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24 Stunden Husum: 8 bis 9 Uhr : Tierisch viel Arbeit im Katzenhaus

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Da muss das eigene Frühstück erst einmal warten: Im Katzenhaus des Husumer Tierheims wird allmorgendlich im Akkord geputzt und gefüttert. Schließlich wollen durchschnittlich rund 50 Stubentiger versorgt sein.

In der Serie „24 Stunden Husum“ begeben wir uns an die unterschiedlichsten Orte der Stadt – jeweils für eine Stunde. Heute Teil 4: Zu Besuch im Tierheim.

 

Puh! Halbzeit. Erst mal eine kleine Verschnaufpause einlegen und ein Zigarettchen rauchen. Es ist 8 Uhr, und Dieter Mietz ist immerhin schon drei Stunden auf den Beinen. Seine allmorgendliche Aufgabe: Die Gehege des Husumer Tierheims zu säubern und die Tiere zu füttern. Hört sich einfach an, ist aber ganz schön zeitaufwendig. Immerhin bevölkern durchschnittlich 50 Stubentiger das Heim. Und das heißt: 30 Katzenklos sauber machen, mindestens ebensoviele Futter- und Wassernäpfe schrubben und frisch befüllen.

Jeden Morgen, ob Werk- oder Feiertag, klingelt um 5 Uhr der Wecker beim Ehepaar Mietz. Aufstehen, sich fertig machen, die eigenen Tiere versorgen, und dann geht’s um 6 Uhr auch schon los mit der Arbeit. Gefrühstückt wird später. Später, das heißt: dann, wenn die Putz- und Fütterrunde beendet ist. Im Normalfall ist das gegen 10.30 Uhr. Aber meistens kommt dann doch noch etwas dazwischen. Da ist ein dringender Anruf, oder jemand steht außerhalb der Öffnungszeit mit einem Tier vor der Tür. „Dann schicken wir die Leute natürlich nicht weg“, erzählt Mietz. Wenn das Frühstück wieder einmal erst zur Mittagszeit erfolgt, ist der Standard-Satz seiner besseren Hälfte: „Haben wir uns jetzt unseren Kaffee verdient?“

Seit sieben Jahren sorgen Mietzens nun schon für das Wohlergehen der heimatlosen Katzen, die in der Einrichtung in Rödemisfeld 6 an Husums Stadtrand ein vorübergehendes Zuhause finden. Einige Tiere bleiben wohl auch für den Rest ihres Lebens dort. Denn: Wer nimmt schon einen Kater, der, obwohl er kastriert ist, überall dagegen pinkelt? Auch für die Mietzens ist dieser Vierbeiner eine Herausforderung. Sie müssen ihm ständig hinterherwischen, denn natürlich möchten sie nicht, dass Besucher die Nase rümpfen, wenn sie das Katzenhaus betreten. Auch heute Morgen hat der stramme Kerl, der so guckt, als könnte ihn kein Wässerchen trüben, ganze Arbeit geleistet . . .

Für die Vorsitzende des Tierschutzvereins Husum und Umgebung, Inke Rath, ist es jedenfalls eine Beruhigung, auf so verlässliche Helfer zählen zu können wie auf die Mietzens. „Ich bin absolut dankbar, dass wir so tierliebe Betreuer haben, die sich alle erdenkliche Mühe geben“, sagt sie. Auch Hauke Mader war ihr gerade wieder eine große Stütze. Bei den Husumer Hafentagen half er beim Aufbau und der Betreuung des Info-Standes, mit dem der Verein auf seine Arbeit aufmerksam macht. Der Tierfreund hat es außerdem übernommen, regelmäßig die sieben Futterspende-Boxen abzufahren und zu leeren. Fünf davon stehen in Husum, eine in Bredstedt und eine in Friedrichstadt. Eine Husumerin kommt regelmäßig zweimal die Woche in die Einrichtung, um ihre „streichelnden Hände“ anzubieten. Dem Heim werden auch Menschen zugewiesen, die 50 Stunden Sozialdienst ableisten müssen. So wie Yusuf Sammo, der an diesem Tag seine letzte „Schicht“ vor sich hat. Noch einmal den Pinsel schwingen und die Einzäunung der Gehege frisch streichen – für ihn eine ungewohnte Arbeit, aber sie muss eben gemacht werden. Der junge Mann ist sichtlich froh, als er mit ins Katzenhaus darf, die Babys besuchen. 15 niedliche Kitten purzeln in den Boxen umher, spielen miteinander und erkunden ihre – bislang noch kleine – Welt. Vorsichtig betupft Yusuf eines der kleinen Fellbündel. Dessen Mama – eine Edelkatze mit blauen Augen – war von einem ausländischen Autofahrer abgegeben worden. Auf Englisch radebrechte dieser, dass er auf dem Weg von Dänemark nach Hamburg sei und die hochträchtige Katze auf dem Parkplatz an der B 5 vor Husum eingefangen habe. „Es ist jammerschade. Das Tier ist zwar gechipt, aber ihre Besitzer haben wohl vergessen, es auch bei Tasso registrieren zu lassen“, erzählen die Mietzens. Bislang habe noch niemand nach dem Rassetier gefragt.

Die Zeit läuft. Dieter Mietz hat heute noch mehr auf dem Zettel als das obligatorische Putz- und Fütterprogramm – schließlich hält er auch die Außenanlage in Schuss. Und dann muss noch Nachschub an Katzenstreu herangeschafft werden. Auch wenn der Verein die preisgünstigste Ware einkauft, gehen dafür alle zwei Monate 1000 Euro drauf. Er muss sich sputen. Sonst gibt es Frühstück doch erst wieder zur Mittagszeit.

 

> Das Husumer Tierheim hat montags und mittwochs von 16 bis 18 Uhr und sonnabends von 9 bis 11 Uhr geöffnet. Telefon: 04841/72400.

 

Teil 5 morgen: Dem Schleusenwärter am Sperrwerk über die Schulter geschaut.

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erstellt am 05.Sep.2013 | 17:00 Uhr

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