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Sonderausstellung kommt nach Husum : Thomas Mann zu Gast im Storm-Haus

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Es ist die bislang größte Ausstellung im Museum, das dafür komplett umgeräumt wird: „Bürger auf Abwegen“ wird am 26. November eröffnet.

„Er ist ein Meister, der bleibt“, schrieb Literaturnobelpreisträger Thomas Mann 1930 über Theodor Storm. Seit seiner Jugend befasste sich Thomas Mann mit dem Husumer Dichter. Dabei wandelte sich sein Blick im Laufe des Lebens. Als Gymnasiast litt er unter der strengen Disziplin der Schule und fand Halt in der Lyrik Storms. Mit den „Buddenbrooks“ und „Tonio Kröger“ hatte Thomas Mann schon Erfolge als Schriftsteller feiern können, als er in dem Essay „Betrachtungen eines Unpolitischen“ den Gegensatz zwischen Bürger und Künstler auslotete. Theodor Storm galt ihm als perfektes Beispiel dafür, dass sich beide Lebensentwürfe vereinen lassen. Mit Mitte 50 schließlich interessierte er sich dann aber gerade für die Brüche in Storms bürgerlicher Existenz. „Korrekt gerade ist eigentlich nichts bei Storm“, schrieb Thomas Mann, führte aber weiter aus, dass gerade das Dichtertum die „lebensmögliche Form“ der Inkorrektheit sei.

Dieser Blick, den Thomas Mann auf Theodor Storm warf, war der Ausgangspunkt für die Veranstaltungsreihe „Bürger auf Abwegen“, die von der Theodor-Storm-Gesellschaft und dem Heinrich-und-Thomas-Mann-Zentrum in Lübeck gemeinsam organisiert wurde. Nach dem zehntätigen Kongress im September, der in Husum, Lübeck und Kiel stattfand, geht es nun mit der Ausstellung weiter. Vom 12. September bis 8. November wurde sie im Buddenbrook-Haus in Lübeck gezeigt, ab 26. November ist sie im Storm-Haus zu sehen.

„Es ist die größte Ausstellung, die wir jemals im Storm-Haus hatten“, sagt Dr. Christian Demandt, Leiter des Storm-Zentrums. „Im Buddenbrook-Haus gibt es einen großen Raum für Sonderausstellungen, den man flexibel gestalten kann. Aber bei uns ist es ein historisches Wohnhaus, so dass es eine besondere Herausforderung darstellt, die Ausstellung hier aufzubauen und zu integrieren.“ Die historischen Räume wie das Viola-tricolor-Zimmer und die Landvogtei im Erdgeschoss sowie die Wohnzimmer im Obergeschoss werden so bleiben und passende Themenbereiche aufnehmen. Mitglieder der Storm-Gesellschaft räumten aber in den vergangenen Tagen diverse andere Räume des Storm-Hauses leer und strichen sie neu, um sie dem Farbkonzept der Sonderausstellung anzupassen. Diese Zimmer werden dann die größten Teile der Ausstellung aufnehmen.

Insgesamt sind drei Themenbereiche vorgesehen: „Jugendzärtlichkeit“, „Eine legitime nationale Lebensform“ und „Inkorrektheiten“. Zu jeder Kategorie gibt es Themen-Stationen und Schreibtische, in denen die beiden Autoren gegenübergestellt werden. So besuchten beide dasselbe Gymnasium in Lübeck, machten dort aber ganz unterschiedliche Erfahrungen. Während sich die Ausstellung im Erdgeschoss noch den Fragen „Bürger oder Künstler?“ – „Unpolitisch oder nicht?“ stellt, geht es im Obergeschoss um die Risse und Brüche, wenn Themen wie bürgerliche Rituale, Familie, Religion und Heimat genauer untersucht werden.

Im umfangreichen Ausstellungskatalog werden diese Themen noch einmal ausführlich erläutert. Auf rund 200 Seiten finden sich Aufsätze der führenden Storm- und Mann-Forscher (ISBN 978-3-8353-1740-6). Fast wöchentlich gibt es außerdem Rundgänge mit Experten durch das Storm-Haus.

