland mehr Schweine gemästet werden, als die Bundesbürger verzehren können – tonnenweise wird dieses Fleisch weltweit exportiert.

Die gebürtige Lübeckerin lebt seit knapp 20 Jahren vegetarisch und ernährt sich mittlerweile zu 99 Prozent vegan, macht aber keine Ideologie aus ihrer Einstellung: Sie kann es respektieren, wenn andere auf Fleisch, Eier und Milchprodukte nicht verzichten mögen, nur würden viele sich oft schlichtweg keine Gedanken darüber machen, wo ihr Billig-Schnitzel beim Discounter herkommt. „Fleisch muss wieder etwas Besonderes auf dem Speiseplan werden. Schließlich gab es früher auch nur sonntags einen Braten“, so ihr Appell an jeden Verbraucher, im allerersten Schritt die Nachfrage zu reduzieren.

„Nach der Schafskälte“ zeigt die erwähnten Missstände der industrialisierten Landwirtschaft auf und ist – trotz Liebesgeschichte und Dramatik – gewiss keine leichte Lektüre. „Aber er macht auch Hoffnung“, betont Benedikta zu Stolberg. Eines ist der Autorin, die das Buch selbst herausgeben hat, wichtig: „Auf keinen Fall dürfen wir die Bauern für die Fehlentwicklung in der Landwirtschaft verantwortlich machen. Als Produzenten, die ihre Familien zu ernähren haben, können sie sich dem System nur in Ausnahmefällen entziehen. Vielmehr sollten wir gemeinsam – Bürger, Verbraucher, Erzeuger landwirtschaftlicher Produkte und Politiker – ein Konzept für die notwendige Agrarwende entwickeln. Es wäre schön, wenn künftig mehr Subventionen für artgerechte Tierhaltung, chemiefreie Bodenbearbeitung und Artenschutzmaßnahmen gezahlt würden, als für die Anwendung gefährlicher Pflanzenschutz- und Düngemittel oder für den Ausbau der Massentierhaltung mit dem Problem Antibiotika-resistenter Keime, die letztendlich unsere Gesundheit gefährden.“

Trotz des schwierigen Themas hat die Autorin einen spannenden Roman mit interessanten Figuren geschrieben. Darüber hinaus ist ihr Buch eine Hommage an die Schönheit Nordfrieslands.

Der Roman „Nach der Schafskälte“ (ISBN: 9783737559591) von Benedikta zu Stolberg ist als Printausgabe und E-book über den Buchhandel erhältlich; weitere Informationen gibt es im Internet auf: www.benediktazustolberg.de.

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