zur Navigation springen

Dialog soll fortgesetzt werden : Tennet räumt Probleme ein

vom
Aus der Redaktion der Husumer Nachrichten

Wegen unvollständiger Planungsunterlagen der Westküstentrasse verärgerte Grund eigentümer und die Tennet, suchten in Mildstedt nach einer Lösung. Nun verspricht Tennet den offenen Dialog.

Kommunikation scheint nicht die Stärke des niederländischen Staatsunternehmens Tennet zu sein. Dieser Eindruck verfestigte sich bei den rund 100 Besuchern der vom Amt Nordsee-Treene im Mildstedter Kirchspielskrug abgehaltenen Informationsveranstaltung zur geplanten Trasse der 380-kV-Höchstspannungsleitung, der Westküstentrasse. Zwar war Tennet mit gut einem Dutzend Mitarbeitern und dem Projektleiter Westküstentrasse, Dr. Bernd Brühöfer, erschienen, doch die offensichtlich gestörten innerbetrieblichen Kommunikationsstränge des Unternehmens traten deutlich zu Tage.

Schon nach den ersten Worten des Tennet-Managers die ersten empörten Rufe im Krug. Hatte er doch festgestellt, dass die Grundeigentümer, auf deren Areal Masten errichtet werden sollen, bis auf ein oder zwei alle bereits unterrichtet worden sein. Obwohl längst nicht alle Eigentümer im Saal anwesend waren, schnellten dennoch elf Hände in die Höhe: „Wir nicht.“ Das konnte sich Dr. Brühöfer nicht so ganz erklären, versprach aber sofort, dass dies schnell nachgeholt werde.

„Das wird aber auch Zeit. Wir werden hier doch nur hingehalten“, war nur eine der Unmutsäußerungen. Der Grund: Bereits am Donnerstag (19.) endet die Einspruchsfrist für das Planfeststellungsverfahren der Westküstentrasse im Bereich von Husum bis Heide. Und noch sind sehr, sehr viel Fragen offen. So wurden die Wünsche der Grundeigentümer, beispielsweise über die Verlegung geplanter Masten, die mitten auf einem Acker oder einer Wiese stehen sollen, hin zum Rand, in den ausgelegten Plänen bislang nicht berücksichtigt. Das räumte Dr. Brühhöfer ein, betonte aber, dass die Änderungswünsche dennoch in den weitergehenden Planungen Berücksichtigung finden würden. Nicht alle, da die Verlegung nicht immer machbar sei. „Darauf können sie sich verlassen“, sagt der Tennet-Mann. Zudem sagte er, dass in der nächsten Woche alle Grundeigentümer die Bestätigung von Tennet erhalten sollen. Allerdings, bereits am 19. Februar läuft die Einspruchsfrist ab, was von den Besuchern mit deutlichem Gemurre aufgenommen wurde.

Den Vorwurf, dass Tennet seine Hausaufgaben wohl nicht vernünftig gemacht habe, wollte Brühhöfer so nicht stehen lassen, denn die Planungen seien sehr kompliziert. Die Verschiebung eines einzelnen Mastes habe nämlich auch gewaltige Folgen für die weitere Trasse, zudem müssten allerlei Kriterien beachtet werden, wie etwa auch das ökologische Umfeld. Und an diesem Punkt machten viele Besucher fest, dass die Planung beim Staatsunternehmen nicht ganz so optimal verläuft. Denn in der Diskussion über einzelne Maststandorte, stellte sich heraus, dass eine Verschiebung von der Feldmitte an den Rand auch aus umweltrechtlichen Gründen nicht immer möglich sei. Ein Mast hätte dann beispielsweise auf einem Knick stehen müssen. Dies, so erläuterte eine Tennet-Planerin, sei rechtlich problematisch. Der Saal protestierte, denn schließlich seien bei den Gasleitungen Knicks auf mehreren 100 Meter Länge abgetragen und überplant worden. Tobias Goldschmidt, Leiter der Stabsstelle Energiepolitik beim Energie- und Umweltministerium , hingegen betonte daraufhin, dass er den Dialogprozess bislang so verstanden habe, dass auch ein Knick im Einzelfall überbaut werden könne. Daraufhin versprach Dr. Brühöfer, diesen und ähnliche Fälle nochmals zu überprüfen. Warum dies nicht schon längst geschehen sei, zumal die Änderungswünsche bereits Mitte des vergangenen Jahres vorgetragen worden seien, konnte der Tennet-Planer nicht beantworten. Die Diskussion, ob ein Mast über einen nicht wasserführenden Graben gebaut werden darf oder nicht, wurde schließlich in Einzelgesprächen geklärt, obwohl dies nach Einschätzung der meisten Besucher eigentlich hätte längst geschehen sein müssen.

Nach teilweise hitziger Diskussion empfahl Dr. Brühöfer allen Grundeigentümern, zur Wahrung ihrer Rechte Einspruch gegen die Planung einzulegen. „Dann sind Sie auf der sicheren Seite.“ Zudem versprach er, dass die Standortdiskussion noch längst nicht abgeschlossen sei. Er betonte nochmals, dass die bereits in 2014 geäußerten Wünsche der Grundeigentümer nach Umstellung von Masten, dort, wo es möglich sei, Berücksichtigung gefunden hätten, nur noch nicht in der laufenden Planfeststellung. Sie würden aber in die weiteren Planungen einfließen, darauf gab er sein Wort. Das wollten die Besucher aber nicht einfach so hinnehmen, sie erkundigten sich noch beim Hinausgehen, wo und bei wem sie die Widersprüche gegen die laufende Planung einlegen können. Auf Vorschlag von Dr. Brühhöfer sollen jetzt schnellstmöglich Arbeitsgruppen aller Beteiligter gebildet werden, die sich Maststandort für Maststandort vornehmen.

zur Startseite

von
erstellt am 13.Feb.2015 | 11:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen