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Husumer Nachrichten

16. Dezember 2017 | 06:45 Uhr

Text und Musik verschmolzen zu einer Einheit

vom

shz.de von
erstellt am 05.Aug.2013 | 03:59 Uhr

Osterhever | "Unser Gast ist nicht nur ein bekannter Autor, sondern auch ein freundlicher Mensch aus der Nachbarschaft", charakterisierte Pastorin Eva Hoefflin den Schriftsteller Uwe Herms, der anlässlich der 900-Jahr-Feiern der Kirchen auf Eiderstedt in Osterhever eine Lesung hielt. Denn Herms lebt und arbeitet in Poppenbüll, nach vorherigen Aufenthalten in Hamburg und Berlin.

Der Schriftsteller hatte zu seiner Lesung in der St.-Martin-Kirche in Osterhever einen profilierten Musiker an seiner Seite - Ralf Jarchow aus Hamburg, der mit seiner zehnsaitigen Barock-Laute für die musikalische Untermalung sorgte. Neben Auszügen aus seinen eigenen Werken zitierte Herms aus Gedichten anderer Autoren, die zumeist in der Barockzeit lebten. und auch der Lautenist brachte wunderbar melodiöse, gefühlvolle Stücke aus eben dieser Zeit zu Gehör - Text und Musik ergänzten sich zu einer besinnlichen Einheit.

Nach dem Gedicht "Abend" von Andreas Gryphius (1616-1664) stieg Ralf Jarchow mit einer Komposition von 1691 stimmungsvoll ein, um schließlich dann einer tiefgründigen Betrachtung des Autors über die Beziehung zwischen Mensch und Tier Raum zu geben. "Der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung", las Herms aus seinem "Gesang der Wale", "sondern ihr Kerkermeister". Und die vom Menschen geschaffene Hierarchie dokumentiere sich für den Autor in der Figur des "Bamberger Reiters" aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts: "Der Mensch reitet auf einem Pferd, unter dessen Hufen sich andere Tiere und die Pflanzen befinden." So sei auch die "Geringschätzung der anderen Lebewesen in der Eindeichung des Wattenmeers ausgedrückt", wie Herms es formulierte, und fast warnend: "Vielleicht sind die Gesänge der Wale nicht nur ein Requiem für sie selbst."

Eher versöhnlich dann ein Stück aus den Familiengedichten, geschrieben für seinen damals noch kleinen Sohn Julian, als Herms eine Zeit in der römischen "Villa Massimo" verbrachte; der Autor bezeichnet seinen Sohn darin zärtlich als "meinen kleinen Sperrmüllmeister aus Hamburg". Ralf Jarchow brillierte danach mit einem kuriosen Stück von 1604 auf der Laute, das eigentlich für ein ganz anderes Instrument gedacht war und Tonfolgen beinhaltete, die für die Laute unüblich sind - "es erinnert ein wenig an Heavy Metal", befand der Musiker. Nach dem Gedicht "Mensch werde Gott verwandt" von Angelus Silesius (1624-1677) und einer Händel-Komposition kam man zum Schluss und dem Höhepunkt des Abends: Matthias Claudius "Der Mond ist aufgegangen" von 1778, gefühlvoll rezitiert von Uwe Herms und gleichzeitig begleitet von der bekannten Melodie auf Jarchows Laute.

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