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Husumer Nachrichten

28. Juli 2017 | 04:31 Uhr

Ramstedt : Tiefe Risse im Gemeinderat

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die NWGR-Fraktion fühlt sich vom Bürgermeister schlecht informiert. Streitthemen sind der Spielplatz sowie die Jugend- und Sporthütte.

Etwas Derartiges hat es im Gemeinderat von Ramstedt noch nicht gegeben. Grob gesagt, war es eine sehr harte Generalabrechnung zwischen den Fraktionen von AAWG, die die Mehrheit im Gremium stellt, und von NWGR. Reizthemen waren die Nutzung der Jugend- und Sporthütte, der Kinderspielplatz und generell der Umgang miteinander, insbesondere der neue Bürgermeister Jörg Hansen, seit Ende März im Amt, wurde hart kritisiert. Rund 100 Zuhörer hatten sich zu der Sitzung eingefunden.

Über Glassplitter im Boden des Spielplatzes beschwerte sich die Vorsitzende des Spielplatzfördervereins und frühere Bürgermeisterin, Christa Reese. Um die Beschwerde zu bekräftigen, reichte Gemeindevertreter Carsten Petersen (NWGR) einen Beutel voller Glasscherben und spitzer Steine in den Zuschauerreihen herum – begleitet von der empörten Aussage von Stefan Lukas (NWGR): „Wenn nicht in der nächsten Woche dort ein Bodenabtrag stattfindet, werden wir an die Aufsichtsbehörde gehen.“ Es bestehe hohe Verletzungsgefahr. Holger Schefer (AAWG) bestätigte die Stein- und Scherbenfunde und erklärte, dass er den Bürgermeister informiert habe. Auch Christa Reese hatte sich an diesen gewandt, doch habe sie keine Rückmeldung erhalten, wie sie erklärte. „Das hat mich enttäuscht.“ Stefan Lukas: „Ich beantrage dringend, den Platz neu zu machen.“ Bürgermeister Jörg Hansen sicherte nun zu, den Platz sofort sperren zu lassen. Aus diesem Grund wird das Dorf- und Kinderfest am Sonnabend, 22. Juli, erstmalig auf dem Sportplatz veranstaltet.

Ein zweites Reizthema war die Nutzung der Jugend- und Sporthütte. Hier kam es zu einem Eklat, der Bürgermeister versprach am Ende, einen Mediator zur Klärung zu suchen. Stefan Lukas als Jugendausschuss-Vorsitzender sprach das Thema an. Der Bürgermeister habe den jungen Leuten die Nutzung der Hütte untersagt – „aus diesem Grunde habe ich eine Anzeige bei der Kommunalaufsicht eingereicht. Auf der vorigen Gemeindevertreter-Sitzung hatten wir vereinbart, dass wir laut Antrag des SV Ramstedt die Nutzung auf Probe bis zur heutigen Zusammenkunft zulassen.“ Empört war Lukas darüber, dass er als Ausschuss-Vorsitzender über die Schließung nicht informiert worden war. Unter dem eigentlichen Tagesordnungspunkt „Erlass einer Haus- und Nutzungsordnung für die Sport- und Jugendhütte“ ging es dann weiter zur Sache. Lukas war in der Gemeinderats-Sitzung Ende März beauftragt worden, eine Hausordnung auszuarbeiten, wie er erklärte. „Am 4. Mai erfuhr ich vom Sportvereins-Vorsitzenden Ingo Dau-Schmidt, dass die Sport- und Jugendhütte nicht mehr genutzt werden darf. Bei der jetzigen vom Amt entworfenen Hausordnung ist meine Ausarbeitung abgekupfert worden – aber der Passus, dass der Sportverein das Hausrecht hat, wurde fallengelassen.“ In die nun folgende Auseinandersetzung wandte sich Einwohner Joachim Sümnick: „Ihr habt doch gerade entschieden, miteinander zu reden. Dann tut das auch.“ Lauter Protest von Lukas: „Seit Ende März sind wir an der Gemeindepolitik nicht beteiligt worden.“ Deswegen habe er sich bereits an die Kommunalaufsicht des Kreises gewandt.

Die anwesenden Jugendlichen wollten wissen, was ihnen eigentlich vorgeworfen werde. Der Bürgermeister: „Das möchte ich nicht in der Öffentlichkeit ansprechen.“ Das sorgte für Empörung bei den anwesenden Eltern und dem SV-Vorsitzenden Ingo Dau-Schmidt. „Es ging um Sauberkeit und Mülltrennung und düt und dat“, sagte dann Hans-Detlef Norden, der mit der Hausmeistertätigkeit betraut und seit Ende März AAWG-Gemeindevertreter ist. In das allgemeine laute Durcheinander sagte einer der Jugendlichen: „Man hätte uns wegen der Mülltrennung doch etwas sagen können.“ Der Bürgermeister beendete schließlich die Aussprache. Enttäuscht verließen etliche Jugendliche den Saal. Jörg Hansen sagte noch zu, Gespräche führen zu wollen und einen Mediator einzuschalten.

Auch der Rücktritt von Sönke Sterner von seinen ehrenamtlichen Vereinsämtern erschütterte die Sitzung. Er meldet sich beim Tagesordnungspunkt „Sachstand Neubau Gemeindewohnungen“ zu Wort. Ihm stieß sauer auf, dass seine Firma bei der Ausschreibung nicht angeschrieben worden war. „Ich gebe hiermit meine ehrenamtliche Arbeit für unsere Vereine auf – schade für die Vereine und schade für die Gemeinde.“ Der Bürgermeister verwies darauf, dass dafür das Amt zuständig sei. Er sicherte zu, sich um die Angelegenheit zu kümmern. Der Bau der Gemeindewohnungen werde sich dadurch noch weiter verzögern.

Streit gab es auch wegen einer möglichen Sperrung der Straße Op de Sein. Und wieder stand der Vorwurf im Raum, dass die NWGR nicht informiert worden sei. Jörg Hansen erklärte schließlich: „Es ist definitiv so, dass wir keine Anordnung auf Vollsperrung gestellt haben. Op de Sein ist für Anwohner und landwirtschaftliche Fahrzeuge frei.“ Hinsichtlich des Umbaus des Feuerwehrhauses aufgrund neuer Normen bestand dagegen Einigkeit. Und die Auftragsvergabe für die Wegeunterhaltung erfolgte ebenso einstimmig, wie die Aufstellung einer E-Ladesäule.

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