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Husumer Nachrichten

21. August 2017 | 22:00 Uhr

Neues Buch : Theodor Storm mal ganz privat

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Der Husumer Experte Prof. Karl Ernst Laage hat sich mit dem alltäglichen Leben des Dichters beschäftigt. Für sein neuestes Werk hat er zahlreiche Quellen aus der Umgebung Storms ausgewertet - und sogar herausgefunden, wo der am liebsten gebadet hat.

Ob er noch weiß, wie viele Bücher er über Storm geschrieben hat? Prof. Karl Ernst Laage, mittlerweise 93 Jahre alt, zuckt mit den Achseln: „Ich war mal irgendwann bei 25. Aber danach sind, glaube ich, schon wieder vier, fünf hinzugekommen.“ Dennoch ist er dem Dichter wohl noch nie so nahe gewesen wie in seiner jüngsten Schrift „Theodor Storm privat“ (Boyens-Buchverlag, ISBN 978-3-8042-1383-8). Zwei Jahre lang hat Laage für sein Buch recherchiert. „Das heißt eigentlich sogar noch länger“, resümiert der Gründer des Theodor-Storm-Museums. Hintergrund ist eine Serie, die er vor Jahren für das Journal unserer Zeitung verfasste: „Damals habe ich über Storm als Richter geschrieben. Das war der Anfang.“

In der neuen Publikation versucht er nun, den Dichter als „Menschen wie du und ich“ zu erfassen. Was kam bei den Storms auf den Tisch? Wie verhielt er sich gegenüber seinen Kindern? Welchen Wein mochte er? „In einer normalen Biografie wird all das ja höchstens am Rande behandelt“, sagt Laage, der das Ergebnis seiner umfangreichen Recherchen auf 25 Kapitel verteilt hat. Kapitel, denen „viel Sucharbeit“ in Archiven und Briefen vorausgegangen ist.

Dabei kam ihm zugute, dass er den Dichter wie kaum ein anderer kennt, und daher auch wusste, wo er suchen musste. „Bei früheren Quellenstudien bin ich natürlich schon auf Dinge gestoßen, an die ich mich jetzt erinnert und sie für mein Buch verwendet habe“, berichtet Laage. Wichtig waren in diesem Zusammenhang vor allem Zeugnisse von Menschen aus Storms unmittelbaren Umfeld. Menschen, die beschrieben haben, wie zum Beispiel seine Stimme klang. Und sogar eine Bettgeschichte gibt es. Die ist allerdings völlig frei von schlüpfrigen Details und hat allein Storms Verhältnis zu seinem Bett zum Inhalt.

Die Liste der Zeitgenossen, die Laages Buch mit Beobachtungen über den Dichter speisten, reicht von Franziska zu Reventlow bis hin zu Ludwig Pietsch, einem Maler und Kunstschriftsteller, dem Storm unfreiwillig, aber nicht ohne Folgen, bei einer Gemäldeausstellung in Berlin über den Weg gelaufen ist. Dieses und vieles mehr soll den Dichter anschaulicher und plastischer machen, seine menschlichen Seiten in den Mittelpunkt rücken.

Als Laage im Storm-Museum erstmals aus dem neuen Buch las, war das, was als schöner Abend gedacht war, ein ganz schwerer Gang. Nach kurzer, aber schwerer Krankheit war just an jenem Tag Laages Frau Heinke gestorben. Dass er trotzdem hinging, dass er nicht absagte, hat sicher auch damit zu tun, dass nicht nur sein Leben, sondern auch das seiner Frau eng mit dem Theodor Storms verbunden war. „So lange ihre Gesundheit es zuließ, schrieb sie meine Manuskripte“, berichtet Laage. Doch zuletzt reichte die Kraft nicht mehr. So war diese Buchvorstellung im Storm-Museum am Ende auch eine Hommage an seine Frau. Die vielen Besucher, die dem früheren Präsidenten der Theodor-Storm-Gesellschaft ein volles Haus bescherten, wussten damals davon nichts. Und Laage wäre nicht, wer er ist, wenn er sich etwas hätte anmerken lassen.

Dass sich dank der Recherchen für sein Buch auch der Dichter und sein Denker wieder ein Stück näher gekommen sind, ist bei alledem natürlich nur ein schwacher Trost. Und doch freut es Laage, über Storms Verhältnis zur Nordsee herausgefunden zu haben, dass dessen Lieblingsbadestelle der Dockkoog war: „Da geh’ ich selbst auch am liebsten hin“, sagt er lächelnd.

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erstellt am 12.Okt.2013 | 17:00 Uhr

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