Tesla im Licht der Öffentlichkeit

Mit diesem Plakat wirbt das Museum für die Ausstellung.(hn)
Mit diesem Plakat wirbt das Museum für die Ausstellung.(hn)

Das Nordsee-Museum zeigte Anfang März ein Gemälde, das seit 85 Jahren als verschollen galt. Damit rückte das Bild - genau 93 Jahre nach seiner erstmaligen Präsentation in New York - wieder in das Blickfeld der Öffentlichkeit. Von Sonntag an ist es Teil einer Ausstellung im Nissenhaus.

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26. März 2009, 06:50 Uhr

Husum | Das "blue portrait" (blaue Porträt) von Nikola Tesla (1856 -1943) hat einen festen Platz in der Geschichte des elektrischen Stroms. Für die Bewunderer des "Meisters der Blitze" ist das Gemälde nach wie vor eine Ikone. Das belegen Reaktionen aus Deutschland, aber auch aus Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Österreich, der Schweiz, Serbien und den Vereinigten Staaten von Amerika.

Nikola Tesla saß nur ein einziges Mal für die Porträtmalerin Vilma Fürstin Lwoff-Parlaghy (1863 -1923) Modell. Das Licht in ihrem Atelier installierte Tesla selbst, natürlich mit den von ihm erfundenen Leuchtstoffröhren. Als die High Society New Yorks am 1. März 1916 das Porträt erstmals begutachten durfte, erschien es blau. Ein Effekt, den Tesla durch blaue Filter erreichte. Und so ging das seinerzeit von Künstlerin und Modell gemeinsam inszenierte Ölgemälde als "blue portrait" in die Technikgeschichte ein.

Das Nordsee-Museum kann das einmalige Bild dank der Unterstützung durch die Stadtwerke Husum und der Nord-Ostsee Sparkasse vom 29. März bis 14. Juni in einer Sonderausstellung präsentieren. Titel der Schau: "Mythos, Strom und eine Malerfürstin. Das ,blue portrait von Nikola Tesla - dem Mann, der die Welt erleuchtete." Zu den Exponaten gehören weitere Porträts von Fürstin Vloff-Parlaghy - darunter auch eines, das den Stifter des heutigen Nordsee-Museums, Ludwig Nissen, zeigt. Ferner soll eine Ausstellung der Schweizer Nikola Tesla-Society gezeigt werden. Und ein eigener Raum ist "Nikola Tesla - täglich um uns" gewidmet. Darin findet der Besucher Entwicklungen des genialen Kroaten, mit denen jeder Mensch täglich umgeht.

Dem illustren Leben des Porträtierten steht das seiner Porträtmalerin übrigens in nichts nach. 1863 als Vilhelmine Elisabeth Parlaghy im ungarischen Hajdu-Dorog geboren, studierte die Adlige Kunst in ganz Europa. 1890 heiratete sie ihren ersten Mann, Dr. Karl Krüger, und wurde nur zwei Jahre später erstmals in Meyers Konversationslexikon erwähnt. Nach der Berufung an die Französische Akademie scheitert 1895 die erste Ehe. Vier Jahre später heiratet Vilma dann in Prag den russischen Fürsten Vloff. Auch diese Ehe wird keine fünf Jahre dauern, doch immerhin verdankt die Malerfürstin ihr ein ansehnliches Domizil im französischen Nizza. 1908 geht sie nach Amerika und avanciert dort schon bald zur gefragten Malerin der gehobenen New Yorker Gesellschaft. Sie residiert in einer 14-Zimmer-Suite und führt täglich ihren Löwen im Central Park aus.

Glanzstück ihres künstlerischen Schaffens war sicherlich die Präsentation des Porträts von Nikola Tesla. Der hatte mit seinen Erfindungen das Wechselstromnetz möglich gemacht und an den Niagara-Fällen das erste Großkraftwerk errichtet. In dieser Situation stellten die beiden das erste (und einzige) Porträt des Erfinders vor - beleuchtet im blauen Licht jener künstlichen Blitze, denen Tesla seinen Ruhm verdankte. Zum ersten Mal wurden damit Kunst und Kunstlicht in dieser Weise zusammengeführt. Und diese Verschränkung war es dann auch, die das "blue portrait" zur "Ikone der Tesla-Gemeinde" und der Technikgeschichte machte.

Nach LLwoff-Parlaghys Tod kaufte Ludwig Nissen ihren Nachlass und kam auf diese Weise auch in den Besitz des "blauen Porträts". Dass es seinen festen Platz in der gleichnamigen Sammlung hat, erscheint irgendwie folgerichtig: Immerhin ist Husum die Heimat der weltgrößten Windenergie-Messe. Fast könnte man meinen, das berühmte Bild habe auch unerkannt gewirkt - und etwas von dem unbändigen Erfinder-Geist und der Visionskraft Teslas schon früh auf Nordfriesland übergehen lassen.
Vernissage
Die Ausstellung „Mythos, Strom und eine Malerfürstin. Das ,blue portrait‘ von Nikola Tesla – dem Mann, der die Welt erleuchtete“ wird am Sonntag, 29. März, um 11.30 Uhr eröffnet. Es sprechen Dr. Ulf v. Hielmcrone für den Museumsverbund Nordfriesland und die Nissen-Stiftung sowie Susanne Grabler für die Stadtwerke Husum GmbH. In die Ausstellung, die bis zum 14. Juni zu sehen ist, führt Museumsleiter Dr. Sven-Hinrich Siemers ein.

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