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Immobilien-Boom in St. Peter-Ording : Teures Pflaster

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Die Immobilienpreise in St. Peter-Ording schießen in die Höhe. 4300 Euro kostet der Quadratmeter im Durchschnitt. Und sie könnten weiter steigen, da die Verkaufsbereitschaft sinkt.

„Wir wollen kein zweites Sylt werden“, hieß es dieser Tage unter den Selbstständigen bei der Vorstellung einer Einzelhandelsstudie für das Nordseeheilbad. Dennoch drängen sich Vergleiche immer wieder auf. Zum Beispiel beim Immobilienmarkt. Kaufinteressenten wählen nämlich nach Einschätzung der Bausparkasse LBS immer häufiger St.-Peter-Ording als Ausweichziel für Sylt, wenn es darum geht, sich ein schickes Häuschen in bevorzugter Nordsee-Lage anzuschaffen. Und bei der Preissteigerungsrate für Ein- und Zweifamilienhäuser hat die Gemeinde auf Eiderstedt die Insel deutlich übertroffen. Um durchschnittlich 30,2 Prozent teurer als 2015 wurden Häuser in St.-Peter-Ording zwischen Juli 2016 und Juni 2017. Auf Sylt liegt die Steigerung bei vier Prozent, wie aus dem gerade veröffentlichten neuesten Immobilienmarkt-Atlas der LBS hervorgeht. In absoluten Zahlen sind die Preise zwischen List und Hörnum aber natürlich viel höher als zwischen Ording und Böhl.

Mit gut 4300 Euro muss man in St. Peter-Ording mittlerweile im Schnitt für den Quadratmeter rechnen. Schon bei einer vergleichsweise bescheidenen Wohnfläche von 120 Quadratmetern liegt man somit über der Marke von 500.000 Euro. Doch viele Käufer suchen eine Wertanlage. „In Spitzenlagen sind die Preise sogar noch höher“, weiß Jörg-Peter Radtke, Immobilienberater bei der Nord-Ostsee-Sparkasse für St.-Peter-Ording und das westliche Eiderstedt. Eine Normalverdiener-Familie kann sich das doch nicht mehr leisten, oder? „Pauschal gesagt: „Nein“, sagt Bürgermeister Rainer Balsmeier. Es gibt zwar Häuser um 300.000 Euro, die zum Verkauf stehen. „Diese sind dann aber  häufig renovierungsbedürftig oder liegen im Außenbereich von St. Peter-Ording“, weiß Juliane Grosjohann, Büroleiterin bei Engel & Völkers.

Um die Entwicklung zu bremsen, ist man bemüht, so einzugreifen, „wie eine Gemeinde das eben kann“, so der Rathaus-Chef. Immobilienberater Radtke spricht in diesem Zusammenhang davon, „einer Versyltisierung zuvorzukommen“. Dazu gehört beispielsweise die Verpflichtung, Immobilien zehn Jahre selbst zu nutzen. Neubaugebiete, so hofft Bürgermeister Balsmeier, wird es auch in Zukunft geben. Doch eine echte Alternative ist der Eigenheimbau trotz Bezuschussung in Höhe von 5000 Euro für jedes minderjährige Kind wegen der hohen Grundstückspreise auch nicht. Das Gleiche gilt für Eigentumswohnungen. Hier liegt der Quadratmeterpreis bei durchschnittlich 4000 Euro.

Bleibt das Wohnen zur Miete. Gerade wurde im Neuweg mit dem Bau eines Komplexes mit 75 Wohnungen begonnen, von denen 40 Prozent Sozialwohnungen sind. Nach Auskunft Balsmeiers gibt es weitere Ideen in diese oder in eine ähnliche Richtung; diese seien aber noch nicht spruchreif.

Radtke empfiehlt Immobilien-Interessenten mit niedrigerem Budget, in die Nachbargemeinden auszuweichen. In der Umgebung des Nordsee-Heilbads ist es laut LBS-Atlas günstiger. In Wester- und Osterhever kostet ein Haus um die 2000 Euro pro Quadratmeter, auch in Tating (1200 Euro) und Garding (1800 Euro) scheint der Immobilienkauf viel erschwinglicher zu sein. Die Steigerungsraten seit 2015 sind aber auch dort recht hoch, sie liegen zwischen 18 und 22 Prozent.

Und wie geht es weiter? Es sei eine sehr lukrative Zeit, um in St. Peter-Ording eine Wohnung oder ein Haus zu erwerben, sagt Maklerin Grosjohann. Sie prognostiziert: „Die Preise werden weiter anziehen und St. Peter-Ording entwickelt sich zu einem der gefragtesten Orte an der Nordsee.“ Letzteres indes ist die Küstengemeinde ja schon. Jörg-Peter Radtke nennt einen weiteren Grund für die zu erwartende Entwicklung: „Die Verkaufsbereitschaft sinkt.“ Das führt zu einer Verknappung auf dem Markt, und das wiederum treibt die Preise in die Höhe.

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