Nordfriesland : THW, Delfi und Repair-Café: So läuft's im Ehrenamt in Zeiten von Corona

Ohne Ehrenamtler ginge in vielen Bereichen nichts.
Ohne Ehrenamtler ginge in vielen Bereichen nichts.

Morgen ist Internationaler Tag des Ehrenamtes. Wir stellen drei Menschen vor, die ihre Zeit der Gemeinschaft widmen.

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04. Dezember 2020, 14:23 Uhr

Husum | Mit ihrem Einsatz und ihrer Hilfsbereitschaft setzen sich Ehrenamtler für die Gesellschaft ein – jeden Tag. Heute ist der Internationale Tag des Ehrenamtes. Anlass genug, um hinter die Kulissen des sozialen Engagements zu blicken. Die Husumer Nachrichten haben drei Ehrenamtliche befragt, woher ihre Motivation kommt und was sie machen.

Jochen Gedlich und das Repair-Café

So lange gibt es das Repair- Café Husum noch nicht, aber Jochen Gedlich, Koordinator des Angebots, verkündet stolz: „Seit der Eröffnung Ende 2019 haben wir schon 121 Teilnehmer gezählt und wir konnten 85 Reparaturen erfolgreich durchführen.“ Er beschreibt sich als „Mädchen für alles“. Reparieren tut Gedlich selbst nicht mehr, dafür sei der studierte Elektrotechniker nicht mehr auf dem neuesten Stand, wie er sagt. „Aber wir haben hier um die 20 Freiwillige, die alle mit anpacken.“ Mitgebracht werden darf alles, was man selbst tragen kann, denn wenn ein Gerät endgültig kaputt ist, muss es wieder mitgenommen werden.

Jochen Gedlich (2.v.r.) mit dem Team vom Repair Café.

Jochen Gedlich (2.v.r.) mit dem Team vom Repair Café.

 

„Im Repair-Café soll das Reparieren auf moderne Weise und auf lokaler Ebene wieder in die Gesellschaft getragen werden. Und das mit dem Kaffee nehmen wir hier sehr ernst. Jeder bekommt einen“, sagt Gedlich. Denn letzten Endes sei es auch der Schnack zwischendurch, die gemeinsame Zeit, was dieses Angebot ausmache. „Wirklich, das gibt mir viel zurück!“ Traurig ist Gedlich darüber, dass das Angebot derzeit nicht stattfinden kann. „Corona hat uns da gewaltig einen Strich durch die Rechnung gemacht.“ Gerade weil bei der letzten Veranstaltung im März so viele Menschen kamen wie noch nie: 35 Leute.

Es sind aber nicht nur die Gespräche oder der Versuch, der Wegwerfgesellschaft die Stirn zu bieten. Manchmal sind es ganz andere Dinge, die ihn glücklich machen: „Einmal hatten wir ein altes Tonbandgerät auf dem Tisch. Das muss aus der Zeit zwischen 1955 und 1960 gewesen sein. Drinnen war noch ein Tonträger“, erzählt Gedlich. Beim Kaffee wurde dann selbstverständlich die alte Musik angehört. „Solche Situationen machen das Ehrenamt aus – absolut. „Und dann gibt es ja auch noch die Menschen, die es sich nicht leisten können, ein neues Gerät zu kaufen“, sagt er.

Die Koordination des Repair-Cafés ist Jochen Gedlichs erstes Ehrenamt: „Ich mache es unheimlich gerne.“ Wann es wieder geöffnet sein wird, weiß er nicht. Bis dahin findet er das ein oder andere Elektrogerät aber vor seiner Haustür abgestellt und weiß: „Der Bedarf ist offensichtlich da.“
 

