Theodor-Storm-Schule: Medienregeln sind kein Tabu-Thema

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12. Juli 2012, 03:59 Uhr

Husum | Der offene Brief des Chaos-Computer-Clubs (CCC) an Leitung, Lehrer und Eltern der Theodor-Storm-Schule (TSS) sowie an das Kieler Kultusministerium hat zwiespältige Reaktionen hervorgerufen. TSS-Schulleiterin Sibylle Karschin kann über den Inhalt nur den Kopf schütteln: "Das stimmt zum Teil gar nicht, was uns da vorgeworfen wird", sagt sie. Ein "Medienverbot" wie vom CCC beschrieben gebe es an der Schule überhaupt nicht, nur eine Beschränkung auf Nutzungszonen und -zeiten. Der vom Chaos-Computer-Club vorgeschlagenen Podiumsdiskussion stehe sie allerdings "sehr offen" gegenüber. "Ich rede gerne mit allen, am liebsten aber mit Menschen - doch der CCC ist für mich eine anonyme Größe." Mit der Schülervertretung jedenfalls sei sie über das Thema schon lange im Gespräch, "auch wenn wir unterschiedlicher Meinung sind". Es sei sogar schon eine Informationsveranstaltung kurz vor den Ferien angedacht gewesen, doch da habe dann einfach noch zu viel anderes auf dem Programm gestanden. Jetzt hat Karschin vor, sich in den letzten beiden Ferienwochen des Themas anzunehmen. "Ich muss mich dafür ja mit meinem Kollegium kurzschließen - und dessen Mitglieder haben schließlich auch ein Recht auf Urlaub."

Elternbeiratsvorsitzende Brigitte Bluhme nahm den Vorschlag einer gemeinsamen Debatte ebenfalls sofort auf: "Das ist eine gute Idee", sagt sie. "Mit offenem Visier über das Thema zu diskutieren ist doch das Beste, was uns passieren kann." Auch sie bedauert, dass die Zeit vor Ferienbeginn zu knapp für eine gemeinsame Runde von Lehrern, Eltern und Schülervertretung gewesen sei. "Aber wir können die Meinungen ja auch noch nach den Ferien sammeln." Der Mediengebrauch werde an der TSS entgegen der zugespitzten Formulierungen im CCC-Brief schon eingeübt und sei auch "ausdrücklich gewünscht", nur eben nicht jederzeit und überall. "Wir haben Spielregeln für den vernünftigen Umgang damit an der Schule - und ich bin schon mehrfach von Eltern, deren Kinder auf andere Schulen gehen, angesprochen worden, wie gut sie diese Regeln finden."

Dass die Diskussion über diese Regeln keinesfalls ein Tabu sei, bestätigt auch Michel Schröder, der stellvertretende Schülersprecher der TSS. Das habe der CCC wohl nicht gewusst. "Natürlich ist der offene Brief überspitzt formuliert, er sollte ja wohl auch provozieren - und sicherlich auch dem Projekt ,Chaos macht Schule des Clubs öffentliche Wirksamkeit verleihen." Der CCC engagiert sich nach eigenen Angaben im Rahmen dieses Projekts bundesweit für die Einbindung und Umsetzung von Medienkompetenz an sozialen und pädagogischen Einrichtungen. Und dass der Begriff "Medienverbot" die Situation an der TSS "nicht perfekt" umschreibt, sei auch den Schülern bewusst: "Die ursprünglichen Einschränkungen sind ja schon gelockert worden - aber das Wort ,Medienverbot hat sich gehalten", so Schröder. Das sei jetzt auch so ein bisschen "ein Kampfbegriff".

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