„Für uns ist diese Ausstellung auch ein Auftakt für das große Jubiläumsjahr“, so Demandt abschließend. „Denn 2017, wenn Storm 200 Jahre alt wird, planen wir eine noch größere Ausstellung und zahlreiche Veranstaltungen.“ Sein besonderer Dank gilt Caroline Fischer. Sie ist die wissenschaftliche Mitarbeiterin des Museums, die – dank der Unterstützung der Nospa-Stiftung – bereits für das Jubiläum arbeitet. „Ohne sie ginge es gar nicht“, weiß Demandt.

Der Startschuss für die Ausstellung fällt am Donnerstag, 26. November, um 19 Uhr im Kulturkeller, Schlossgang 7. Prof. Dr. Philipp Theisohn, Präsident der Theodor-Storm-Gesellschaft, wird die Gäste begrüßen. Anschließend spricht Prof. Dr. Hans Wißkirchen, Präsident der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft, ein Grußwort. Demandt wird eine kurze Einführung in die Sonderausstellung geben. Für musikalische Begleitung sorgt das Projekt Soundcloud Zauberberg, bestehend aus Ralf Kukowski, Matthias Zottel und Lars Pietsch. Anschließend geht es gemeinsam ins Storm-Haus, Wasserreihe 31, wo die Ausstellung mit einem Sektempfang feierlich eröffnet wird. Der Eintritt ist frei, es wird jedoch um Anmeldung unter Telefon 04841/8038630 gebeten.

Das Begleitprogramm zur Sonderausstellung
:

4. Dezember, 19.30 Uhr: Lesung „Immensee“ (Nino Moritz)
13. Dezember, 15 Uhr: Weihnachtsführung durchs Storm-Haus (Roman Mulke)
17. Dezember, 19.30 Uhr: „Weihnachten.“ Eine literarische Führung (Dr. Christian Demandt, Walter Arnold)
27. Dezember, 15 Uhr: Weihnachtsführung durchs Storm-Haus (Roman Mulke)
29. Dezember, 15 Uhr: Weihnachtsführung durchs Storm-Haus (Roman Mulke)
20. Januar, 19.30 Uhr: „Meeresrauschen“ – Immanente Transzendenz bei Theodor Storm und Thomas Mann (Vortrag von Prof. Dr. Andreas Blödorn)
4. Februar, 19.30 Uhr: Ungelebtes Leben – „Immensee“ und die Irrwege eines Bürgers (Vortrag von Dr. Christian Neumann)
11. März, 19.30 Uhr: Lesung „Tonio Kröger“, Teil 1 (Nino Moritz)
16. März, 19.30 Uhr: Dilemma- und Entscheidungssituationen im Werk Theodor Storms (interaktiver Vortrag von Uwe Querengässer)
18. März, 19.30 Uhr: Lesung „Tonio Kröger“, Teil 2 (Nino Moritz)
15. April, 16 Uhr: Finissage

Führungen durch die Sonderausstellung gibt es am 4. Dezember, 16 Uhr (Dr. Malte Denkert), 19. Dezember, 15 Uhr (Bettina Görke), 8. Januar, 16 Uhr (Dr. Malte Denkert), 16. Januar, 15 Uhr (Bettina Görke), 23. Januar, 15 Uhr (Bettina Görke), 5. Februar, 16 Uhr (Dr. Malte Denkert), 20. Februar, 15 Uhr (Roman Mulke), 27. Februar, 15 Uhr (Roman Mulke), 5. März, 15 Uhr (Roman Mulke), 11. März, 16 Uhr (Dr. Malte Denkert), 19. März, 15 Uhr (Roman Mulke), 21. März, 15 Uhr (Roman Mulke),

2. April, 15 Uhr (Bettina Görke) und am 9. April, 15 Uhr (Bettina Görke).



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