Martina Eichenauer für Kinder & Eltern

Bei Martina Eichenauer hingegen geht das Ehrenamt auch während der Corona-Krise weiter. Sie leitet Delfi- und Mini-Club-Kurse für Eltern und ihre Kinder. „Zwar mussten wir auch während des Lockdowns im Frühjahr schließen und in den Sommerferien hatten wir ebenfalls Pause, aber wir dürfen weitermachen. Zum Glück – da sind wir wirklich alle sehr froh darüber“, betont sie. Aber auch hier hinterlässt das Virus seine Spuren. Weniger Teilnehmer, es darf nicht mehr gesungen werden. „Das ist wirklich schade, weil das Singen anfangs und am Ende immer ein festes Ritual war“, erzählt sie. Und: „Die Babys sind, damit sie sich freier bewegen können, normalerweise nackt. Wenn wir aber alle 20 Minuten lüften müssen, geht das jetzt natürlich nicht.“ Teilnehmer ausladen musste sie aber nicht. Einige seien von selbst zu Hause geblieben, „so hat sich das dann gut verteilt.“

Martina Eichenauer

Martina Eichenauer

 

Und wieso Eltern-Kind-Kurse? Als sie selbst Mutter wurde, habe sie auch an diesen Kursen teilgenommen. „So nahm das dann seinen Lauf.“ An drei Tagen in der Woche widmet sie sich nun dem Ehrenamt, ab und an kommt noch ein Vormittag in der Mensa der Hermann-Tast-Schule dazu. Hier schmiert sie Brötchen und bereitet Mahlzeiten vor – ehrenamtlich, versteht sich.

Viel Zeit – wie reagieren Freunde und Familie? „Die Tage sind fest im Kalender eingetragen. Das weiß auch jeder und wird so akzeptiert.“ Die Mutter von zwei Söhnen ist gelernte Arzthelferin. Dass sie nun nicht mehr in ihrem Ausbildungsberuf arbeitet, hat einen Grund: „Mein Mann ist Berufspendler und unter der Woche nicht da. Wenn irgendetwas mit den Kindern ist, wäre das in meinem alten Beruf schwierig geworden. Und irgendwie kamen immer mehr Kurse hinzu und ja, es macht einfach sehr viel Spaß. Mir haben diese Angebote damals sehr viel gegeben.“ Die soziale Ader hat sie schon länger: Als Jugendliche habe sie Kinderturnen und Jugendgruppen betreut. Ein Dank höre die Ehrenamtlerin eher selten. „Ja, vielleicht liegt es daran, dass viele Teilnehmer nicht wissen, dass ich das ehrenamtlich mache.“ Ist ihr aber auch egal, „denn ich merke die Dankbarkeit ja an den Blicken oder dann, wenn jemand wieder zu einem Kurs kommt.“ Und engagieren sich ihre Kinder – elf und 14 Jahre – auch sozial? „Noch nicht, aber das kann ja noch werden.“

Sascha Lehnhoff und der Katastrophenschutz


Auch das Technische Hilfswerk (THW) ist während Corona zwar einsatzbereit. „Aber Veranstaltungen wie gemeinsames Frühstück oder Bowling-Abende sind weggefallen“, sagt Sascha Lehnhoff. „Das hört sich nur nach Spaß an und ist es auch, aber es stärkt die Gemeinschaft und das fehlt uns sehr. Nicht umsonst bezeichnen einige Kameraden das THW als ihre Familie.“

Wie viel Zeit verbringt man als THWler mit seinem Ehrenamt? „Das kommt immer auf den Einzelnen an.“ Ein bis zwei Treffen im Monat seien Pflicht, aber zu tun sei immer etwas.

Sascha Lehnhoff

Sascha Lehnhoff

 

Seit 1998 ist er beim Werk aktiv. „Gut, ich war mal ein, zwei Jahre raus, aber ich konnte dann doch nicht anders“, so der 42-Jährige. „Es bringt einfach Spaß. Die Menschen sind toll, es ist der perfekte Ausgleich zu meinem Schreibtisch-Job und man tut noch etwas Gutes dabei“, erklärt er.

Worauf er sich nach Corona besonders freut? „Auf ein ungezwungenes Miteinander. Nicht ständig aufpassen zu müssen, ob jeder seine Maske richtig trägt, sich nicht zu viele Menschen in einem Raum aufhalten, dass wir einfach mal wieder gemütlich zusammensitzen können – so wie früher.“

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